Sohn (18) dealt und konsumiert Drogen

  • Liebe Forumsmitglieder,

    seit einem Stubendurchgang (Polizeiliche Durchsuchung) in unserm Haus, wurden wir von einer Minute zur Anderen in eine uns völlig fremde Welt hineinkatapultiert. Seit ca. 4 Jahren hat er mehr oder weniger mit Cannabis zu tun gehabt. Seit 2 Jahren ist bei ihm Mischkonsum und dealen bekannt. (Seine eigene Aussage) das Ging über Pilze, Koks, LSD, MGMA, Medikamente. Zum Glück noch kein Crystal und Heroin. er hat die 10 Klasse auf dem Gym geschafft. Wir haben ihn dann aber im April kurz nach der Durchsuchung von der Schule genommen. Es kam keine Leistung mehr und wir haben den Druck rausgenommen. Er wurde 3 mal erwischt und nun folgen noch zwei gerichtliche verfahren die aber vermutlich mit Sozialarbeit oder Geldstrafe enden.

    Wir haben alles unternommen, um ihn in den Entzug zu bekommen. Seine Freundin hat ähnliche Probleme. Eine Lehre hat er nicht begonnen, wollte aber nächstes Jahr doch beginnen. Er war zwischenzeitlich auf einem guten Weg und der Drogentest auf Cannabis ging von 400 ng/ml auf 33 ng/ml zurück. Er hatte mit einen 400 Euro Job begonnen. Zu Weihnachten wollte er nicht mit der Familie feiern, was jetzt erstmal nicht ganz so schlimm wäre. Leider hat er gewartet bis wir ausser Haus waren und hat dann hier ne Party ca 3-4 entsprechende Personen losgetreten. Obwohl er für so etwas Verbot hatte machte er es hat trotzdem. Dann haben wir hier entdeckt, das man Plastikbeutel verteilt hat. Da war mir alles klar. Da er teilweise schon wo anders geschlafen hat, habe ich ihm gesagt er soll seine Sachen packen. Nun haben wir seit 2 Tagen keinen Kontakt mehr. Wie gesagt wir haben alles ausgereizt um ihm zu helfen. Viele Drogenberatungen, Kinderpsychiatrie, Notarzt war da und wir hofften das er ihn zum Entzug mitnehmen kann. Ich war schon beim Richter und wollte ihn Zwangseinweisen. Dieser meinte "treffe ich einen halbwegs normalen nicht suizidalen Menschen an, nehme ich ihn nicht mit". Also es geht nur freiwillig. Er wird demnächst seine während dieser Zeit bestandene Fahrerlaubnis verlieren. Ich hoffe nun auf den Richter bei der Verhandlung, dass er ein Urteil spricht, wo er zum Zwangsentzug verurteilt wird. Nächste Woche bin ich bei der Gerichtshilfe und hoffe da nochmal auf eine Möglichkeit ihm zu helfen.

    Mittlerweile ist unser komplette Familie ( Großeltern) maximal zerstritten, sie haben sich immer massiv in alles reingehängt. Meine Frau (seine Stiefmutter) ist eine unglaubliche Stütze für mich.

    Mit Sicherheit haben wir auch eine gewisse Schuld. Trotzdem möchte ich ihm auf lange Sicht helfen.

    Mit dem Rauswurf hoffe ich, ihm mehr Verantwortung für sein Leben gegeben zu haben. Ich habe auch die ständigen Lügen und das Hintergehen nicht mehr ertragen. Möglicherweise braucht er den ganz tiefen Fall. Als er neulich noch klar war, war er wie ausgewechselt. Das war eine wahnsinnig schöne Erfahrung und gibt mir Hoffnung, das sein Hirn noch nicht so großen Schaden genommen hat. Für ihn ist noch alles möglich.

    Hat jemand Erfahrung mit ähnlichen Situationen? Leider kann ich nicht mehr zu viel tun, da er im Januar 18 wird.

    Ich bin auch seit längeren wegen Überlastung in einer Psychotherapeutischen Behandlung und erfahre dadurch sehr viel Unterstützung.

