Einmal Borderline - immer Borderline?

  • Ich hab ziemlich heftige Borderlinephasen hinter mir und in dieser Zeit auch viele Fehler gemacht, die auf diesem Krankheitsbild beruhten. Aber ich hab auch Therapien gemacht und vor allem mit guter Unterstützung SEHR viel an mir selbst gearbeitet, so dass ich nun der Meinung bin, mein Borderline weiterstgehend im Griff zu haben.


    Wenn ich jetzt aber mal anders reagiere, als viele es erwarten, dann wird das direkt von den anderen als Borderline-Verhalten abgestempelt, auch wenn psychisch vollkommen gesunde Menschen in der gleichen Situation sind und genauso reagieren.


    Und das macht mich schon traurig irgendwie. Ich meine, die Hauptsache ist, dass ICH weiß, dass ich erfolgreich an mir gearbeitet habe, das ist klar, aber von anderen Menschen in einer Schublade hineingesteckt und dort festgehalten zu werden, egal wie sehr und wie viel ich an mir gearbeitet und dieses Krankheitsbild verbessert habe, das finde ich traurig und schade. Für mich und für die anderen.


    Wie ist das bei euch? Habt ihr auch so einen (Borderline-)Stempel? Oder seid ihr eher jemand, der schlecht vom Schubladendenken, was ja rein menschlich ist, weg kommt?

  • ja naja ich kenn das zum teil aber ich tue mir mit mein sport weh und anderes. naja egal weg davon, aber ich bin auch in einer schublade(was ich aber rein eigentlich auch von mir wollte) nachdem ich von allen "abgestoßen wurde" hatte ich auch keine hoffnung als "gothic"mensch (schon allein weil es mir nicht gefiehl) durchzugehen oder als punk (und was es so nicht noch gibt) ich habe ein Weg geschlagen den es von keinen (soweit ich weiß) (von gothic und punks gibt es ja Gruppen) bestiegen wurde.(der satz macht denk ich mal kaum sin) :x.Also ich ziehe mich anderst an als andere, es gibt eigentlich schon genügend Gruppen.Welche die nur Schick sind, Gothic,punks,Rocker etc. etc. meine gibt es nur Auf der Gamescom und die hab ich eröffnet :d.Ich ziehe nur Tarnklamotten an und benehme mich auch wie ein "Soldat" wollte auch einer werden aber jetzt nicht mehr.
    Aber es macht mir spaß, in Schlamm rumzurobben oder "zu überleben".Nur ist es schwer so in der Gesellschaft(in einer die mich eine weile kennt und weiß das ich nicht bei der Bundes-wehr bin) zu "leben" naja aber ich muss und will mich daran gewöhnen, auch bespuckt zu werden oder ähnliches.
    Ich persönlich stecke nie jemanden in einer Schublade es gibt aber außnahmen,(vergewatliger,mörder,mobber,schläger,betrüger) und noch ein paar.Sie sind und bleiben für mich immer in der Schublade, naja ich denk mal dies reicht.

  • Wenn das so dein Ding ist, wieso gehst du dann nicht zur Bundeswehr?


    Ok, du hast dir die Schublade raus gesucht, so wie ich das verstanden habe, wolltest du in eine Schublade (korrigier mich bitte, wenn ich dich falosch verstanden habe!!!!). Ich mein das ein bisserl anders. Wenn ich jetzt, wo ich mein Borderline fast immer im Griff habe, anders reagiere als andere an meiner Stelle reagieren würden, wird das alles direkt aufs Borderline geschoben, obwohl auch gesunde Menschen an meiner Stelle so reagiert hätten wie ich. Ich fühle mich dann mit meinen Meinungen und Empfindungen einfach nicht ernst genommen und das verletzt mich.

  • Auch von Leuten, die dich mit deiner Borderline-Erkrankung kennen? Denn wenigstens die sollten ja mitbekommen haben, das du dich verändert hast, (im normalfall ;))! Ich glaube das ist für die Menschen nur am einfachsten, soetwas zu denken und Menschen mögen es ja gerne einfach! Ich kann gut nachempfinden, das du dich da nicht ernstgenommen fühlst! Aber das wichtigste ist, das du weißt, das du dich positiv verändert hast und du es auch weiterhin so fühlst! Versuche dich nicht zu ärgern, versuche stolz auf dich zu sein, denn das kannst du mit Recht!!! Dieses Schubladendenken wird wohl immer ein Problem der Gesellschaft sein :(!


