Tramalabhängigkeit!!!!

  • Hallo ihr Lieben,


    ich bin 28 Jahre alt und seit ca. 2 Jahren stark Tramalsüchtig. Vor 4 Jahren habe ich zuerst meinen Vater und 7 Monate später meine Mutter verloren( beide durch Krankheit) , sowie mein Zuhause. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen und ich wollte nicht mehr leben. Meine Eltern waren mein Ein und Alles. Ich habe viele Tabletten ausprobiert.......Benzos, Antidepressiva.....aber nichts hat geholfen. Durch Zufall kam ich an Tramal, da ich Pflegekraft in einer Psychiatrie bin. Ich kenne mich also sehr sehr gut mit Psychopharmaka aus . Mir wurde schnell bewusst das dieses Opioidanalgetikum mehr lindert als nur körperliche Schmerzen. Also nahm ich es immer häufiger und immer mehr und mehr. Ich war so erleichtert das ich endlich etwas fand das meinen seelischen Schmerz betäubte. Ich wollte keinen Rausch sondern nur Seelenfrieden. Ich wurde nicht mehr mit Erinnerungen und Träumen von meinen Eltern gequält . Ich habe meinen Alltag gemeistert und funktioniert. Irgendwann hat sich meine Ärztin geweigert mir dieses weiterhin zu verschreiben.......dann war ich gezwungen durch heftige Entzugsschmerzen in eine Klinik zu gehen. Ich wurde dort von morgens bis abends mit Medis vollgepummt . Ich hatte noch nicht mal ein psychotherapeutisches Gespräch erhalten. Es war die Hölle dort , also schaffte ich den Entzug in 7 Tagen um so schnell wie möglich wieder zu meinem Ehemann nachhause zu können. Außerdem fing 1 Monat später meine neue Arbeitsstelle, somit war ich motiviert und voller Elan. Leider war sogenannte neue Arbeit alles andere als schön, aber ich wollte durchhalten. Ich wurde kurze Zeit später schwanger und freute mich so sehr. Ich wünschte mir so sehr wieder eine Familie. Aber ich verlor das Kind in der 9 Woche. Für mich brach eine Welt zusammen. Ich suchte einen neuen Arzt und nahm wieder Tramal, mehr als je zuvor. Es half und ich bekam wieder meinen „ geliebten seelischen Betäubungszustand“ . An manchen Tagen nahm ich so viel dass ich mir nicht sicher war je wieder aufzuwachen.

    Ich habe mehrmals versucht es mit Benzos auszuschleichen, jedoch ohne Erfolg. Nach 2 Tagen fing ich an von meiner Mutter zu träumen und konnte auch tagsüber an nichts anderes als an diesen Verlust denken. Es tat so unbeschreiblich weh das ich nur noch sterben wollte. Das Tramal hat meine Trauer unterdrückt und ohne Tramal schlug diese Trauer ein wie eine Bombe. Ich lag tagelang im Bett und war zu nichts mehr fähig. Bis ich es mir dann wieder besorgt habe.

    In den letzten 3 Monaten hat eine 100ml Flasche max nur noch 7-8 Tage gehalten. Ich kann so nicht mehr weitermachen.......diese Sucht bestimmt mein ganzes Leben ;(;( Ich hatte auch schon Krampfanfälle.

    Am Montag war ich bei meinem Arzt und habe mir Tranxilium verschreiben lassen um Zuhause einen Entzug zu machen. Ich habe jetzt seit 4 Tagen kein Tramal mehr genommen. Für mich eine große Leistung. Aber ich muss ehrlich sagen das ich psychisch total am Ende bin. Ich trauere, ich weine ununterbrochen und weiß nicht mehr weiter. Das Tranxilium ist trotzdem meiner Meinung nach ein sehr gutes Medikament bei solchen Ausnahmesituationen. Diazepam hat mir damals NULL geholfen.
    Termin bei Psychotherapeuten ist fast unmöglich......Wartelisten bis zu 6 Monaten. In eine Klinik werde ich nicht nochmal gehen !!!! Ist hier vllt irgendjemand der auch aufgrund eines Traumas zu Tramal gegriffen hat ?

    Liebe Grüße Rottigirl

  • Ich habe nicht wegen eines Traumas zu Tramal gegriffen.


    Kenne aber die Opiatabhängigkeit um damit Spannungen und Probleme zu (versuchen zu) bewältigen.


    "Ich habe meinen Alltag gemeistert und funktioniert."


    Das mit dem funkionieren an der Arbeit mag ja geklappt haben. Aber als Mensch funktionieren und seinen Alltag wirklich meistern, dann finde ich sollte man auch etwas glücklich sein.


    Ich frage mich bei deiner Geschichte, ob du vor dem Tod der Eltern stabil warst, oder ernste Probleme hattest. Auch ob dein Job dich sehr stresst.


    Damit es dir besser geht, braucht man es wohl zu verstehen, was dich quält. Wenn das der Tod der Eltern ist, und sonst gar nichts, muss man vielleicht da ansetzen. Wenn es noch wo anders hakt, dann da natürlich auch hinsehen und ansetzen.


    Wie das geht, kann ich natürlich nicht benennen.


    Grundsätzlich sehe ich aus meiner Erfahrung, dass Drogensucht einfach die Verarbeitung und das Weiterkommen blockiert, und dabei noch eigene Schadwirkung einbringt.


    Deswegen: Du bist auf dem richtigen Dampfer, wenn du vom Tramal weg gehst. Das ist meine Überzeugung. Dort sind die Perspektiven. Leicht wird es so oder so nicht. Und es ist ein großes Projekt, dass irgendeine Planung, Ziel, Bestandsaufnahme, Strategie, kleinteilige Alltagsmaßnahmen erfordert.


    Einfach so wollen und machen ist schön und gut, sollte aber von ergänzenden und sinnvollen Maßnahmen flankiert werden.

    Ich bin kein Fachmann. Alle meine Aussagen sind nur meine laienhafte Einschätzungen, die auf eigenen unzulänglichen Überlegungen oder subjektiven Erfahrungen beruhen.