Der lange Weg zurück

  • 2006 hatte ich den ersten Burnout. Was alles dazu führte habe ich nie so richtig aufgedröselt. So wie mein Leben bis dahin verlaufen war, eine Kindheit und Jugend voll Ablehnung durch die Familie, die nachfolgende Sucht, die Angst vor Menschen, die in der trockenen/cleanen Zeit erst richtig zum Tragen kam, das mein ganzes Leben fehlende Selbstwertgefühl ... alles addierte sich und der Zusammenbruch mußte irgendwann kommen. Leider habe weder ich noch meine damalige Hausärztin den ersten BO ausreichend ernst genommen. So kam 2010 ein zweiter Zusammenbruch und der hatte es wirklich in sich. Wie lange die Depression schon da war, das läßt sich nicht mehr klären. Auf jeden Fall bestand der zweite BO aus einer schweren Depression und einem erschreckenden Verlust kognitiver Fähigkeiten. Ende 2010 konnte ich zum Beispiel nicht mehr lesen. Selbst Trivialliteratur war schon zuviel für mich, spätestens nach einer halben Seite wußte ich nicht mehr, was ich bis dahin gelesen hatte. Meine berufliche Fachliteratur war auschließlich in Englisch, da war schon nach zwei Sätzen Schluß mit dem Verstehen. Mein Kurzzeitgedächtnis war bei Null, ich konnte mir eine Zahl nicht einmal für eine Minute merken. Während ich noch in der psychosomatischen Klinik in Bad Zwesten war kam die Nachricht, daß mein Arbeitgeber die Firma dichtmacht. Da half auch der Kündigungsschutz für Betriebsräte nichts, der Arbeitsplatz war weg. Wirkliches Glück hatte ich dann beim Arbeitsamt. Im bekam ein paar Formulare in die Hand gedrückt und wußte sofort, daß ich nicht in der Lage sein werde, die Fragen zu verstehen. Also habe ich dem Sachbearbeiter meine Situation erklärt, meien Unfähigkeit zu lesen bzw so einen Fragebogen zu verstehen und er war so nett, mir alle Fragen zu erläutern und die Fragebogen für mich auszufüllen. In der Folge habe ich noch ein paar Termine verschlampt, bzw. Unterlagen verspätet abgegeben und mir wurde immer geholfen. Wenigstens ein kleiner Lichtblick, wenn ich schon bis zum Hals in der Sch..... sitze. Heute weiß ich, daß ich ohnehin nicht mehr arbeitsfähig geworden wäre, egal wie lange es gedauert hätte. Genau genommen bin ich es bis heute noch nicht wieder.


    Die Depression blieb über geraume Zeit bei "schwer" mit gelegentlichen Besserungen zu "mittelschwer". Für fast zwei Jahre bekam ich nicht viel mehr hin, als in meinem Lesesessel zu hocken und die Wände anzustarren. Als die Depression sich ein wenig besserte kam ich wieder für acht Wochen in eine Tagesklinik. Das baute mich zumindestens so weit auf, daß ich mich an einen 1-Euro-Job wagte - mittlerweile war ich bei Hartz IV angekommen. Den Job habe ich gern und nach Aussage meiner Chefin auch richtig gut gemacht, doch leider war nach drei Monaten wieder der Ofen aus. Auf eine feste Tätigkeit, bei der ich jeden Tag 6 Stunden anwesend sein mußte, konnte ich mich nicht mehr einlassen. Trotzdem hat mir diese Tätigkeit geholfen, denn das Kurzzeitgedächtnis kehrte sehr langsam zurück, ich mußte mir nicht mehr alles sofort aufschreiben, um es nicht zu vergessen. Sogar die Einarbeitung in Joomla bekam ich zu meinem eigenen Erstaunen auf die Reihe. Nur leider schwanken meien Fähigkeiten von Tag zu Tag. Einen Tag kann ich ein kleines Programm in C für meine Roboter schreiben, am nächsten Tag schaffe ich nicht einmal eine ganz einfache Dreisatzaufgabe. Das geht jetzt seit fast zwei Jahren so und es geht nur in ganz kleinen Schritten aufwärts und oft genug wieder ein paar Schritte zurück. Immerhin kann ich seit etwa 18 Monaten wieder Trivialliteratur ohne Probleme lesen und nutze das auch ohne Ende aus. Bücher waren in meiner Kindheit mein erstes Suchtmittel und nicht mehr lesen zu können war die Hölle.