    Die Verzweiflung hat mittlerweile ein Maximum erreicht.


    Vielen Dank fürs Lesen.


    LG Cijay

  • Also er muss es selber wollen. Du kannst ihn zu nicht zwingen oder ihn in einen Entzug schupsen. Er muss es selber wollen. Ich bin 18 Jahre alt und war selber die letzen Jahre Drogen abhängig hab heimlich Geld von meiner Mutter geklaut sie belogen, einen Ring den ich von meinem Opa hatte verkauft. Und ich bin immernoch nicht weg und befinde mich jetzt grade wieder im Entzug.


    Selbst für mich ist es schwierig obwohl ich es will! Ich habe letzens erst wieder meine Mutter beklaut, es ist schwierig zu beschreiben aber sinnbildlich zu sagen das sucht der teufel ist trifft es ganz gut :/


    Wichtig ist dass du in erster Linie auf dich selber achtest! Die Liebe zu deinem Sohn darf dich selber nicht kaputt machen. Also der Rauswurf war denke ich eine richtige Entscheidung. Bedenke immer dass dein Sohn sich nicht komplett selber steuert wenn er Drogen abhängig ist. Zwar ist er auch noch teilweise er selbst aber die Drogen beeinflussen sein Verhalten und da musst du dich in erster Linie vor schützen.


    Dann würde ich dir gleichzeitig raten den Kontakt, so gut und lange es noch für dich geht, bei zu behalten, deinem Sohn zu erklären warum du dich selber schützen willst, und was dieses schützen für dich heißt.

    Gleichzeitig ihm aber den Respekt zu erweisen ein offenes Ohr für ihn zu haben, ihm zu hören und ernst nehmen! Und nicht als süchtig ab zu stempeln!

    Biete ihm deine Hilfe an wenn er zeigt dass ER SICH VERÄNDERN WILL! wenn er es nicht macht dann musst du dich weiter schützen!

    Pps. Verändern heißt für mich ganz klar Entzug. Er wird wahrscheinlich erstmal nein sagen.. und vielleicht wird er dass bis zu seinem Tod auch beibehalten, darauf musst du dich einstellen... aber bleib tapfer die Hoffnung stirbt zu letzt!


    Dir und deinem Sohn alles gute und ganz viel Kraft! Halt uns oder zumindest mich ruhig auf dem laufenden wenn du magst!

  • Vielen Dank,

    das ist echt lieb. Er wird jetzt richtig runter fallen und das auch müssen, denke ich. Ganz viele Menschen um ihn haben sich für Ihn eingesetzt und stark gemacht. Leider hat es nichts gebracht. Nun ist er an der Reihe sich zu helfen. Ich hoffe das trifft so zu. Ich finde Deine Ehrlichkeit und dein Interesse, dich da rauszuziehen Wahnsinn. Das zeugt von innerer stärke. Mir kommen gleich die Tränen, weil ich diese Kraft meinem Sohn auch wünsche. Bis vor einem Jahr war er noch top fit. Hat Parkour gemacht, geile Beats am Rechner programmiert und wollte Tontechnik studieren. Mir fällt es schwer mich in einen 18 jährigen hinein zu versetzen, das sich da ganz viel verändert. Das ist bei mir schon lange her ;-). Er sollte doch trotzdem vor sich den Respekt nicht verlieren.

    Demnächst hat er seine Gerichtsverhandlung und ich werde die Jugendgerichtshilfe auf Knien anflehen ihn in einen Zwangsentzug zu bringen und danach eine mehrwöchige psychische Betreuung. Wenn er aufwacht, wird das für ihn der Hammer werden. Jede Sozialarbeit oder Geldstrafen würden ihn kalt lassen. Vielleicht nach dem Entzug.

    Lieber Bijuu, ich wünsche Dir von ganzen Herzen ein erfülltes und sorgenfreies Leben.