    Liebe Grüße
    Smallgroovie

  • Zitat von Smallgroovie;257156

    Auch von Leuten, die dich mit deiner Borderline-Erkrankung kennen?


    Ja, Smallgroovie, leider... :( Aber wahrscheinlich hast du recht und viele gehen einfach nur den einfachen bequemen Weg. Schade. Denn ich glaube, es wäre nicht nur für mich, sondern auch eben für diese Menschen sehr bereichernd, wenn sie mich aus ihrer Schublade heraus holen und ohne alte Brille betrachten würden. Aber ich hab ja zum Glück nur die Verantwortung für mich selbst und nicht für andere. Trotzdem finde ich es einfach schade.


    Hey, mach dir keinen Kopf, minze, das wird bestimmt wieder besser. Weißt du denn, woran es liegt, dass du das was du meinst nicht mehr rüberbringen kannst?

  • hallo,


    bei mir ist es fast genauso...ich war jetzt zur Langzeittherapie gewesen...was durch die vielen heftigen Therapien und meinen Dissoziationen teilweise echt die Hölle war. Ich bin dort sehr an meine Grenzen gegangen und habe mehr erreicht, als ich selbst gedacht hätte. Da dort die Besuchszeiten sehr limitiert waren, haben meine Freunde von diesem Kampf nicht viel mitbekommen. Ich bin auch kein Mensch, der darüber spricht, wie es ihm geht - geschweige denn, es zeigen kann...Es gab auch dort nur wenige Leute, die das ganze Ausmaß meiner Verzweiflung zu sehen bekommen haben, aber musste dort auch mehrfach ruhig gestellt werden. Nachdem ich aus der Therapie kam, musste ich von einigen Leuten hören, das sie sich mehr von der Therapie erhofft hatten...das hat mir unendlich weh getan...
    Aber ich denke, es liegt schon so eine Art Schublade vor...alles was wir tun, wird anders bewertet - selbst wenn "Gesunde" in der gleichen Situation genauso reagiert hätten...


    Gruß
    Conny

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

  • Conny: Schade, oder? :( Woran liegt das? Liegt das nur an den anderen, die einfach oberflächlich sind und den bequemen Weg gehen? Oder liegt das auch an uns, dass wir uns nicht so rüberbringen können, dass wir nicht offen genug sind oder so? Was meinst du?


    minze: Vielleicht magst ja mal ein eigenes Thema dazu aufmachen? Nicht großartig überlegen, einfach drauf los schreiben? Das hilft mir manchmal uind wenn ich mit schreiben fertig bin, ist mir selbst auch vieles klarer.

  • Ich denke, sowohl als auch...Ich habe festgestellt, das Eigen- und Fremdwahrnehmung unter Umständen weit auseinanderklaffen und vielleicht sehen wir unsere Reaktionen anders als von außen. Ich bin mir manchmal selbst so furchtbar unsicher, wie ich nach außen wirke, weil ich mich wirklich komplett anders sehe. Gerade jetzt in der Langzeit, da wurdest du ja mindestens zweimal von der Gruppe bilanziert und mich hat vieles unglaublich überrascht...was mich natürlich immer wieder zu der Frage bringt: Wer bin ich eigentlich?

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

  • Ist diese Frage überhaupt zu beantworten, wer man ist? Ich glaube, so lange wir leben, lernen wir uns selbst immer wieder neu kennen und neues über uns selbst. Macht das Leben immerhin spannend, kommt schon mal keine Langeweile auf! :k:


    Aber das stimmt bestimmt mit der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen...

  • Vermutlich...nur finde ich es schade, das so viele Leute (gerade dort in der Therapie) so viel gute Dinge in einem sehen...und man selbst sieht die so gar nicht. Deshalb ist es für mich auch fast unmöglich, diese Dinge anzunehmen. Hab mich da neulich mit ner Freundin drüber unterhalten - weil es wiederholen sich so Muster...
    Ein Beispiel: Ich komme in eine neue Gruppe rein und binnen kürzester Zeit bin ich dort Ansprechpartner Nummer 1, obwohl sich die Gruppe schon viel länger kennt. Das ist mir schon ein paar Mal passiert und ich frage mich jedes Mal wieso? In der Therapie haben wir bei der Bilanzierung auch darüber gesprochen und da haben mir viele gesagt, das sie gern mit mir reden und sich von mir Rat holen, weil ich sehr besonnen und überlegt an die Dinge rangehen und das viele genau das gerne selber hätten...die eine hat mich sogar als wandelndes Lexikon bezeichnet...