    Erschreckend finde ich auch, daß ich mich für die Zeit seit 2010 an fast nichts erinnern kann. Ein paar Highlights sind da: die Zeit in der Tagesklinik, der 1-Euro-Job und der Abend, an dem ich meine jetzige Freundin kennenlernte. Doch die Zeit davor und alle "Alltagszeiten" dazwischen sind weg. Manchmal bin ich erstaunt, daß meine Süße und ich jetzt schon seit zwei Jahren zusammen leben. Wenn ich die bewußt erlebten Tage addiere, dann ist da nicht viel. Wenigstens schaffe ich es, die Depression mit ganz viel Achtsamkeit bei "leicht" zu halten. Die Achtsamkeit ermöglicht es, ein drohendes Abdriften fast immer zu erkennen und gegenzusteuern. Vielleicht wird meine Depression sich noch weiter bessern, die Zeit wird es zeigen. Ich mache mir nicht viel Gedanken darum, weil ich mich nicht selbst in eine Erwatungshaltung bringen will. Ich habe schon ein paar mal gehört, daß Depressionen bei langfristig trockenen Alkoholikern nicht selten sein sollen. Vielleicht gehöre ich ja auch dazu.

  • Ich war wohl etwas optimistisch, als ich gestern von der Zeit der fehlenden Erinnerungen schrieb. Heute morgen habe ich mein Gedächtnis strapaziert und noch viel weniger gefunden. Genau genommen habe ich schon seit dem ersten Burnout 2006 riesige Erinnerungslücken. Eigentlich logisch - ist kein Kurzzeitgedächtnis da, dann kann auch kein Langzeitgedächtnis funktionieren. Mit Erinnerungslücken kann ich wenistens umgehen, in der schlimmsten Zeit der Sucht hatte ich die auch. Nur daß ich mir damals das Bewußtsein weggesoffen habe und heute der Kopf sich immer wieder weigert mitzuarbeiten. Die Gedächtnislücken der Saufzeit ersparen mir so manche peinliche Erinnerung. Und heute? Ist es eben so ... was soll's

  • Servus,


    na, Depris sind ja generell erst einmal nichts soooo Seltenes. Und mangelnde Fähigkeiten hinsichtlich der Gedächtnisleistungen sind bei Depris nun wiederum nichts sooo Seltenes. Klar, in der IT ist das schon blöd


    Was läuft bei Dir denn so in Sachen Depressionsbewältigung? Therapie? Sport? Etc.?

    Schlangenöl ist auch weiterhin eine begehrte Ware, lässt sich Dank der modernen Technik nunmehr aber beliebig vervielfältigen und von selbsternannten Heilsbringern in die gierigen Schlünder kippen. Wohl bekomm's!

  • Servus,


    na, Depris sind ja generell erst einmal nichts soooo Seltenes. Und mangelnde Fähigkeiten hinsichtlich der Gedächtnisleistungen sind bei Depris nun wiederum nichts sooo Seltenes. Klar, in der IT ist das schon blöd


    Was läuft bei Dir denn so in Sachen Depressionsbewältigung? Therapie? Sport? Etc.?

    Hi,


    Ich weiß nicht so recht, was du damit sagen möchtest. Ob Depression und teilweiser Verlust des Gedächtnisses selten sind oder auch nicht, das kann mir völlig egal sein. Entscheidend für mich war, daß der zweite Burnout das endgültige Ende meines Arbeitslebens bedeutete. Es bedeutete auch, nicht mehr lesen zu können und für das Übertragen einer IBAN vom Papier auf den Bildschirm mehr als 10 Minuten zu benötigen, weil ich sie Ziffer für Ziffer übertragen mußte und trotzdem zwischendurch den Faden verlor und von vorn beginnen mußte. Ich sehe das nicht so locker, denn ob Depris selten sind oder nicht, eine schwere Depression ist für den Betroffenen der blanke Horror und dementsprechend sollte man das auch behandeln.


