Amphetamin-Entzug: was erwartet mich?

  • Hallo,


    ich habe mich in den vergangenen Wochen wahllos mit Ritalin zugeknallt und teilweise bis zu 100 mg genommen.
    Heute habe ich damit aufgehört und spüre außer einem ständigen Schlafbedürfnis nicht viel.
    Anfangs war ich auch ziemlich unruhig - das könnte jedoch auch vom Rebound gekommen sein.
    Ich wollte daher fragen, ob jemand Erfahrung hat mit Speed, Pep, Ritalin & co und mir sagen könnte, wie sich der Entzug konkret äußert und ob auch körperliche Entzugserscheinungen auftreten können.
    Ich habe nämlich am Donnerstag einen Termin in einer psychosomatischen Klinik und bis dahin will ich clean sein.
    Danke schon mal für eure Antwort!
    Lg,
    stella

  • Hallo stella,


    Direkte erfahrungen habe ich mit Amphetamin"entzügen" (würde ich eher als rebound einschätzen). Da Ritalin und XTC noch etwas anders wirken, können sich deren entzüge allerdings etwas anders äußern.
    Erstmal: Ein heftiger Entzug wie bspw. von Heroin wird dich nicht erwarten!
    Wieviele wochen hast du denn konsumiert? Typisch ist, dass man nach absetzen von Amphetaminen erstmal ein erhöhtes schlafbedürfnis spürt. Viele sind dann ein, zwei wochen absolut kraft- und motivationslos und verbringen den tag damit zu schlafen, zu essen und TV zu schauen. In der phase regeneriert sich der körper wieder und holt sich eben das zurück, was ihm davor verwehrt wurde.
    Das fällt aber auch unterschiedlich stark aus - manche haben echt damit zu kämpfen, ich hatte nach ca. 3 Monaten heftigem amphekonsum recht wenig beschwerden. War halt etwas kraftlos. Aber das legt sich alles.


    Bei XTC stellt sich ja eher ein kater ein. Viele reagieren mit Depressionen, die aber nach 1-3 Tagen wieder verschwinden. Man hat nen dicken kopf, ist wie gesagt Depressiv und halt angeschlagen. Auch das legt sich innerhalb einiger tage (kann mir nicht vorstellen, dass jemand täglich über nen längeren zeitraum durchgehend XTC konsumiert, dann kann das noch wesentlich schwerere auswirkungen haben, die aber nicht unter entzug fallen).


    Bei Ritalin speziell weiß ich es nicht. Habe es nur ein paar mal genommen, da das runterkommen danach für mich heftiger war als das runterkommen von teilen. Das konnte ich mir nicht länger geben. Aber da wirst du dich wohl auf ähnliche sachen wie nach amphe einstellen müssen (nur vielleicht nicht für so lange).


    Konzentrier dich aber nicht allzu sehr darauf. Gebe deinem körper das, was er verlangt - schlafe ruhig mehr, ernähre dich gesund (vitamine können auch nicht schaden) und gönne dir etwas ruhe zum kräfte sammeln. Du wirst merken, wenn du wieder "hergestellt" bist.



    Lg, ashia

  • Also soweit ich mich (ex-H-User) mit Ritalin auskenne und was mir zur Zeit in der Schule beigebracht wird ist Ritalin kein Mittel das grundsätzlich Abhängigkeit verursacht. Wie es mit deinem Beikonsum aussieht steht auf nem anderen Blatt.



    Mfg.

  • Es ist ja nicht so, dass es mein erster Ritalinentzug ist. Ich hatte schon mehrere und jeder äußerte sich ein wenig anders.
    Beim ersten bekam ich ganz schlimme Krämpfe und Sehstörungen und wurde im Krankenhaus entgiftet.
    Beim zweiten bekam ich extrem starke Kompfschmerzen und Bewusstseinstrübungen. Ich war körperlich total erschöpft und gleichzeitig innerlich unruhig, wurde sehr Depressiv und heulte oft stundenlang. Konzentrationsmäßig ging gar nichts mehr und mein Kopf war permanent wie benebelt.
    Das war der Auslöser, warum ich wieder damit anfing. Weil ich ohne einfach nicht mehr konnte.
    Vor drei Tagen habe ich wieder versucht, aufzuhören und es zwei Tage lang durchgezogen. Dann kamen wieder diese unerträglichen Depressionen, ich lag nur noch im Bett und hatte kaum mehr Kraft aufzustehen.
    Weil ich diesen Zustand so unerträglich fand, fing ich wieder damit an und nun hasse mich dafür.
    Und ich frage mich, warum es für alle anderen so leicht ist, von dem Zeug loszukommen, während ich es einfach nicht auf die Reihe kriege.
    Ich denke, mein Hauptproblem ist es, dass ich das Zeug nicht nur gelegentlich - auf Partys oder so - konsumiere, sondern jeden gottverdammten Tag...