    LG Cijay

  • Ersteinmal Danke :)

    Ich hoffe dass der Richter da irgendwas machen kann. Wenn er in einen Zwangsentzug kommt kann ihm das auch die Augen öffnen.

    Allerdings wird dies denke ich schwierig ich glaub ein Richter kann da nicht soo viel machen.

  • Hi ich nochmal,


    du schreibst in einem anderen Thread über Gedächtnisprobleme. Ich denke schon, dass sich da einiges verbessern kann oder auch völlig gesunden kannst. Das Hirn ist sehr flexibel. Da braucht man auch Geduld und Training.

    Ich bin so in einer Zwickmühle mit meinem Sohn. Ich liebe ihn ohne Ende und mache hier bestimmt ohne Ende Fehler. Er braucht klare Linien und Aufgaben. Bei mir nimmt er das leider nicht mehr an. Hab schon überlegt ihn zu schnappen und 5-6 Wochen auf ne Insel in Schweden oder nach Kuba. Aber was ist dann? Vielleicht hat er mich dann noch mehr satt.

    Alles Mist.

    Naja, die Zeit wird es zeigen. ich wünsche dir so sehr aus diesem Teufelskreis heraus zu kommen. Das Leben ist eigentlich so geil.


    Cijay

  • Neuer Stand,


    nach 3 Tagen auf MDMA haben wir gestern den Notarzt geholt. Die waren wirklich super und haben eine Stunde auf ihn eingewirkt um einen Entzug zu machen. Er hatte Kieferspasmen. Puls und Blutdruck waren normal. Leider hat er nicht zugesagt. Es war schon alles vorbereitet. Ich hatte auch in der Klinik angerufen das sie ihn zwangsaufnehmen. Wir hätten das dann noch mit dem Richter geklärt. Leider ging es dann wieder nach hinten los. Er sagte dann ich bin jetzt hochmotiviert und will die Drogen nicht mehr. Die Ärztin meinte dann zu mir, dass es bei MDMA nicht ohne fremde Hilfe mehr geht. Das ist in der Regel nicht zu Schaffen. Sie hat viele Jahre Bereitschaftserfahrung und muß bei solchen Menschen zusehen wie sie über die Jahre verfallen. Ich verstehe nicht warum die jungen Leute diesen Strohhalm nicht greifen wollen. Nur ein ja und man hat die Chance auf ein neues Leben.

    Nun muß ich zuschauen bis er das nächste mal wieder abstürzt. Ich hoffe so auf den Richter, das er ihn das als" Strafe " auferlegt.


    :-( Cijay

  • Es dürfte richtig sein, dass er ohne fremde Hilfe da nicht raus kommt, aber da sollten eben Profis mitwirken.

    Klar hat die Bereitschaftsärztin nicht Unrecht, aber es ist auch nicht ihre Kernkompetenz ;)


    Zwangsaufnahme ist nur bei akuter Eigen-/Fremdgefährdung möglich, das ist auch in Österreich so - ich nehme an, nach manchen Wörtern in deinen Texten, dass du von dort schreibst.

    Auch der Richter kann kaum eine Strafe aussprechen, welche zum Entzug/Entwöhnung zwingt.

    Dein Sohn kann das ablehnen und kommt dann halt in den Knast. Letzteres ist aber eher nicht hilfreich, mancher mag meinen da bestünde keine Drogengefahr, dem ist aber sicher nicht so!


    Du machst nichts falsch, du bist Vater und tust alles, was du für richtig hältst.

    Beratungsstellen können dich unterstütze3n, aber auch dort kann man nie sagen was zu 100% richtig oder falsch ist ;)

    Leider bleibt den Eltern meist nur abzuwarten und im richtigen Moment da zu sein ...


    Hab schon überlegt ihn zu schnappen und 5-6 Wochen auf ne Insel in Schweden oder nach Kuba.

    Das meine ich, gut gemeint, aber wenig sinnvoll ...

    Der Entzug ist zwar der erste Schritt, aber die dauerhafte Entwöhnung muss direkt im Anschluss beginnen und ist m. M. der wesentlich schwierigere Teil, dauert und verlangt allen viel Geduld ab.