    Was ich heute in Saxchen Depressionsbewältigung machen ist kurz gesagt: Achtsamkeit und Meditation. Therapie hat noch nie so richtig funktioniert. Das hängt mit meinem früheren Job zusammen und es sprengt den Rahmen, das jetzt zu beschreiben. Sport geht aus gesundheitlichen Gründen nicht.

  • Hmm, ich finde jetzt nicht das WbD Depressionen als lockere Sache darstellen wollte, aber vielmehr würde mich deine Andeutung hinsichtlich Therapie interessieren.
    Ich denke gerade Therapie ist der wesentliche Ansatz bei psychischen Erkrankungen!
    Ob frühere Therapien nicht sehr viel gebracht haben, sollte nicht vor einem neuen Versuch abhalten.


    Daher die Frage, was hat denn nicht funktioniert?
    Bist du jetzt in Rente?

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Es klang für mich ein wenig nach herunterspielen. Wozu sonst wollte ich jemandem erzählen, daß seine Beschwerden nicht so selten sind? Aber sei's drum.


    Therapie (mit Ausnahme von Verhaltenstherapie) funktioniert bei mir aus zwei Gründen sehr schlecht. Erstens habe ich den vielen Jahren trockenen/cleanen Lebens mich schon intensiv mit mir auseinandergesetzt. Das war nicht nur die Teilnahme an Selbsthilfegruppen, sondern auch Lehrgänge zum Thema Sucht. Das meiste von dem, was ein Therapeut mir erzählen kann, das habe ich schon einige Male gehört. Ich glaube nicht, daß ich ohne die intensive Beschäftigung mit meinem Innenleben die lange Trockenheit geschaftt hätte. Zweitens habe ich einen ganz fatalen "Mechanismus", den ich nur ganz schwer ablegen kann. In meinem Job war es wichtig, den Kunden gegenüber vertrauenerweckend und selbstsicher aufzutreten. Das habe ich 30 Jahre lang trainiert und kann das nicht so leicht ablegen. Ich bin so aber nicht nur meine Kunden gegenüber, sondern genau genommen fast allen Menschen. Als ein Therapeut mich mal fragte, wann ich eigentlich authentisch wäre, da wurde mir das so richtig bewußt: eigentlich nur zu Hause. Das ist der Haken bei der Sache. Wenn ich mich beim Therapeuten darauf konzentriere authentisch zu sein, dann bin ich deswegen nicht so richtig beim Thema. Das ist mir zu anstrengend, weil es mir immer noch sehr schwer fällt, die nötige Konzentration aufzubringen.

  • Es klang für mich ein wenig nach herunterspielen. Wozu sonst wollte ich jemandem erzählen, daß seine Beschwerden nicht so selten sind?

    Zb um zu zeigen dass der Betroffene nicht allein ist und dass es es Wege gibt für gut erschlossene Probleme ;)

    "Natürlich würde ich lieber bei Mike Leckebusch im Beat-Club auftreten, aber leider ist der Mann einstweilig tot."

  • Zb um zu zeigen dass der Betroffene nicht allein ist und dass es es Wege gibt für gut erschlossene Probleme ;)

    Auf das Risiko hin, etwas haarspalterisch zu erscheinen: nach zwei Klinikaufenthalten brauche ich so einen Hinweis vermutlich nicht. Sonst wäre eh Hopfen und Malz verloren. Im ersten Beitrag habe ich davon geschrieben, daß ich einmal acht Wochen in Zwesten war und dann noch mal acht Wochen in einer Tagesklinik. Immerhin habe ich auch schon eine Menge erreicht. Von einer schweren depression bin runter zu einer, die zwischen leicht und mittelschwer pendelt.