    Ich selbst sehe mich überhaupt nicht so...ich weiß überhaupt nicht, was die damit meinen und kann es auch nicht annehmen, obwohl es schon deutlich ist, das sich das immer wieder wiederholt...also muss da wohl was dran sein - denke ich...


    Aber warum ist es so schwer, das anzunehmen?

    Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

  • Hallo Conny,


    oh ja, das kenne ich sehr gut! Ich kann dir auch sagen, warum das alles (zumindest bei mir ;) ) so ist/war: Mir wurde als Kind immer gesagt, dass ich nichts kann und nichts wert bin. Und das habe ich dann natürlich irgendwann übernommen.
    Aber ich habe dann die gleiche Erfahrung gemacht wie du, nämlich, dass mich viele gar nicht so sehen, wie meine Familie früher und ich dann auch irgendwann. Und so bin ich da dann rein logisch ERST EINMAL ran gegangen und hab mir gesagt, dass ja so viele Menschen nicht alle Unrecht haben können. Dann habe ich geübt. Im ersten Schritt diese "Komplimente" einfach stehen zu lassen, nicht für mich zu bewerten, sondern dem anderen seine Meinung über mich zugestanden und ihm gelassen. Und dann habe ich angefangen, mich mit mir selbst auseinander zu setzen und habe mir überlegt, was ich gut an mir finde. Es war zuerst wahnsinnig schwer, aber irgendwann ging es immer besser. Und nun mache ich es seit ein paar Wochen so, dass ich am Ende eines jeden Tages mir überlege, was ich an diesem Tag gut gemacht habe. Und wenn es nur eine Kleinigkeit ist wie "Ich habe die Spülmaschine ausgeräumt, wie ich es mir vorgenommen habe." EGAL!!!! Und so steigert sich nun mein Selbstwertgefühl gaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz ;) langsam, Stückchen für Stückchen. Und inzwischen, wenn jemand zu mir sagt z.B.: "Das hast du aber gut gemacht." Dann sag ich nicht mehr: "Ach was, ist doch nichts.", sondern einfach nur: "Danke!"


    Es ist ein langer Weg und erfordert viel und tägliche Übung, aber es funktioniert tatsächlich! Denn das Gehirn ist im Prinzip nichts anderes als ein programmierbarer Computer. Früher wurde er geprägt und programmiert mit Minderwertigkeitsgefühlen, aber nun sind wir erwachsen und haben es selbst in der Hand, WIE wir ihn (um-)programmieren! :)

  • Zitat von Conny;257229


    Aber warum ist es so schwer, das anzunehmen?


    Wenn ich mich dazu kurz äußern darf: Die Antwort hast du selbst schon gegeben:


    Zitat

    Ich selbst sehe mich überhaupt nicht so...


    Sieht ein wenig nach verzerrter Selbstwahrnehmung aus. Zumindest lese ich das aus deinem Beitrag heraus. Kommt das hin? Wenn ja, wäre die nächste Frage natürlich: "Woher kommt's?". Im Prinzip ist es ja ein Kompliment für dich, wenn die Leute dich um Rat fragen und deine Art schätzen. Wenn du dich selbst gar nicht so siehst, betrachtest du dich genau genommen ja eigentlich als schlechter, oder? Und wenn ja, wäre hier auch wieder die Frage, inwieweit die eigene Einschätzung subjektiv bzw. objektiv erfolgt ist.


    Vielleicht liege ich jetzt gerade auch total daneben, aber das sind so die Gedanken, die mir zu deiner Frage gerade durch den Kopf gehen. Vielleicht ist da ja was dabei, was nicht ganz so weit ab vom Schuss ist. ;)


    Und was das eigentliche Thema des Threads angeht: Ich glaube, das Schubladendenken endet mit der Zeit oftmals von ganz allein. Wir machen so unsere Erfahrungen mit Menschen, diese machen aber auch ihre Erfahrungen mit uns. Wenn man erstmal ein Bild von einem Menschen hat, fällt es u. U. auch schwer, das Bild wieder abzulegen. Dann muss man erstmal neue Erfahrungen mit dem selben Menschen machen, um zu bemerken "Hey, da hat eine Veränderung stattgefunden".


