Tramadolentzug

  • Hallo Forum,


    ich bin Anfang 50, männlich und leide seit 2001 an einem atypischen Gesichtsschmerz = Idiopathischer Gesichtsschmerz.

    In 2001 wurde ich in der Schmerzklinik Kiel langsam auf Tramadol Retard Tabletten=TRT und Amitriptylin Retard Tabletten=ART eingestellt.

    Zum Schluss waren es 250 mg TRT am Morgen und 250 mg am Abend. Zusätzlich am Abend 100 mg ART.

    Ich habe dann nach und nach selbst wieder runter eingestellt auf je 50 mg TRT am Morgen und Abend und 25 mg ART am Abend.

    Nun versuche ich schon seit ca. 3 Jahren auf NULL zu kommen.

    Die Tramadol Tabletten weiter zu reduzieren geht leider nicht, 50 mg ist die unterste Stufe, die gehen auch nicht mehr zu teilen.

    Ich habe es mit zwei Kaltentzügen und 2 Entzügen unter ärztlicher Aufsicht per Tropfenform versucht, auch 1x im Krankenhaus, hier auch mit Tropfenersatz.

    Leider sind alle Versuche fehl geschlagen.

    Ich suche nun seit Tagen im WWW nach einer echten Entzugsklinik für Medikamente.

    Die in Betracht kommen sind leider alle "Privat". Ich bin leider nur Kassenpatient (TKK) ohne zusätzliche Zusatzversicherung.

    Vielleicht kann hier einer von Euch mir weiterhelfen, z. Bsp. mit Tipps aufwarten wohin ich mich wenden könnte etc.

    Habts Ihr noch Fragen an mich, fragts, ich beantworte gerne.


    Gruss Stefan

  • Servus Stefan,


    wie muss man sich das Scheitern mit Tropfen vorstellen?


    Von 100 mg Retard mit Tropfen auf Null zu kommen, das dauert, wenn man es ohne Entzugserscheinungen verwirklichen will.

    Daher kann ich mir kaum vorstellen, wie das eine Klinik macht - wenn man von wöchentlich 10% ausgeht - das würde ja zig Wochen dauern.


    Wie schaut es therapeutisch aus, ist da was am laufen?

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hallo Franz,


    Zur Abklärung ob die Schmerzen evtl. eine psychosomatische Ursache haben könnten verweilte ich 9 Wochen in einer psychosomatischen Klinik. Angeschlossen an die Klinik war eine Abteilung "Sucht" und ich hatte mit deren Chefärztin einen Entzug auf Tropfen versucht.

    Die 100 mg Retard wurden umgerechnet auf Tropfen. Jeden Tag wurde nur ein Tropfen reduziert (ich habe das Schema jetzt nicht griffbereit)

    In der Klinik lief das Super, wirklich kaum Nebenerscheinungen. Erreicht wurden 40% weniger. Daheim habe ich, so wie in der Klink, weiter gemacht. Hier lief es zu Anfang auch Klasse bis dann nach ca. 3 Wochen der Hammer kam. Plötzlich wieder auftauchende Gesichtsschmerzen Skala 9-10. Habe dann wieder 50 mg retard morgens und abends eingenommen.


    Bei den Kaltentzügen bzw. unter ärztlicher Aufsicht, traten keine Gesichtsschmerzen auf jedoch die Entzugserscheinungen waren von mir nicht zu kompensieren d.h. ich habe im Hochsommer total gefroren, Ängste- Panikattacken traten auf, ich war so was von müde, da haben wir abgebrochen.

    Ich weis, man kann gg. all diese E-Erscheinungen auch wieder Tabletten einnehmen, jedoch wird man von diesen auch wieder abhängig.

    Die zwei Ärtze rieten davon deshalb ab.


    Therapeutisch wollte ich in die Schmerzklink nach Bad Mergentheim. Die hatten mal eine 2te Klinik nur für Gesichtsschmerzen, haben dies jetzt aber alles in eine Klinik zusammengefasst. Meine KK die TKK verweigerte den Aufenthalt aber dort weil es sich um eine Rehaklinik handelt.

    Eine Einzelfallentscheidung wurde auch abgelehnt, ich habe Widerspruch eingelegt, der wurde auch abgeschmettert. Ich bin jetzt vors Sozialgericht, das wird jedoch dauern, Aussichten auf Erfolg sind nach KK-Fachmann sehr sehr gering.