    Die Antwort an Franz zu meiner Rente hatte ich vergessen. Jau, seit einem halben Jahr bin ich in regulärer Rente. Ich hatte das Glück, daß ich mit 63 und nur geringen Abzügen in Rente gehen konnte.

  • Trotzdem gibt es Menschen die dir einfach nur versuchen entgegen zu kommen, kann ja keiner riechen.

    "Natürlich würde ich lieber bei Mike Leckebusch im Beat-Club auftreten, aber leider ist der Mann einstweilig tot."

  • Trotzdem gibt es Menschen die dir einfach nur versuchen entgegen zu kommen, kann ja keiner riechen.

    Ich habe auch nicht böse reagiert, sondern habe mich nur ein wenig gewundert. Aber ich verstehe "...kann ja keiner riechen." nicht. Ich habe doch im Eingangsposting von den zwei Klinikaufenbthalten geschrieben.


    Vielleicht sollte die Diskussion an dieser Stelle besser beendet werden.

  • Ja, da geb ich dir Recht. Entschuldige bin auch oft vorschnell.


    Alles Gute trotzdem!

    "Natürlich würde ich lieber bei Mike Leckebusch im Beat-Club auftreten, aber leider ist der Mann einstweilig tot."

  • Mhmm... herunterspielen? Nö. Mein Umgang mit dem Thema ist über die Jahre nur wesentlich entspannter geworden. Ich kenne mich aus eigener Anschauung mit Burn Out, Depressionen und damit zusammenhängenden somatoformen Störungen ganz prima aus. Ich habe ne ADHS, bin Migräniker und habe seit einem Wirbelkörperbruch beständige Rückenschmerzen. ;) Reicht dir das als Liste?


    Ich habe gefragt, was bei dir therapeutisch gegenwärtig so läuft, und nicht, was gelaufen ist. Und doch, vielen Depri-Erkrankten muss man den Hinweise, dass sie mit ihrem Problem nicht allein da stehen, immer und immer wieder geben. Du weißt ja dann mit Sicherheit genau so gut wie ich, dass Depressive oft keinerlei Zugang zu vorherigen Erfahrungen haben, die ihrem momentanem Selbstempfinden nicht entsprechen, so eben auch zu der Erfahrung, mit ihrem Problem nicht allein da zu stehen.

    Schlangenöl ist auch weiterhin eine begehrte Ware, lässt sich Dank der modernen Technik nunmehr aber beliebig vervielfältigen und von selbsternannten Heilsbringern in die gierigen Schlünder kippen. Wohl bekomm's!


  • [...] Du weißt ja dann mit Sicherheit genau so gut wie ich, dass Depressive oft keinerlei Zugang zu vorherigen Erfahrungen haben, die ihrem momentanem Selbstempfinden nicht entsprechen, so eben auch zu der Erfahrung, mit ihrem Problem nicht allein da zu stehen.

    Das weiß ich allerdings nicht. Meine Erfahrungen aus der Sucht und dem Weg zum trockenen/cleanen Leben sind und waren immer präsent, selbst in der schweren Depression. Vielleicht ist es die grausige Erfahrung der Sucht, die diese Erinnerung nie wieder verschwinden läßt - jedenfalls bei mir nicht. Ich habe offensichtlich andere Erfahrungen als du.
    Leider weiß ich nicht, was du mit deiner Liste sagen möchtest. Vielleicht erklärst du das nochmal.

  • Was ich dir damit sagen möchte, ist, dass ich keinerlei Grund hätte, irgendetwas herunter zu spielen, du hier keineswegs mit jemandem redest, der zum "verständnislosen Umfeld" gehört, oder irgendetwas in der Richtung. Ja, Erfahrungen sind unterschiedlich, und mein Umgang mit diesen Erfahrungen ist scheinbar auch ein anderer.


    Ich wünsche Dir viel Erfolg, viel Glück und all sowas. :8::fv:

    Schlangenöl ist auch weiterhin eine begehrte Ware, lässt sich Dank der modernen Technik nunmehr aber beliebig vervielfältigen und von selbsternannten Heilsbringern in die gierigen Schlünder kippen. Wohl bekomm's!