  • Hey leute.

    <<<<Stella kann mir vorstellen dann es schwer is,nehme es seid fasst 2 jahren jeden Tag und mir gehts immer beschissener sehe scheiße aus.
    Habe schon tausend versuche gestartet es zu beenden aber ich krieg es einfach nicht hin.....Weiß leider auch nichtmehr weiter bist also nicht die/der einzige ;)
    Gruß David

  • Genau mein aktuelles Thema.,Ich Rauche nur hin und wieder und ziehe im Moment Pep und das nicht wenig.Versuch gerade auch von Zopiclon runter zu kommen.Aber wenn ich das eine nicht mache dann mache ich das andere.Wie im kreislauf.

  • Naja - kennst dich ja bereits aus!
    Faustregel: Was du in dich reinpumpst, muß auch irgendwie wieder raus!


    Einfach daran denken, bevor du dich das nächste Mal drauf einläßt!


    (HA, sagt sich leicht für mich, ich weiß! Aber ich war auch mal der "Speed King"...Heute regt sich beim Gedanken an diese Art von Droge nur noch ein angeekletes Abwinken...Aber durch das schwarze Loch, da MU?T du durch, da geht kein Weg daran vorbei.Und mit jedem Mal, wo du wieder anfängst, wird es tiefer und schwärzer ohne...)


    Lasses bleiben. LG:Ganesha


  • ----------Beitrag automatisch hinzugefügt um 22:06 ---------- Vorheriger Beitrag war um 22:04 ----------


    Hey Stella 83


    Soweit ich mitbekommen habe ,scheint es dein erster wahrscheinlich unfreiwilliger entzug zu sein . Das was ich erlebt habe ging aber über das Narkolepsie Syndrom hinaus von Hände zittern über erbrechen war alles bei also sei froh das es sich bei dir in grenzen hält

  • hallo,
    ich hab mehrere sachen gleichzeitig genommen, eigentlich schon immer. egal. letztes jahr fand ich durch nen riesenzufall ne substanz, die mit einer anderen kombiniert, das super-amphetamin schlechthin ist. zu der zeit war ich auf ein neuroleptikum zum schlafen eingestellt und war selbst davor schon total matsch im kopf, was gedächtnis und konzentration angeht. das neuroleptikum reichte dann nicht mehr um mir zum schlafen zu verhelfen. aber die wirkung war so unglaublich gut und ich stufte es weniger als droge als vielmehr als antidepressivum ein. aber die wirken ja in der regel nicht ab dem ersten tag. ich war dauerhaft gut drauf, meine depris waren weg. ich war voller kraft (körperlich, geistig, psychisch) und ich konnte meinen job wieder gut machen und lachte auch viel und war sehr selbstbewusst.
    die wirkung ließ nur sehr langsam nach und durch erhöhnung einer der beiden substanzen konnte ich das sehr lange hinauszögern. im märz war mir das dann nicht mehr geheuer und ich ließ es bleiben. von da an war ich nur noch in einen nebel getauch, konnte keinem gespräch mehr folgen, mir nichts mehr merken, war wieder sehr Depressiv und lustlos und so wie ich mir das dann dachte, dass ich auch leicht von den Benzos loskomme, war es auch nicht. ich sag nicht, was ich geommen hab. aber es reicht zu wissen, dass es eine toleranz aufbaut. ich hab es jetzt nochmal versucht. aber die balance krieg ich zum einen nicht mehr hin und die wirkung wird wohl nie mehr so sein, wie sie mal war. außerdem muss ich eine gewisse diät einhalten, wenn ich erst drin bin. alles mist.
    ab jetzt geh ich den weg mit den ärzten. weg von den Benzos und keine aufputschmittel mehr und dann werd ich sehen, wie und was sich wieder zum besseren einstellt. neuroleptika will ich meiden. die wirken ja so ungefähr gegensätzlich zu amphetaminen, also auch nicht gerade das, was man so will.
    es ist schon etwas besser geworden nach einer weile, als ich meine substanz x nicht mehr genommen hab und ich das neuroleptikum ausgeschlichen hab. es braucht alles seine zeit. lesen und schreiben fällt mir immer noch schwer. aber das wird hoffentlich auch wieder einigermaßen.
    das schlimmste ist, dass die fähigkeit freude zu empfinden noch weniger da ist als vorher und das will was heißen. ärzte kennen das zeug auch nicht mal und können gar nicht begreifen, was ich mir da reingepfiffen hab. ich weiß ja nicht mal, wie das genau biochemisch gewirkt haben muss. aber ich denke, es wird ähnlich wie XTC oder amphetamine gewirkt haben. immerhin die entlastung für den kreislauf ist sehr angenehm, wenn ich sein lasse ... wieder mal normale blutdruckwerte ...