    Versuche erst gar nicht ein 18-jähriger zu werden, das gelingt nicht :D

    Oft hilft es, wenn man an sich in dem Alter denkt - wir wollten auch nicht unbedingt das, was uns unsere Eltern abverlangten.

    Reden ohne Zwang, zeigen dass ihr ihn liebt, die kleinen Gesten sind es, welche solange Überbrückung bieten sollten, bis er umdenkt und wirklich ausbrechen will.

    Ganz ehrlich, in dem jungen Alter sollte man aber da nicht zu viel erwarten, oft braucht es mal ein paar Abstürze bis Einsicht kommt.

    Das ist grausam anzusehen, aber dein Sohn macht auch viel durch, insgeheim will keiner süchtig sein, nur glaubt man nicht an den Ausstieg oder suchtfreie Zukunft.


    Es braucht aber auch eine gesunde Abgrenzung, keinem ist geholfen, wenn andere in der Familie krank werden oder gar alles auseinander bricht.

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hallo Franz,


    vielen lieben Dank für Deine Worte. Alles Gute und Liebe im neuen Jahr. Ja, du hast in dem was du schreibst recht. Es hat sich mittlerweile etwas getan. Positiv, wie leider auch negativ da wir nun noch mehr wissen. Er hat am 31.12. einen Vertrag mit seiner Freundin von allein aufgesetzt. Ich zitiere: Wir möchten ab dem 31.12.2018 unser Leben um 180 °C drehen und einen Entzug machen. Zum Glück konnten er das mit unserer Hilfe, da er doch wieder schwankte, umsetzen. Er ist nun im Entzug. Hier tut sich nun das ganze Ausmaß auf. Wahrscheinlich ist auch Crystal im Spiel. Er sieht aus wie ein Wrack. Vor einem Jahr ist er noch Skateboard gefahren. Er tut mir so leid. Er ist glaube im inneren noch ein ängstlicher und trotz seiner Verfehlungen ein herzensguter Mensch. Genau Sylvester hatte er eine Attacke im Krankenhaus und schrie mir ins Telefon"Holt mich hier raus...sofort" Die Pfleger waren gerade draussen und haben sich das Feuerwerk angesehen. Da habe ich überall versucht jemanden zu erreichen. Man hat ihm dann Benzos gegeben um ihn zu beruhigen und in einen Beobachtungsraum gelegt. Er hat jemanden in dem Moment gebraucht, den er in den Arm nehmen konnte. Ich konnte nicht zu ihm. Das hätte alles kaputt gemacht. Das war die bisher schwerste Stunde meines Lebens. Heute waren wir bei ihm und er ist fix und fertig aber wieder stabiler und hatte interesse an Sport. Er wiegt bei 1,8m nur noch 58 kg. Das ist der Hammer. Zum Glück scheint dieser extreme Missbrauch nur ca. ein Jahr gewesen zu sein, mit Abstinenzphasen. Wenn er keine Symptome hat ist er unglaublich beim Reden und auch inhaltlich erzählt er keinen Quatsch. Man sagte mir, dass er durch diese kurze Zeit noch gute Chancen hat. Morgen beginnt die Therapie für 3 Wochen. Danach beginnt die eigentliche Arbeit und ich hoffe wir finden da das richtige Konzept. Meines Erachtens sollte er für 6 Monate in eine Therapie, wo er wieder die normale Lebensweise erlernt. Erst wenn das gelingt kann er an eine Ausbildung denken. Das ist aber wirklich gerade eher nebensächlich. Hauptsache ist er lernt sich wieder zu lieben und sich seine Verfehlungen zu verzeihen. Er erfährt von uns bedingungslose Liebe wenn er sie möchte ohne Verurteilung. Ich will ihn auch nicht erdrücken und will ihm zeigen, dass er doch ein ernstzunehmender Mensch ist und meinen vollen Respekt bekommt. Er wird in 3 Wochen 18 Jahre. Das soll er glücklich in Erinnerung behalten.