  • Tja, darum ist es auch immer gut, das direkt zu sagen, was man sagen möchte, statt dem Leser einen breiten Spielraum von Interpretationsmöglichkeiten zu lassen.


    Wie dem auch sei ....

  • Das wird im Netz aber immer so sein und bleiben, dass du aus dem Geschriebenen das heraus ziehst, was du interpretierst.
    Das kann Vor- wie Nachteile haben, aber letztlich ist es immer etwas anderes, als wenn man seinen Gesprächspartner direkt vor Augen hat ...


    Ich verstehe auch noch nicht ganz was du wegen deiner Suchterkrankung und deinen Depressionen verbindest.
    Sicherlich können beide Erkrankung zusammen hängen, doch sind es ja unterschiedliche Behandlungsansätze.
    Wer eine Sucht mehr oder weniger alleine überwinden konnte, der muss oder kann das nicht auch bei einer Depri annehmen.


    was ein Therapeut mir erzählen kann, das habe ich schon einige Male gehört

    Das würde ja bedeuten, ein Therapeut selbst könnte nie eine Therapie machen.
    Und nicht selten braucht es mehr als "schon mal gehört", gerade bei lang anhaltenden Erkrankungen sind oft mehrere therapeutische Anläufe nötig.


    habe ich einen ganz fatalen "Mechanismus", den ich nur ganz schwer ablegen kann

    Den abzulegen dürfte der Schlüssel zum Erfolg einer Therapie sein.
    Das liegt zwar zum Teil auch am Therapeuten, das so zu gestalten, doch wenn der >Patient das gar nicht will/schafft, dann sollte die Therapie auch für den Moment abgebrochen werden.


    Wenn ich mich beim Therapeuten darauf konzentriere authentisch zu sein, dann bin ich deswegen nicht so richtig beim Thema. Das ist mir zu anstrengend, weil es mir immer noch sehr schwer fällt, die nötige Konzentration aufzubringen

    Sorry, aber keine Therapie ist einfach oder nicht anstrengend.


    So ganz verstehe ich auch nicht, warum du Therapie so vehement ablehnst, was verlierst du bei einem neuen Versuch?

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Na gut, sortieren wir mal. Sucht und Depression hängen deswegen zusammen, weil die Probleme, die mich in die Sucht geführt haben, dann später in Burnout und Depression mündeten. Nur weil man trocken/clean ist, ist damit noch nicht automatisch das kaputte Selbstwertgefühl wiederhergestellt. Ich war nicht arbeitssüchtig, aber mir wurde erst in der Klinik der Zusammenhang klar, daß ich ganz viel Bestätigung aus dem Job holte. Für mich mit dem fehlenden Selbstwertgefühl war es etwas zuviel, was ich aus dem Job zog und das konnte nicht gut gehen.
    Außerdem soll bei langfristig trockenen Alkis eine Depression nicht selten sein. Da die Suchtmechanismen noch nicht endgültig geklärt sind, ist ein möglicher Zusammenhang nicht auszuschließen.


    Der Schluß "ein Therapeut könnte nie eine Therapie machen" paßt nicht zu dem, was ich geschrieben habe. Aber irgendwann ist klar, daß eine Therapie nach einer Methode ausgereizt ist eben weil Kindheit und Jugend oft genug ausgebuddelt worden sind. Darum hane ich auch geschrieben "Therapie (mit Ausnahme von Verhaltenstherapie) funktioniert bei mir [...] sehr schlecht.". Das alles ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern haben mir mittlerweile zwei Therapeuten und eine Psychiaterin so gesagt. Die vorletzte Therapie haben wir in gegenseitigem Einvernehmen beendet, weil die Tiefenanalyse (oder wie das heißt) zu Ende war. Alles was im Laufe dieser Analyse herauskam, das hatte ich in der Zeit der Trockenheit schon selbst herausgefunden. Sie zwei Lehrgänge zum Thema Sucht hatte ich schließlich nur besucht, um mehr über meine Krankheit und die Lösungsmöglichkeiten zu erfahren. Die Therapie in der Tagesklinik war auch schnell an dem Punkt, an dem wir uns nichts mehr zu sagen hatten. Deshalb die Empfehlung "Verhaltenstherapie". Das kann ich aber auch selbst, mit Verhaltenstherapie in Eigenarbeit bin ich durch die erasten Jahre ohne Alkohol und Drogen gekommen.