    theoretisch könnte ein schneller entzug besser sein als langsamer, weil der körper ggf. einen positiven re-rebound-effekt draus macht. das gehirn versucht nur immer ein biochemisches gleichgewicht herzustellen. bringt man es aus dem gleichgewicht, versucht es den ursprungszustand hinzukriegen. lässt man seine droge sein, verläuft diese reaktion in die falsche richtung und es wird wieder eine umstellung stattfinden, die hoffentlich wieder dem ausgangszustand entspricht ....


    ich hab heute immerhin schon das hier geschrieben und vorher ne lange mail beantwortet. vor einigen wochen ging das fast gar nicht mehr ..


    ich hoffe, es wird alles noch etwas besser mit der zeit.


    gruß
    bender

  • Hallo Bender,


    klasse, daß du es angehst - ich habe selber gar keine Erfahrung mit Pillen, aber vielleicht nutzt dir ja die folgende Info was.


    Als ich mit dem Rauchen aufhörte, da hatte ich über mehrere Wochen eine ziemliche Traurigkeit in mir - so als ob meine Fähigkeit, Freude zu empfinden, weg gewesen wäre. In dem Rauchstopp-Forum wurde mir dann erklärt, daß das ganz normal sei, da ja mein Gehirn so viele Rezeptoren für das Nikotin entwickelt hätte und ich nun die ganze Zeit diese freien Rezeptoren fühlen würde. Diese Rezeptoren bilden sich allerdings auch wieder zurück - aber es dauert seine Zeit. Ich stellte mich dann auf 3-12 Monate Traurigkeit ein. Und nach ungefähr 3 Monaten fing es dann aber auch shcon wieder an, "normal" zu werden.


    Ich drück dir mal die Daumen, daß auch bei Tabletten das GEhirn in der Lage ist, sich wieder auf die veränderte Situation einzustellen. Und ich wünsche Dir die Kraft, die Zeit, die es braucht, auszuhalten.


    Zu den Benzos in dem anderen Thread - da lief vor ein paar Wochen mal ein Bericht im Fernsehen - da hatten die beiden Hauptpersonen auch lange mit zu tun. Bei der einen hat es ungefähr ein Jahr gedauert, bis sie wieder halbwegs funktionierte, bie der anderen kamen die Schlafstörungen zurück, aber sie fand andere Wege, mit den Schlafstörungen umzugehen. Beide Frauen waren sehr froh über ihren Benzo-Entzug und wollten lieber die Schwierigkeiten händeln, als unter einer Glocke zu leben. (So zumindest in meiner Erinnerung :3: )


    LG Wolke

  • Hi Bender,


    alter Alchemist!
    Erstmal echt gut, dass du darauf verzichtest, deinen persönlichen Mix auch noch bekannt zu geben.
    Könnte dann doch den Ein oder Anderen Nachahmer generieren.


    Naja - und was du jetzt hast, das ist der ganz normale Come Down (Runterkommen).
    Ich habe das auch erst begriffen, was da so alles abgeht, als ich - wie Wolke - mit den Kippen aufhörte & mich intensiv mit der Rezeptoren geschichte beschäftigte.
    Lass den Teilen einfach bissel Zeit - versuche, dich zu fordern...
    Sowohl den Körper durch Bewegung als auch das Hirn durch Lesen, Schreiben, Gespräche - es gibt da so Übungsprogramme mit leichten Übungen, die sehr anregend sind.


    Und wenn du ne Durchhänger hast, lass es zu - du bist lange Zeit auf der Überholspur gerast, jetzt braucht dein System Zeit, um wieder normal funktionieren zu können.

    Zitat


    ich hoffe, es wird alles noch etwas besser mit der zeit.

    Jepp! Wird es! (Eigene Erfahrung)... LG.Ganesha


    *edit* Eine leichte Ernährung trägt auch viel bei, da dein System weniger belastet wird.