    Was gibt es für Erfahrungen im Umgang mit den Betroffenen Menschen? Oder hat jemand Ideen für die Zeit nach der Entgiftung?

    Mich wird die ständige Angst vor einem Rückfall begleiten. Die Liebe zu seine Freundin scheint Halt und Hindernis zu sein. Was das Mädel mit 16 von sich gibt ist der Hammer. Er ist absolut hörig und Trennung würde ihn zerbrechen.

    Ich weiß nicht was ich tun kann um andere Eltern zu sensibilisieren. Was hier los ist, ist erschreckend. So viele sind betroffen. (Ostthüringen)

    Ich werde jetzt ein Tagebuch anfertigen und mit seiner Zustimmung Bilder von Ihm machen und seine hoffentlich Genesung für Ihn festzuhalten oder einfach meinem (unseren) Schmerz Worte zu Geben. Wenn meine Frau (Stiefmutter) nicht so geduldig wäre, würde ich das hier glaube nicht mehr schreiben können. Sie ist eine unglaubliche Stütze und ich danke ihr übermäßig für diesen Halt.

    Vielen Dank fürs Lesen und wenn es Tipps gibt werde ich alles wohlwollend aufsaugen.


    Ich wünsche allen die nötige Stärke zum Durchhalten.

    Es wird besser.


    Cijay

  • Oder hat jemand Ideen für die Zeit nach der Entgiftung?

    Er sollte direkt zur Entwöhnung, also Langzeittherapie.

    Nur leider geht das meist nicht so schnell, da reden ja z.B. Krankenkasse oder Rentenversicherer mit, es muss genehmigt werden.

    Auf der anderen Seite können da die Ärzte und Sozialdienst viel erreichen, grade wenn es um Jugendliche geht.


    Die Freundin mit ihren 16 darf man nicht allein am Alter bewerten - Drogen lassen viele sehr schnell reifen, zumindest für das tägliche Drogenleben.

    Es werden Dinge erlebt, das will man gar nicht genauer schreiben.

    Nur leider sehe ich hier auch den Haken, Paare schaffen es sehr selten und wenn einer schwächelt, fallen meist beide ...

    Natürlich ist eine Trennung sehr schlimm, die beiden können sich vermutlich gut aufeinander verlassen - schließlich ist die ganze Welt gegen sie ;)

    Wo ist die Freundin jetzt? Hat er Kontakt zu ihr?


    Um ehrlich zu sein, andere Eltern werden erst auf dich hören, wenn die selbst betroffen sind.

    So ist das leider, schlimme Dinge passieren immer nur in den anderen Familien ...


    Was also nun tun?

    Genau das, was ihr alle grade macht - da sein und lieben!

    bedingungslose Liebe wenn er sie möchte ohne Verurteilung

    Alles andere gibt sich!


    Es sollte aber klar sein, es können Rückschläge kommen, leider klappt es eher selten bei den ersten Versuchen.

    Zudem ist er jetzt motiviert, aber das kann sich schnell ändern, Süchtige sind die besten Schauspieler.

    Ansonsten kein Geld geben und wenn man Bedenken hat, offen ansprechen, aber eben ohne Vorwürfe.


    Schön wenn deine Familie so dicke zusammen halten kann, trotzdem würde ich eine Angehörigengruppe und -Beratung empfehlen.


    Tagebuch könntest im Bereich "Postfach" oder "Therapie-Tagebuch" schreiben, hier schreiben wir öffentlich, in den geschützten Bereichen kommen nur Forenmitglieder!!