    Andernfalls habe ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht, ins offene Gespräch zu gehen und den Menschen direkt zu erklären, was mit mir los ist und wie es in mir aussieht. Und habe eben unterm Strich auch immer wieder deutlich gemacht, dass ich als Borderliner (inzwischen betrachte ich mich in gewissem Maße als Ex-Borderliner...) im Grunde nicht anders bin als alle anderen. Ich habe genau so Gefühlsausbrüche wie jeder andere Nicht-Borderliner auch. Der einzige Unterschied ist nur, dass ich eine emotionale Instabilität aufweise und hin und wieder unangemessen reagiere (zu heftig oder zu schwach).


    Wenn mein Gegenüber versteht, wie die Krankheit tickt, versteht er auch schneller, wie ich ticke. Und wenn er versteht, wie ich ticke, versteht er auch schneller, wie die Krankheit tickt. Hängt halt beides zusammen. Meiner Erfahrung nach basiert Schubladendenken oft auch auf Unwissenheit.


    LG,
    Sora

  • Zitat von Sora;257242

    Andernfalls habe ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht, ins offene Gespräch zu gehen und den Menschen direkt zu erklären, was mit mir los ist und wie es in mir aussieht.


    Und wenn die anderen ein Gespräch verweigern? Dann kann man sie wohl abhaken, oder?! ;) Ein Gespräch ist halt nun mal etwas, das einen Dialog, also mindestens zwei Personen erfordert. Und wenn der andere nicht dazu bereit ist, dann kann ich mich auf den Kopf stellen und sonst was tun, dann funktioniert das leider nicht...

  • Ja, da hast du natürlich Recht. Wenn dein Gegenüber nicht reden will, bringt das nix. Gar keine Frage. Aber wenn dein Gegenüber WIRKLICH Interesse an dir hat, warum sollte er dann nicht daran interessiert sein, wie es in dir aussieht?

  • Ich glaube, viele Leute können Borderline einfach nicht verstehen. Wenn man es nicht selber hat, ist es sehr schwer sich da hinein versetzen zu können und eine Logik dahinter zu erkennen! Die Leute müssten lernen uns einfach so zu nehmen, wie wir sind, ohne etwas zu hinterfragen, was sie eh nicht verstehen können! Und wer das nicht akzeptieren will, den würde ich von meiner Freundesliste streichen!


    @gelberose: Wow, ich finde du bist auf einem sehr, sehr guten Weg :) so versuche ich es auch, es braucht viel Zeit, Geduld und Aufmerksamkeit, but that's the way we must go!!!

  • Sora: Ja, da hast du Recht! Im Prinzip tut jetzt also nicht das Desinteresse weh, sondern die Erkenntnis, dass man (mal wieder) einer Illusion auferlegen ist. Hmmmm, da denke ich nochmal drüber nach... :ce: Danke für den Denkanstoß! :)


    Smallgroovie: :o Danke dir! Aber in einem möchte ich dir widersprechen: Wir MÜSSEN diesen Weg nicht gehen, wir DÜRFEN ihn gehen! ;) Denn auch wenn es viel Zeit, Geduld und Aufmerksamkeit braucht, so sind die Ergebnisse und auch der Weg an sich, was und manchmal auch wer uns auf ihm begegnet, ein Geschenk!

  • @gelberose: Naja, ich meine das so: Ich muß diesen Weg gehen, wenn ich auch glücklich und zufrieden sein möchte, denn das werde ich auf bzw. mit altbekannten Wegen nicht!


    - - - Aktualisiert - - -


    @gelberose: ja das ist meine (kleine) Hoffnung, das es auch wirklich ein Geschenk ist :)!

  • @ gelberose: Inwiefern eine Illusion? Magst du genauer erklären, was du damit meinst? Meinst du Illusion im Sinne von "Interesse von Person XY war nur vorgetäuscht"? Ich steh grad ein bisschen auf dem Schlauch :ce:

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