    Es sagt sich leicht, daß man ein bestimmtes Verhalten ablegen will, wenn man es vorher 30 Jahre lang trainiert hat und es zu den Schlüsselkenntnissen meines Jobs gehörte. Deswegen habe ich auch beschrieben, daß ich einfach noch überfordert bin, wenn ich mich darauf konzentrieren soll authentisch zu sein und gleichzeitig an der Therapie mitarbeiten soll. Die nötige Konzentration bringe ich oft nicht zustande. Wenn du das nicht versthen kannst, daß ich die Konzentration nicht immer aufbringen kann, dann tut es mir leid. Es mit dem Satz "Sorry, aber keine Therapie ist einfach oder nicht anstrengend." zu beantworten zeigt nur, daß du es nicht verstanden hast. Es geht nicht daraum, daß es mir zu anstrengend ist, sondern daß ich es einfach nicht kann. Habe ich das mittlerweile nicht oft genug geschrieben? Du magst auch gern nachlesen, daß eine fortgeschritte Rheumatoide Arthritis oft von massiver Erschöpfung begleitet wird. Es ist nicht alles immer nur psychosomatisch und/oder Folge des Burnout.



    Ich wehre mich keineswegs gegen eine Therapie, aber ein neuer Ansatz ist schon vonnöten, wenn der bisherige abgearbeitet ist und nicht zum Erfolg geführt hat.

  • Wenn man psychische Erkrankungen ganzheitlich sieht, was natürlich für Therapeuten nötig ist, dann gehört das natürlich zusammen.
    Aber ich schrieb ja:

    Sicherlich können beide Erkrankung zusammen hängen, doch sind es ja unterschiedliche Behandlungsansätze.


    Kindheit und Jugend, ein Thema was vielen Probleme macht (früher auch mir selbst), doch leider ist dort auch viel "versteckt" und daher wird man das nie ganz aus einer Therapie ausklammern können.
    Da du aber von zerstörtem Selbstwertgefühl berichtest, liegt natürlich der Verdacht schon sehr nahe, dass sich eventuell Ursachen in der Kindheit/Jugend finden.
    Aber wenn es eh Empfehlungen zur Verhaltensthera gibt, dann solltest das versuchen.
    Was aber letztes Jahr abgearbeitet war, nicht den erwünschten Erfolg mit sich brachte, das heißt noch lange nicht, dass ein erneuter Versuch das gleiche Ergebnis mit sich bringt.


    Es sagt sich gar nichts leicht, jedenfalls ist es nicht mein Ansatz, irgendwas als einfach hinzustellen.
    Dennoch meine ich, ohne mein eigenes ehrliches Ich an den Tag zu legen, dürfte eine Therapie kaum was erreichen - trotzdem ist es aber nicht sinnlos.
    Mancher muss eben mit mehreren Ansätzen zum Kern einer Therapie "gelockt" werden - kein einfaches Unterfangen.


    Ob ich nun verstehe oder nicht, aber ich versuche mich an deinen Textne und es steht nun mal so:

    Das ist mir zu anstrengend, weil es mir immer noch sehr schwer fällt, die nötige Konzentration aufzubringen.

    Wenn du es aber nicht kannst, dann ist natürlich mal ne Therapiepause angesagt.