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hallo zusammen,


    nun möchte ich aktuell berichten. Nach einem 3 wöchigen Entzug in der Klinik ist mein Sohn wieder zu hause. Laut Blutwerten ist er nun clean. Leider hat er immer mal Halluzinationen und hört manchmal Stimmen. Im Großen und Ganzen ist er gesundheitlich mit einem blauen Auge davon gekommen. Alle Werte sind top auch seine kognitiven Fähigkeiten haben momentan keine spürbaren Einschränkungen, laut Arzt. Er hat sich Ziele gesetzt und möchte das 2019 umsetzen. Natürlich geht das nicht von jetzt auf gleich. Er muß kleine Erfolge, Schritt für Schritt erarbeiten. Er bekommt momentan Olanzapin, was beträchtliche Nebenwirkungen aufweisen kann. Er nimmt am Tag 10 mg und wird dann nach der Einahme sehr schläfrig. Ich hoffe, dass er da nicht in eine neue Abhängigkeit kommt. Die Stimmen die er hört sind leiser und nicht mehr so laut. Man meint auch, dass er es durchaus verlieren kann. Die richtige Arbeit steht ihm noch bevor. Wenn der Suchtdruck kommt hat er Techniken bekommen um die 30 extremen Minuten zu überstehen. Diese Menschen brauchen extrem viel Verständnis und Halt. Ich hoffe das er keinen Rückfall bekommt und wieder an seine Zukunft denken kann. Er ist nun 18 und ich muß trotzdem lernen ihm Selbstbestimmtheit zu gewähren. Es ist wirklich ein super Gefühl wenn Menschen wieder aus diesem" vernebelten " Befinden zurück kommen. Jeden Tag bangen wir das er nicht schwach wird. Ich kann jedem empfehlen als Motivation einen Entzug zu machen. Man bekommt wieder eine Tagesstruktur und kann mit Betroffenen in einen Austausch gelangen. Wenn man die Neuankömmlinge mit ihrem müden Blick sieht ist man nur betroffen. Trotzdem muss ich sagen das der Entzug ein sehr vernünftiger Weg ist und der Start in eine neues Leben sein kann.

    Liebe Betroffene, ich möchte Euch nur sagen, bitte versucht es immer wieder davon los zu kommen. Der Kampf lohnt sich.

    Ich werde weiter berichten und hoffe, dass ich in geraumer Zeit wieder Positives posten kann.


    LG Cijay

  • Wie soll es nun weiter gehen?

    Ist eine Langzeit-Thera geplant oder wie ist das angedacht?

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Leider möchte er die Langzeittherapie nicht angehen. Ich hoffe das er es so schafft. Wenn nicht wird er nochmal richtig aufschlagen :-(. Er hat eben seine eigenen Vorstellungen das zu bewältigen. Nun ist er 18 und ich kann nichts mehr tun. Aber im Moment ist er clean. Morgen muß er zum Test um seine Fahrerlaubnis zu bekommen.

    Bin echt gespannt wie das ausgeht.

    Ich werde berichten.

  • Hallo

    Also, wie erwartet muss er zu einer MPU und muß Abstinenz mindestens ein halbes Jahr nachweisen. Ist auch richtig so. Er ist glaube noch nicht soweit um nicht für sich und seine Mitmenschen eine Gefahr im Straßenverkehr darzustellen. Ich würde ihm das sehr wünschen ein ganz normales Leben zu führen und er auch von seinen Mitmenschen geachtet wird. Gestern hat er seinen Laptop repariert und ein paar Physikformeln waren auch auf Anhieb da. Grins. Er verfällt aber immer wieder seinen alten Trott und läuft draußen mit weissen Cannabissocken rum, über die Hose. Wäre da nicht die Vergangenheit würde ich ja schmunzeln, es zeigt mir aber, dass er das Zeug noch nicht verteufelt. Er kämpft gerade wahnsinnig mit seinen innerlichen Stimmen. Gestern mußte er 1 1/2 Tabletten, also 15mg Olanzapin nehmen. Das macht einen übel schläfrig und man denk er hat wieder gekifft.

    Ich geh ihm mit Sicherheit sehr auf die Nerven. Aber was kann ich tun? Er sollte seit 14 Tagen einen Termin bei seiner Therapeutin machen. Heute hat er es geschafft, sagt er zumindest. Beim Zahnarzt ein Termin zu machen ist auch eine wahnsinnige Herausforderung. Aber er muß das selber hinbekommen. Morgen geht er ev. wieder zum Baskettballtraining. Ich hoffe das er es durchhält. Was meint ihr, bin ich zu nervig und sollte ihn überhaupt nicht mehr agitieren oder doch immer mal anstoßen? Ich hab mittlerweile schon Angst vor mir selber und weiß nicht mehr was richtig ist.