    Was mir Ärtze immer wieder sagen, bringe ich die besten "Voraussetzungen" für einen Entzug mit d.b. ich will absolut keine Tabletten mehr, ich will selbst unbedingt den Entzug und habe auch keine Angst davor einen einzugehen auch wenn es Monate dauert!


    Ach so, die Schmerzen beruhen nicht auf psychosomatische "Ursachen". Ich muss jedoch zugeben, diese Schmerz-Odyssee hat auch bei mir psychische Spuren hinterlassen!


    Gruss Stefan

  • Servus Stefan,


    das mit dem Abdosieren habe ich mir in etwa so vorgestellt, ich meine, das ging zu schnell!

    Am Anfang ist das meist nicht tragisch, je weiter man aber runter geht, umso schwerer wird es dann :(


    Ausschleichen von Opiaten/Opioide wird oft beschrieben, indem man wöchentlich etwa 10% reduziert, dem Ende zu ist oft eine weitere Reduzierung von 2 Wochen empfohlen.

    Dies gilt, wenn man es weitgehend ohne Entzugserscheinungen ausschleichen will.

    Wenn man bei deinem Beispiel (100 mg) bleibt und jeden Tag 1 Tropfen (was ja 2,5 mg entspricht) abzieht, wäre das wöchentlich 17,5 mg - meiner Meinung zu schnell, zumindest wenn es wie bei dir dann schon bei fast der Hälfte war.

    Zudem hätte ich nicht die 100 mg in Tropfen umgerechnet, sinnvoller wäre es, wenn man weiter 50 mg Retard nimmt und eben die anderen (nicht teilbaren) 50 mg nur in Tropfen ummodelt.

    Klinisch ist das also schwer umsetzbar, weil es einfach zu lange dauert, aber solche Entzüge sollten vielleicht auch erst zum Ende klinisch umgesetzt werden - also wenn man mit den letzten 50 mg beginnt.


    Rechenbeispiel könnte also sein:

    • Woche 1 - 50 mg > 20 Tropfen
    • Woche 2 - 20 Tropfen minus 2 > 18 Tropfen
    • Woche 3 - 18 Tropfen minus 2 > 16 Tropfen
    • Woche 4 - 16 Tropfen minus 2 > 14 Tropfen
    • Woche 5 - 14 Tropfen minus 2 > 12 Tropfen
    • Woche 6 - 12 Tropfen minus 2 > 10 Tropfen
    • Woche 7 - 10 Tropfen minus 1 > 9 Tropfen
    • usw. ... wenn es Probleme gibt, zurück zur letzten Dosis und vlt erst nach 2 Wochen geringer reduzieren - wobei dann nur noch tropfenweise geht ;)

    Wenn man also so weiter rechnet, dann geht das in Richtung 4-6 Monate, aber scheinbar hättest du ja Ärzte die da mitmachen und eben so lange Tropfen aufschreiben.

    Natürlich muss man auch mit Rückschlägen rechnen, deswegen fragte ich nach therapeutischer Begleitung, also Psychotherapie ;)
    Nicht wegen Psychosomatik, vielmehr als therapeutische Unterstützung, weil sicher schwere Tage kommen können/werden.


    Da ich selbst Schmerzpatient bin, weiß ich, wie man oft um seine Rechte kämpfen muss und wie manche Ärzte reagieren, wenn man dauerhaft Opioide einnimmt.

    Es stellt sich die Frage, wie soll es in Zukunft mit deinen Schmerzen ablaufen, meinst du es geht wirklich komplett ohne Schmerzmittel?


    Was passt denen an einer Reha nicht?

    Oder macht die Klinik vorzugsweise Anschlussheilbehandlungen?

    Solche Aktionen kläre ich normal mit dem VDK, kostet zwar Geld in Form von Jahresbeitrag, aber wenn man sein Leben lang mit solchen Dingen zu tun hat, rentiert sich das oft.

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    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hallo Franz,


    erstmal ein Dankeschön deiner ausführlichen...interessanten Antwort!


    Ich werde darauf später ausführlich eingehen, habe diese Woche einen für mich sehr wichtigen Termin.

    Nach diesem werde ich entscheiden was ich letztmalig angehen werde!


    Kurz zur KK. Die haben mit der von mir angesprochenen Klinik kein Abkommen, daher ihre Weigerung!

    Und Psycho habe ich nur angesprochen, da Ärzte ja so gerne alles auf diese Schiene schieben, nun habe ich dies auch ausgereizt und dem ist, wie erwartet, nicht so!