  • hey wolke und ganesha,


    danke für eure worte. ein bisschen weiß ich, wie das mit den Rezeptoren läuft, Up- und Downregulierung und so. Ich glaub, es ist ganz wichtig, dass man bzw. ich jetzt mir wirklich die Zeit gebe, bis ich wirklich ne Besserung erwarten darf. So mittendrin sind die Gedanken an "Hilfe von außen" doch immer sehr stark, selbst wenn es nur übermäßiger Kaffeekonsum ist oder so. Aber ständig kreisen meine Gedanken um Tabletten und Drogen. Das nervt doch ziemlich. Heute bin ich den ganzen Tag müde, aber immerhin auch recht entspannt und mein Kreislauf arbeitet nicht durchweg auf Hochtouren. Training ist ne gute Idee, ganesha. Muskeln kann ja man ja auch trainieren. Muss doch mit den grauen Zellen auch klappen.
    Und nach dem Rauchen dauert es auch so lange? Das ist krass. Überhaupt Monate, bis sich manches wieder normalisiert. Ich habe nie gelernt in solchen Zeitabschnitten zu denken. Ist vielleicht mal einen Versuch wert. Im nächsten Jahr oder vielleicht schon Weihnachten geht's mir besser - oder so.^^ Nee, könnte mir wirklich was bringen. Nicht immer zu früh Bilanz ziehen und aufgeben. Und vor allem nicht die Ärzte anlügen. Bin eh mal auf Dienstag gespannt, was mein Urin so verrät ....


    LG
    bender

  • Hallo Bender,


    das die Gedanken so ganz arg viel ums Thema kreisen kenn ich gut, hat mich am Anfang sehr belastet. Bis ich es mir einfach erlaubt habe - und mir dachte: "Na, und? dann denkste nu halt 80% der freien Zeit ans Thema"


    Das hat gut geholfen. Es war zwar nicht so, daß ich dann weniger dran gedacht hätte, aber es hat mich nicht mehr so gestresst. Ich weiß noch, wie nach ungefähr 30-50 Tagen nach dem Rauchstopp mein erster Gedanke NICHT einer Kippe galt. Ach, da war ich glücklich. Der GEdanke kam dann zwar schon nach wenigen Minuten, aber es war das erste mal NICHT der ERSTE Gedanke.


    Und nach ein paar Monaten hatte ich dann schon Stunden, in denen ich gar nicht ans Thema dachte. Auch jetzt denke ich täglich ans Thema (Kiffen, Rauchen)....aber ich denke mindestens genauso oft an meine Arbeit, an die Katzen, ans Tanzen, an meine Geschwister....und und und.


    MIr hat seit meinem Rauchstopp ganz gut geholfen, daß ich mir bei solch gravierenden Veränderungen 1 Jahr schlechtgehen zugestehe. Was ist schon 1 Jahr gegen all die Jahre, die es mir schlecht gehen würde, wenn ich so weitergemacht hätte, wie bisher. Und beim Rauchstopp habe ich schon ne ganze Zeit (neben all der Freude, die Sklaverei los zu sein) "negative Beeinträchtigungen" - grob gesagt: das erste halbe Jahr ist schlimm.
    Beim Kiffen jetzt empfinde ich das als viel einfacher. Da sind Tabletten bestimmt ein ganzes Ende heftiger - aber "mit" wäre es ja auch heftig, gell?


    LG und alles Gute
    Wolke

  • Zitat

    Hey Stella 83


    Soweit ich mitbekommen habe ,scheint es dein erster wahrscheinlich unfreiwilliger entzug zu sein . Das was ich erlebt habe ging aber über das Narkolepsie Syndrom hinaus von Hände zittern über erbrechen war alles bei also sei froh das es sich bei dir in grenzen hält


    Es wäre mir ein Segen gewesen, wäre es bei diesem Narkolepsie Syndrom geblieben! Und hätte ich damals schon gewusst, was mich noch alles erwartet, hätte ich damals schon längst aufgegeben. Mein Glück, dass ich vom "danach" nicht die geringste Ahnung hatte....