    Blöder Zustand :-( Theoretisch ist er jetzt 5 Wochen clean und die Arbeit beginnt erst für ihn.

    Hat jemand Erfahrung mit Olanzapin?


    Liebe Grüße Cijay

  • Servus,


    um ehrlich zu sein, verteufeln sollte er Cannabis gar nicht, nur eben verstehen, dass für ihn der Konsum nicht mehr machbar ist.

    Dieses festhalten mit der Kleidung z.B. ist aber wirklich doof, nach Außen hat das eine ungute Wirkung und könnte andere Konsumenten animieren, ihn einem Konsum näher zu bringen.

    Aber all das sind Dinge, die muss er verändern und es ist eine Gratwanderung, inwieweit man als Eltern da nerven kann/soll.
    Letzteres heißt aber nicht, dass man gar nichts fordert!

    Termin bei Thera oder solche Dinge sollte man schon mit Nachdruck einfordern.

    Ganz verstehe ich aber den Ablauf da auch nicht, es sollten feste Termine gemacht werden, für längere Zeit. Diese Regelmäßigkeit braucht er unbedingt!


    Sport ist natürlich eine gute Möglichkeit, sich auf andere Gedanken zu bringen.

    Inwieweit das klappt, wird sich zeigen.


    Wie ist denn die Dosierung angedacht?

    Eigentlich ist Olanzapin nicht als Bedarfsmedikament einzusetzen - also eigenmächtig die Dosis anzupassen.

    Welcher Arzt beobachtet die Medikation und wie oft ist der im Moment aufzusuchen?

    Anfangs hast du nach Sucht in Zusammenhang mit dem Medi gefragt ...

    Er wird das vermutlich länger nehmen müssen, also wird sich der Körper daran gewöhnen.

    Es ist aber keine Sucht, dennoch kann man es nicht einfach absetzen.

    Auch wenn die Symptome abklingen, wird nämlich empfohlen, Olanzapin noch einige Wochen/Monate weiter zu nehmen und wie gesagt, an Ende langsam ausschleichen.

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hallo Franz, vielen Dank für die Antwort,


    nun neues update. :-( Eben ist der Notarzt raus. Weil sein Laptop so laut war bin ich in sein Zimmer. Er ist in seinem Essen eingeschlafen und als ich ihn wecken wollte hat er nur gelallt. Er war absolut neben sich. Dann habe ich mir erlaubt in seinen Beutel zum sehen. Da habe ich eine 6 eckige Tablette gefunden mit der Aufschrift P & U 66. Er meint es ist Aprazolam, in Amerika unter Xanax bekannt. Er ist kaum noch in der Lage für sich zu sorgen. Ich kann einfach nicht mehr :-( . Eine Mitnahme ins Krankenhaus hat er abgelehnt. Ob in dieser Tablette wirklich das Medikament steckt ist auch fraglich. Also hat der Entzug nichts gebracht. Die Kombi von Xanax und Olanzapin ist sicher nicht günstig sondern gefährlich. Die Notärztin meinte nur wir sollen uns anfangen selbst zu schützen. Ich kann doch meinen Sohn nicht aufgeben. In den Langzeitentzug will er nicht oder noch nicht. In solchen Augenblicken will man einfach nicht mehr. :-( Ich bin kaum noch in der Lage meinen Beruf auszuüben. Er wird so lange machen bis er es geistig nicht mehr hinbekommt und er ein Pflegefall wird.

    Ich appelliere an alle. Bitte last die Finger von jeglichen Drogen. Wir sterben hier alle einen langsamen Tod als Familie.

    Entschuldigt bitte meine Wortwahl. Bin nur noch am Ende.