    Gruss Stefan

  • Einmal kann ich Beiträge schreiben bzw. antworten, ein anderes mal steht "deaktiviert" und

    "Dieser Beitrag muss zunächst von einem Moderator geprüft und freigeschaltet werden, damit er für alle Benutzer sichtbar wird."


    Was mache ich nicht richtig?

  • Dein letzter Beitrag wurde automatisch deaktiviert, weil du einen externen Link darin gepostet hast.

    Mehr in den dir zugesandten Konversationen ...


    Ob da nun über das Sozialgericht noch viel passiert, dürfte fraglich sein, oder?

    Ich meine, die sollten dir zumindest eine gleichwertige Klinik anbieten, wenn sie die andere ablehnen.

    Natürlich kenne ich das, die versuchen immer die "eigenen" Kliniken einzusetzen - bei meinem Rententräger ist das auch so.


    Nach meiner Erfahrung ist es aber nicht immer wichtig was im Vorfeld da abgeht, eine gute Klinik stellt sich eh auf den Patienten ein und handelt nicht einfach nach Vordiagnosen.

    Nur weiß man leider ja oft nicht was auf einen zukommt ...

    Habe die letzten 13 Jahren zig Rehas gemacht, mal war es gut, mal ok und die letzte war voll daneben ... :kotz:

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Nach meiner Erfahrung ist es aber nicht immer wichtig was im Vorfeld da abgeht, eine gute Klinik stellt sich eh auf den Patienten ein und handelt nicht einfach nach Vordiagnosen.

    Nur weiß man leider ja oft nicht was auf einen zukommt ...

    Einen guten Arzt oder Klinik zu finden ist wie ein Sechser...mit Zusatzzahl

    Bei den Privaten noch zu finden als zweitklassiger Kassenpatient umso schwieriger...

  • Wem sagst du das, dieses Unterfangen hab ich jedes Jahr paar mal :kotz:


    Zudem war ich viele Jahre privat versichert und kenn natürlich den Unterschied genau.

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    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • War heut früh letztmalig bei neuem Schmerzdoc. Bekam dort etwas ganz neues zu hören!

    Laut ihm, hätte sein Kollege "Migräne-Papst" Herr Göbel aus der Schmerzklinik Kiel, NIEMALS mir die Kombi Tramdol/Amitiriptiylin verabreichen dürfen. Auch die Kollegen aus diversen Schmerzkliniken hätten, laut ihm, wissen müssen, dass man bei atypischen/idiopathischen Gesichtsschmerz dies nicht so verabreicht!


    Ganz klar, es besteht mittlerweile eine unfreiwillige Abhängigkeit, dies muss man dringend ändern.

    Er hat anschließend mit einem Kollegen von einer Uni gesprochen, sie suchen jetzt eine für mich geeignete Entzugsklinik.

    Bis dahin gibt es Gesichts-Akupunktur nach Yamamoto, ist keine Kassenleistung, kostet bis zu 35 €/Sitzung, er wird es hinbekommen, dass ich nichts zahlen muss!


    Gibt noch weiteres, da jedoch noch nicht in trockenen Tüchern, späterer Bericht davon. jetzt lass ich mich erstmal "überraschen".

  • Das ist natürlich genau das was man in deiner Situation gar nicht braucht - dass man auch noch falsch behandelt wird :kotz:


    Aber hier werden auch einige unerwünschte Nebenwirkungen bei der Kombi angegeben ==> Wechselwirkungen von Amitriptylin • PSYLEX.de

    Grade das Serotonin-Syndrom wird immer wieder auffällig ...


    Warum sollte es gerade bei atypischen/idiopathischen Gesichtsschmerz verschrieben werden?

    Gibt es da genauere Aussagen (vlt für andere Betroffene ja nicht unwichtig)?


    Akupunktur hat mich bei meinen Schmerzen auch unterstützt, wohlgemerkt unterstützt, aber auf Dauer eben für mich nicht bezahlbar.

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  • Zitat

    Warum sollte es gerade bei atypischen/idiopathischen Gesichtsschmerz verschrieben werden?

    Sollte es nicht so lauten: "Warum sollte es gerade bei atypischen/idiopathischen Gesichtsschmerz nicht verschrieben werden?