    Ich glaube mittlerweile nicht mehr an eine Besserung. Ich bin jetzt seit über einem Jahr weg von Aufputschmitteln und Downers (bis auf einige geringfügige Rückfälle in der letzten Zeit, die aber nicht der Rede wert sind, wenn ich an die Mengen an Substanzen denke, die ich mir früher so rein gepumpt habe), aber ich habe noch keine Besserung an mir feststellen können.
    Ich kann mir nichts mehr merken, fühle mich wie in einem Nebel, bin absolut desorganisiert und habe jegliche Fähigkeit, Freude zu empfinden verloren. Dann immer diese Migräneattacken, die Unruhezustände und im Anschluss darauf heftige Müdigkeitsattacken und diese Kraftlosigkeit. Die Derealisationen, die mich alles, was um mich herumpassiert nur noch wie durch einen trüben Schleier erleben lassen, die mir das Gefühl geben, als sei ich selbst nur Zuschauer, schaue einen Film, dessen Handlung automatisch abläuft, in dem ich selbst nicht die geringste Rolle spiele. Es klingt abstrakt und wirr, was ich hier schreibe - bitte verzeiht mir, aber es ist ohnehin schon schwer genug, ruhig zu sitzen und die Konzentration aufzubringen, um das hier zu schreiben - aber ich denke, es gibt ohnehin keine Worte, die euch auch nur annähernd veranschaulichen können, wie es in mir aussieht.
    Amphetaminentzug - ja oder nein... Ich denke nicht, dass es ein Entzug ist. Ich denke vielmehr, dass es eine massive Schädigung des Hirns ist, die sich durch diese qualvollen Zustände, die ich erlebe, bemerkbar macht. Es ist der verzweifelte Versuch des Körpers, sein normales Gleichgewicht wieder herzustellen und mittlerweile glaube ich nicht mehr daran, dass ich jemals wieder die selbe sein werde wie "davor". Es dauert schon viel zu lange an. Und von dem Menschen, der ich vorher war ist nichts mehr übrig. Ich bin nur noch ein Wrack. Kann nicht mehr lesen, nicht mehr schreiben (obwohl ich einmal Schriftstellerin werden wollte), mache in der Arbeit nur noch Fehler und zweifle immer mehr an meiner Intelligenz. Ich bekomme das Gefühl nicht los, mir mein Hirn komplett weggeballert zu haben und mir zu jenerzeit einen irreparablen Schaden zugefügt habe, der bleiben wird, egal wieviel Zeit und Geduld ich dafür noch aufzubringen vermag.
    In meinem Kopf gibt es kein System mehr, die Tage gehen ineinander über und ich habe jegliches Zeitgefühl verloren. Ich bin extrem vergesslich, fühle mich oft, als hätte ich eine Art Demenz.
    Manchmal spiele ich wieder mit dem Gedanken, mir wieder Amphetamin oder Ritalin zu besorgen, nur um mich wenigstens ein bisschen besser zu fühlen, nur für einen Moment, aber dann denke ich an den Rebound und daran, dass es eh nur ein kurzer Engergiestoß auf Pump wäre, für den ich ohnehin wieder bitter zu bezahlen hätte. Und ich wüsste nicht, ob ich die Kraft dazu hätte, nach einem erneuten Absturz, noch einmal aufzustehen.
    Eigentlich bin ich seit 10 Jahren nicht ohne Medikamente oder andere Hilfsmittel gewesen. Selbst jetzt nehme ich immer noch ein Antidepressivum ein. Ich frage mich, ob es vielleicht daran liegt, dass sich mein Gehirn nie wirklich erholen konnte, weil ich ihm ja immer noch in gewisser Hinsicht einen "Upper" zuführe. (siehe auch mein Thread "Serotoninsyndrom") Aber die Angst vor noch stärkeren depressiven Schüben (wenn das überhaupt noch möglich ist...) überwiegt dann doch und so nehme ich es weiterhin ein.
    Seit monaten befinde ich mich am Rande meiner eigenen Kräfte, quäle mich in die Arbeit, quäle mich durch den Tag, bemühe mich vergeblich zu funktionieren, doch nicht einmal das gelingt mir mehr. Ich nicht so sein... so phlegmatisch und verpeilt, wie mich meine Arbeitskollegen erleben... ich schäme mich so sehr dafür und merke wie ich immer mehr daran zugrunde gehe, dass ich ohne irgendwelche Hilfsmittel von außen, keine Kontrolle mehr habe über meine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit.
    Das ist kein Leben mehr.

  • hallo stella,


    also ich versteh es wirklich und finde, du hast den zustand sehr gut beschrieben. ich hätte es ungefähr genauso schreiben können. schade, dass es bei dir nicht besser wird und du nur wenig hoffnung auf besserung hast. aber viel hoffnung hab ich selbst auch nicht. heute über den tag wird der letzte rest ... amphe wohl aus meinem körper sein und ich fühl mich müde, matt und leer. meine orientierung in raum und zeit ist ziemlich mitgenommen und dann eben der nebel.
    mir ist ein kurzer zeitraum von ein paar tagen im letzten jahr eingefallen, in denen ich klar war und von trimipramin auf Dominal umgestiegen bin. ich las in der zeit ein buch und spielte schach und konnte mich ganz gut unterhalten. eigentlich sind beide medis schlecht für die konzentration und das gedächtnis, beide anticholinerg u.ä. .. jedenfalls ließ die negative wirkung des einen medis wohl nach bevor die des anderen einsetzte und so hatte ich die paar klaren tage. danach ging es gleich wieder schnell abwärts, bis ich dann zu uppers kam und ssri's sowieso schon nicht vertragen hab.
    jedenfalls hoffe ich, dass wenn ich so clean, wie es geht (also wohl noch Valdoxan zum schlafen) bin und ne weile bleibe, dann wird es vielleicht doch wieder etwas besser.
    ich hoff es einfach.