    Cijay

  • Gesichert ist natürlich nie, was Tabletten aus dubiosen Kanälen so inne haben :(

    Grundsätzlich stimmt es aber, es dürfte sich um Xanax handeln.


    Die Notärztin hat natürlich recht, jetzt kommt der Selbstschutz und der Schutz der restlichen Familie.

    Ansonsten wird das weitere Probleme mit sich bringen, das ist einfach nicht auszuhalten!


    Um ehrlich zu sein, ich sehe hier nun schon einen Grund in einweisen zu lassen ...

    Theoretisch könnte man ihm auch Suizidabsicht unterstellen, die Medikamentenkombi wird im Netz öfter beschrieben(wohlgemerkt, in Hinsicht Einweisung in eine Geschlossene).

    Auch wenn er volljährig ist, wer die Medikamenteneinnahme missbraucht und eben gar keine Kontrolle mehr darüber hat, der muss eben vor sich selbst geschützt werden.

    Leider ist er einfach nicht so weit und was ich schon öfter angedeutet hatte - ein Entzug reicht in der Regel einfach nicht aus.


    Ehrlich, ich weiß wie schwer es ist ein Kind einweisen zu lassen, aber manchmal gibt es keine Alternative.

    So oder so steht noch ein sehr langer Weg vor euch, zwischendurch sollte aber mal wer anders die Verantwortung tragen und die Familie entlasten.

    Genau so würde ich es ihm dann auch erklären, aber erst wenn es soweit ist, sonst brennt er noch durch oder so ...


    Die uralte Regel, Süchtige müssen erstmal richtig auf die Schnauze fallen, bevor man überhaupt was unternehmen kann - ich mag die nicht, nur leider trifft es immer wieder zu.

    Leider geht das aber auch immer mal schief und deswegen halte ich Einweisungen in solch schweren Fällen für gerechtfertigt.

    Letztlich ist es ja auch nicht Entscheidung der Eltern, es muss ja so oder so durch einen Richter bestätigt werden - die richten sich aber in der Regel nach ärztlicher Empfehlung.

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Franz, vielen vielen Dank.


    Du hast vollkommen Recht. Bei der nächsten Entgleisung wird es so geschehen. Ich war vor zwei Monaten schon beim Richter. Er meinte bloss, trifft er einen körperlich halbwegs stabilen Menschen an kann er nicht viel tun, sonst müsste er permanent Menschen von der Strasse einweisen lassen. Er hat neulich in seinem Wahn einen Zettel geschrieben " Ich will sterben". Er hat ein Datum drauf geschrieben und auch noch unterschrieben. Das müsste eigentlich reichen. Er hat jetzt die letzte Chance und wenn der nächste massive Rückfall da ist geht er ab. Er macht das schon nicht mehr mit Absicht sondern weil er krank ist.

    Ich hoffe er übersteht diese schlimme Zeit und wird irgendwann ein halbwegs glückliches Leben führen können.


    LG Cijay und Danke für die Hilfe!

  • Das wünsche ich euch auch, dass es halbwegs gut ausgeht :)

    Aber da muss man wirklich positiv bleiben, wer davon los will, der schafft das auch - der Wille ist ausschlaggebend!

    Natürlich braucht es auch Unterstützung, aber zwingen kann man eben keinen :(

    Und Absicht kann man wirklich keinem Süchtigen unterstellen, es geht um eine schwere sowie lebensbedrohliche Krankheit!


    Zettel jedenfalls aufheben, das sollte wirklich reichen.


    Glaub mir, ich kenne so viele Fälle, manche sind unverändert, andere haben es geschafft.

    Schlimm ist es halt in so jungen Jahren, weil einfach da auch noch eine weitreichende Einsicht fehlt - wobei die natürlich nicht allein altersbedingt fehlt ;)

    Auf der anderen Seite kann man so eine harte Jugend auch später mal gut nutzen, über Sucht erlebt man Sachen die andere im Leben nicht mitmachen müssen.

    Trotzdem, ich denke ohne Langzeitentwöhnung wird es sehr sehr schwer ...

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)