    Er hat es erklärt, ich kann es jedoch nicht widergeben, es war einfach zu viel was er gebabbelt hat :3:


    Tja, das liebe Geld, es ist mehr als traurig, dass sich sehr viele das nicht leisten können. Unverschämt, dass die Kassen nicht übernehmen, Hauptsache die Verwaltungsdirektoren nehmen jeden Tag zu :cursing:

  • Richtig, das nicht würde vergessen ...


    Schade, hätte mich interessiert, wie das genau begründet wurde :(

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    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Ich werde beim nächsten Besuch noch einmal nachfragen!


    Das mit der Klinik wird wohl mehr als schwer werden. Habe die erste Angebotene abgelehnt. Die Kritiken zu dieser waren verehrend :cursing:

  • Beitrag von Torschuetze ()

    Dieser Beitrag wurde von Franz aus folgendem Grund gelöscht: Doppelt vorhanden ... ().
  • Aus einem anderen Tread von Franz:

    Zitat

    Poste halt die entsprechenden Links, dann kann sich jeder Interessierte einlesen :top:

    DANKE :thumbsup: Gut, dann möchte ich euch dies nicht vorenthalten:


    Da ich Euer Forum erst spät gefunden hatte, war ich zuvor auf einem anderem Forum zu Gange. Dort war ich jedoch nicht ganz richtig da: "Unabhängige Information und Austausch über Nebenwirkungen und Absetzsymptome von Psychopharmaka" jedoch man beantworte meine Fragen.


    Auszug aus meinem Tread:

    Zentral aktive Medikamente wie Opiate, Antidepressiva (AD) oder auch Substanzen wie Antiepileptika und andere führen zu einem Umbau der Rezeptorenlandschaft und zu einer langfristigen Modifikation der Neurotransmitter (u.v.m.) in deinem Gehirn.
    Dies über viele Jahre, wenn man Medikamente lange einnimmt.
    Entzugskliniken versuchen, in ein paar Wochen zu entziehen, geben damit dem Gehirn aber nicht die Chance, sich langsam und schonend umzubauen / rück-umzubauen (das Gehirn kann das, aber es braucht Zeit dazu - das ist der kritische Faktor).
    Das gilt für Opiate genau so wie für AD und Co.


    Nachfolgend mein Tread. Gleich in erster Antwort wird auf zwei Links hingewiesen, wenn ihr darauf klickt gibt es weitere sehr interessante Links zu der Thematik!


    Torschuetze: Absetzung von Tramadol mit Hilfe von Tavor (Lorazepam)? - ADFD


    Ich hoffe Franz, es ist so genehm, ich habe extra nur ein Link eingestellt!

    Und es ist auch keine Werbung für das Forum, man schaue sich nur mal die Intensivität dort an d.h. die Fülle an Beiträgen.

  • Ich hab mir bei dem Forensystem schwer getan, kein Ahnung warum, aber ich kenne das besagte Forum sehr gut.

    Ich poste die besagten Links direkt nochmal - da sicher interessant für viele :)


    Ich hoffe Franz, es ist so genehm, ich habe extra nur ein Link eingestellt!

    Und es ist auch keine Werbung für das Forum, man schaue sich nur mal die Intensivität dort an d.h. die Fülle an Beiträgen.

    Passt, wobei ich das mit der Intensität nicht ganz kapiert hab ... :18:

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    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hi,

    die Auflistung zur Abdosierung mit den Tropfen habe ich mir hier mal raus kopiert. Mein Gedanke während der 3wöchigen Reha das Tramal absetzen zu können, hat die Auflistung zwar zu nichte gemacht, aber die Info war sehr hilfreich für mich.


    Stefan, ich drücke Dir die Daumen. Du schreibst hier sehr motiviert. Ich denke Du wirst es schaffen. 👍


    Gruß

    Anke

  • Danke Dir Anke :)


    Ob ich es letztendlich schaffen werde bezweifle ich langsam, die andere Seite macht es einem nicht sehr leicht.

    Nun warte ich auch wieder zwei Tage auf Rückruf, dabei hätte ich es eigentlich wissen müssen :wall:


    @ Franz vergesse es...hast ja schon die Räschdrschraibunk richtig gestellt :2:

  • Nun warte ich auch wieder zwei Tage auf Rückruf, dabei hätte ich es eigentlich wissen müssen :wall:

    Da war ich zu voreilig, eben Anruf von Doc erhalten. Ich könnte in Klinik nach:


    Schmerzklinik


    Hier läuft der Entzug jedoch auch ziemlich rasch 10-14 Tage ?(


    Grübel...Grübell


    Ich wünsche Euch Allen ein schönes Wochenende =)