    welches medikament nimmst du denn, wenn ich fragen darf? ich hatte im prinzip zwar auch die erfahrung gemacht, dass ssris und nssris die kognitiven leistungen steigert, aber das ist nicht zwangsläufig so und manchen hilft bzgl. konzentration und so auch Bupropion (dopamin-/ noradrenalinwiederaufnahmehemmer). ob es nicht die gleichen gefahren wie Ritalin birgt, weiß ich aber nicht.

  • Hallo Ihr,


    mich würde sehr interessieren, was die Suchtberatungsstellen dazu sagen. Ob und in welchen Zeiträumen sich das im Gehirn wieder einpegelt.


    Wenn gar nicht, das wäre ja in der Tat sehr erschreckend. Aber da würde ich an Eurer Stelle die Flinte nicht so schnell ins Korn werfen. Wie gesagt - beim Nikotin - das ja vielleicht verglichen mit Tabletten nicht so starke Veränderungen im GEhirn hervorruft - gibt es auch sehr langfristige Prozesse. Bei mir hat sich die Verdauung z.B. nach ca 1,5 Jahren wieder normalisiert - und bei Vielen pegelt sich das Gewicht nach über 2 Jahren erst wieder ein.


    Ich tät mich da erst mal noch mehr erkundigen, bevor ich die Hoffnung ganz aufgäbe.
    -Das soll jetzt ein Versuch, etwas Mut zu machen, sein.


    Und ich tät mich auch erkundigen, wie es ist, wenn zwischenzeitlich noch andere bzw kleine Mengen konsumiert werden, ob dann nicht vielleicht die Rezeptoren bestehen bleiben, und es darum zu keiner merklichen Verbesserung kommt.


    Ich drück Euch die Daumen


    LG Wolke


    PS - beim Schlaganfall dauert es manchmal auch ganz lange, bis wieder Entwicklungen kommen :3: ...manchmal nach ein paar Jahren...ich mein, so rein theoretisch dürfte es dann doch auch bei anderen Heilungsprozessen möglich sein. Nicht aufgeben :)

  • Hi,

    Zitat

    Eigentlich bin ich seit 10 Jahren nicht ohne Medikamente oder andere Hilfsmittel gewesen.

    Naja - bei mir hat das erstmal an die drei Jahre gedauert, bis ich mich mal wieder in einen Alltag(job) getraut habe - also leistest du da schonmal Erhebliches, finde ich...
    Ich weiß es nicht, ob du schonmal einen Generalcheck hast machen lassen - es könnte ja sein, dass ein Teil deiner Symptome durchaus körperlichen Ursprung haben!
    Mir hat es unendlich viel gebracht, mich eines kleinen vernachlässigten Rehpinscher (mit Überbiß, sah aus wie ne Ratte) anzunehmen und mit dem täglich spazieren zu gehen.
    Dein System braucht Luft und vor allem: reichlich Tageslicht.Das lindert die Depressionen erheblich und bringt auf die Dauer bissel Bewegung in die Emotionen.Und Bewegung ist sowieso gut.


    Weißte, ich bin jetzt 10 Jahre clean, also von Heroin, Opium, Koks, Speed, LSD, Pilzen, Alk sowieso.
    Mindestens die ersten 3-4 Jahre waren zu mehr als 70% einfach nur autsch! Krank.Kaputt.Leer.Grau.Müde, soo müde.Paranoid.Ängstlich.Stumpf.Dumm etc....
    Dann fing es an, sich die Waage zu halten...booooah, tat gut.


    Mittlerweile fühle ich mich nur noch sehr selten krank, habe fast keine Folgeschäden & genieße das Leben meistens.


    Gib dir n bissel Zeit & arbeite stur in deinem Tempo weiter an dir...ev. vielleicht mal ne Therapie oder auch ne Kur machen, dass du mal aus dem Alltag rauskommst?!