    Da ich selbst Schwerbehindert, Schmerzpatient und ehemals langjähriger Drogenkonsument bin, kann ich ganz gut verstehen, wenn mehrere gesundheitlichen Probleme zusammen kommen.
    Doch ich behaupte auch, hätte ich mich in den 80'gern nicht Therapien verweigert, wäre mir vielleicht vieles erspart geblieben.
    Mit heutigen Wissen und Erfahrungen glaube ich einfach daran, man kann psychische Leiden und Suchterkrankugen in den Griff bekommen, doch kann dies unter Umständen sehr lange dauern und viel Kraft erfordern - soviel dazu, keine Therapie ist einfach oder nicht anstrengend ;)

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Ob ich nun verstehe oder nicht, aber ich versuche mich an deinen Textne und es steht nun mal so:

    Wenn du es aber nicht kannst, dann ist natürlich mal ne Therapiepause angesagt.
    Da ich selbst Schwerbehindert, Schmerzpatient und ehemals langjähriger Drogenkonsument bin, kann ich ganz gut verstehen, wenn mehrere gesundheitlichen Probleme zusammen kommen.
    Doch ich behaupte auch, hätte ich mich in den 80'gern nicht Therapien verweigert, wäre mir vielleicht vieles erspart geblieben.
    Mit heutigen Wissen und Erfahrungen glaube ich einfach daran, man kann psychische Leiden und Suchterkrankugen in den Griff bekommen, doch kann dies unter Umständen sehr lange dauern und viel Kraft erfordern - soviel dazu, keine Therapie ist einfach oder nicht anstrengend ;)

    Ja, das glaube ich dir, daß dir einiges erspart geblieben wäre. Nun, bei mir ist es anders gelaufen, denn ich lebe seit Anfang der 80er frei von Suchtmitteln. Es sind jetzt mehr als 34 trockene/cleane Jahre und du wirst mir sicher zutrauen, daß ich aus dieser langen Zeit auch die eine oder andere Erfahrung habe. Für mich bedeutet das, daß ich mir sehr sorgfältig überlege, wie ich mit mir und meinen Krankheiten umgehe und daß ich nichts aus einer Laune heraus tue oder aus Bequemlichkeit nicht tue. Das lernt man nämlich, wenn man trocken/clean bleiben will oder man fällt irgendwann auf die eine oder andere Art auf die Schnauze.


    Warum du meine Worte so interpretierst, daß ich aus Bequemlichkeit (oder ähnlichem) keine Therapie mache, das erschließt sich mir nicht. Vielleicht wäre es angeraten, erst einmal nachzufragen, bevor man sich in so einem Punkt eine Meinung bildet. Das habe ich mir jedenfalls so angewöhnt und ich fahre gut damit.


    Zuletzt möchte ich noch anmerken, daß ich mit ungebetenen Ratschlägen kein Problem habe. Ich gehe erst einmal davon aus, daß sie gut gemeint sind. Werden sie aber insistierend, dann muß ich doch auf das "ungebeten" verweisen. Ich war eigentlich erst bei einer Bestandsaufnahme und keineswegs damit fertig. Wenn aber jemand mittendrin in einem vermeintlichen Schwachpunkt herumbohrt, dann muß er sich fragen lassen, ob er überhaupt schon genug von mir weiß, um so vorzugehen.


    Das soll jetzt kein Streit sein und auch kein Vorwurf, sondern nur eine Abklärung der Standpunkte.

  • Warum du meine Worte so interpretierst, daß ich aus Bequemlichkeit (oder ähnlichem) keine Therapie mache, das erschließt sich mir nicht. Vielleicht wäre es angeraten, erst einmal nachzufragen, bevor man sich in so einem Punkt eine Meinung bildet

    Konnte ich nicht lesen, dass franz das so geschrieben hat. Was du daraus interpretierst ist ja ne andere Sache.


    Warum du so scharf reagierst, ist mir immer noch nicht schlüssig.
    Genauso wenig, was du denn dann mit dem Thema bezwecken willst, wenn die Antworten darauf nicht dem entsprechen, was du hören möchtest?
    Wenn du nur erzählen möchtest ohne Rückmeldungen, dann hast du dazu schon en Postfach. ;)

    Ich bin
    gefangen
    im Sturzflug
    meines Lebens
    (Verfasser unbekannt)

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