    Das Leben ist oft ne furchtbare Sache, aber glaube mir, auch die kleinen Lichtblicke kommen wieder zurück. LG.Ganesha


    *edit*

    Zitat von Wattewolke

    Und ich tät mich auch erkundigen, wie es ist, wenn zwischenzeitlich noch andere bzw kleine Mengen konsumiert werden, ob dann nicht vielleicht die Rezeptoren bestehen bleiben, und es darum zu keiner merklichen Verbesserung kommt.


    Stellt - nach meinen eigenen Erfahrungen - wirklich eine Hammerbremse dar, was das angeht...
    Das Suchtgedächtnis ist wieder vollständig "wach" und aktiv, auch wenn du sonst noch keine/kaum Entzugserscheinungen hast.

  • Alles hat 2 Dinge, die man sehen sollte und hier läuft es mir fast schon bisserl zu sehr in Richtung Suchtgehirn und deswegen kann man eh nicht clean werden ;)


    Es ist bekannt, suchtkranke Menschen, weisen einen Überschuß oder einen Mangel der Neurotransmitter [lexicon='Dopamin'][/lexicon] und GABA im Gehirn auf.
    Das zeigt schon mal, einen pauschalen Vorgang gibt es nicht für alle, jeder Organismus reagiert nun mal etwas anders.
    Man kann auch nicht sagen, nach genau 12 Monaten ist wieder alles klar im Kopf. Es wird zum einen immer davon abhängen, wie lange und wie viel man konsumiert hat, genauso auch welchen Stoff ;)


    Dann spielt eine Rolle, war man bereits mit Stoffen in Berührung, welche süchtig machen und so im Gehrin Auswirkungen mit sich bringen.
    Letzteres soll heißen, überspitzt gesagt, wird man als Baby wegen irgendwelcher Umstände mit starken [lexicon='Schmerzmittel'][/lexicon] behandelt, dann ist im Gehirn eine Suchtstruktur gelegt. Natürlich kann man deswegen nicht alle Kids leiden lassen und das führt auch nicht automatisch zu einer [lexicon='Sucht'][/lexicon].


    Meine Überzeugung ist nun mal folgende, absolute Suchtmittelfreiheit und dazu gehört das ganze Suchtverhalten aufgearbeitet und über die verschiedensten Therapien behandelt - auch dass man nicht mehr rückfällig wird.
    In einem sind sich hier ja alle einig - einmal süchtig, immer süchtig - auch wenn die Aussage einfach ist und wissenschaftlich nicht zu 100% beweisbar wäre ;)
    Genauso sollte klar sein, mit einer ausgeprägten [lexicon='Sucht'][/lexicon] verändert sich einiges in Gehirn. Wenn aber nicht direkt Gehirnregionen absterben, großflächig kaputt gehen (ähnlich wie bei Schlaganfall, weil es zu Sprache kam), dann sollte das Gehirn auch wieder so weit trainiert werden können, dass langfristig keine bleibenden Schäden zurück bleiben - wohlgemerkt, kann, muss aber nicht!


    Doch lesen wir hier immer wieder, jetzt bin ich so und so lang clean und nichts tut sich, bin immer noch nicht zurück im Leben!
    Wie soll das auch gehen?
    Man ist ein anderer Mensch geworden, hat Erfahrungen gesammelt, ob nun gute (Belohnung) oder schlechte (Entzugssyndrom).


    Ich für mich sage, solange ich konsumiere, solange dauert auch der Gesundungsprozess. Natürlich heißt das nicht, ich brauche 20 Jahre, bis es mir gut geht, wenn ich zuvor so lange konsumiert habe.
    In Hinsicht Rückfallgefahr geh ich aber so weit, es dauert sehr sehr lange, bei mir haben nicht mal über 11 Jahre ausgereicht.
    Zudem sagt es ganesha, ein mini Umfaller wirft einen zurück ins volle Geschehen - für das Gehirn gibt es also meiner Meinung keinen noch so kleinen Rückfall :P
    Der Begriff Suchtgedächnis, Suchtteufel oder wie man es nennen mag, das sollte jedem geläufig sein und dabei gehts nicht um ein Vielleicht-Ding, das ist da und basta ;)


    Trotzdem, auch wenn unser Gehirn also nicht mehr mit irgendwelchen Suchtstoffen konfrontiert wird, da muss es sich ja auch regenerieren können.
    Modernen AD's traue ich aber zu, dass die das nicht beeinträchtigen und erst abgesetzt gehören, wenn man wirklich wieder fest im Leben angekommen ist.
    Das muss man aber auch lernen, oft sogar ganz neu. Daher nochmal meine Denke dazu, weder da entziehen, noch das reifen eines "neuen Gehirns" reicht aus, es gehört auch am Verhalten gearbeitet und viel neue Denkweisen antrainiert.


    Beispiel, es gab mal eine Studie über Cannabinoid-Rezeptor CB1.
    Dabei hat man Mäusen den Cannabinoid-Rezeptor CB1 entnommen, schon wurde keine [lexicon='Sucht'][/lexicon] mehr entwickelt - es wurde [lexicon='Alkohol'][/lexicon] gegeben (ja, man geht davon aus, dass der Cannabinoid-Rezeptor CB1 auch bei Alk ausschlaggebend ist, aber genauso bei Neugeborenen für den Hungerreflex).
    Es wäre aber zu einfach, wenn man einfach was wegschneidet und dann ist man seine [lexicon='Sucht'][/lexicon] los. Es gibt ne russische Klinik, die Kokainsucht so in etwa "behandelt".
    Mir reicht es nicht aus, es gehört mehr dazu und man muss es zu 100% wollen - weder unter [lexicon='Zwang'][/lexicon], noch halbherzig bringt das clean werden was (wenn es körperlich natürlich immer gut ist, nur langfristig hält es halt meist nicht).


    Ich werd das morgen nochmal lesen, ob es das jetzt aussagt, was ich sagen wollte :D


    Kurz und gut, man braucht viel gedult und Zeit, wenn man eine jahrelange [lexicon='Abhängigkeit'][/lexicon] überwinden will.


    LG Franz

  • Ich wollte dazu gern noch einmal anmerken, dass ich mich da bis zu einem gewissen Punkt als Gegenbeispiel begreife. Eigentlich weiß ich garnicht so recht, wieviel Jahre ich beinahe tagtäglich Crystal genommen habe. Pep, Koks, XTC waren natürlich auch dabei. Zählt Koffeinismus da auch? ;) Ich habe das vor über 3,5 Jahren entzogen und hatte eigentlich nur wenige Wochen leicht mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit zu kämpfen, und würde sogar behaupten, dass mein Gemütszustand sich relativ schnell auf einem Niveau eingependelt hatte, dass mir so dauerhaft in Konsumzeiten nicht vergönnt war.
    Zum Ritalin/Methylphenidat: Als ADHSler habe ich das Zeug auch jahrelang bekommen und hatte beständig mit üblen Nebenwirkungen zu kämpfen Ich muss sagen, dass ich da beim Absetzen auch mehr Probleme mit hatte als bei anderen Uppern. Monatelang Kopfschmerzen, übelste Muskelverspannungen, Sandzunge, Konzentrationsschwierigkeiten, Wortfindungsschwierigkeiten, allgemeine Erschöpfung. Das ging über die Zeit aber auch vorbei. Mit dem Alternativpräparat Atomoxetin (Handelsname Strattera) hatte ich noch bedeutend größere Schwierigkeiten. Da waren schon allein die üblichen Nebenwirkungen ein Horrortrip par excellence.
    Interessant wäre vielleicht noch, dass ja eigentlich Amphetaminsalze Medikation erster Wahl bei ADHS wären, wäre es um deren Ruf nicht so schlecht bestellt.


    Mittlerweile halte ich mich tunlichst von Psychopharmaka jeglicher Couleur fern. Ich habe Selbige ausnahmslos als problematisch erlebt und konnte von keinem in der gewünschten Weise profitieren. Nebenwirkungen, Nachwirkungen, Wechselwirkungen... heute dieses Symptom, morgen jenes. Dazu der Arztstress... 3 Doctores, 5 Meinungen und am liebsten würde dir jeder einzelne seinen ganz persönlichen Cocktail verpassen. und schon war ich mehr psychisches Wrack denn je, von der angeschlagenen Physis ganz zu schweigen. Das hat selbst der jahrelange Drogencocktail nicht vermocht, und mich dort wieder rauszuziehen hat mich lange Monate und viel Nerven gekostet.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Das geht mit absoluter Sicherheit irgendwann vorbei. Grundvoraussetzung ist ganz klar eine gehörige Portion Geduld. Aber, man kann da eine ganze Menge mit einem adäquaten Lebenswandel beitragen. Gerade neuerliche Studienergebnisse aus dem Bereich der klinischen Psychologie und Neurobiol. schaffen da Raum für Hoffnung.
    Für mich wichtig: Strukturen schaffen, Laufen, Meditation (Gerade Letzteres hat mir sehr geholfen, obwoh ich immer der Ansicht war, ich würde bedingt durch meine Hyperaktivität dazu gar nicht in der Lage sein.)


    LG, wbd

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