Gelegentliche Aggressionen (verbaler Art) verhindern

  • Hallo,


    ich entdecke an mir nach einer nun fast 2 Jahre alten Beziehung einige Charakterzüge bzw. ein gewisses Verhalten in nervigen/stressigen Situationen die ich auch bei meinem Vater mein Leben lang festgestellt habe. Auch wenn mein Vater ansonsten wirklich super ist wollte ich nie so werden wie er in diesem Zusammenhang, leider kann man sich das wohl nicht aussuchen. Aber daran arbeiten!

    Folgendes Problem, in sehr stressigen Situationen oder wenn ich z.B. schlecht geschlafen habe bin ich sehr leicht reizbar bzw. schnell genervt. In gewissen "Extremsituationen" lebt sich das leider so aus, dass ich die Geduld völlig verliere, lauter werde, motze und Vorwürfe mache und oft streit provoziere. Ich komme mir danach, wenn ich "runtergekocht" bin immer sehr blöd vor. Ich hasse mich danach selbst dafür.


    ein Beispiel aus letzter Woche; Ich war mit meiner Freundin im Ausland unterwegs im Mietwagen. Sie ist nicht die beste im Umgang mit Karten und auch mit GoogleMaps verläuft sie sich ständig. Sie musste aber den Weg vorsagen und war vollkommen überfordert. Sie wusste schlicht nicht was sie mir sagen sollte bzw. wo wir lang mussten (sie hatte das Navi im Handy). Es war in einer Stadt mit sehr viel Verkehr, komischen Verkehrsregeln und sehr engen Straßen. Nach dem 2. oder 3. mal verfahren war ich so entnervt, weil ich sie ständig 2 oder 3x nach dem richtigen Weg fragen musste und dann doch wieder nur kam "vielleicht links", wenn ich dann vorbei fahre "ah ne hätten doch gerade aus gemusst".


    Ich habe dann irgendwann komplett die Geduld verloren und angefangen sehr laut rumzumotzen und sogar leicht rumzuschreien. Ich habe sie dabei nicht beleidigt und Gott bewahre auch nicht angefasst/psychisch belangt aber danach war die Stimmung für den halben restlichen Tag sehr angespannt und ich kam mir wirklich ganz blöd vor.


    Heute ist es leider wieder passiert. Ich habe sie zum Flughafen gebracht und wie immer hatten wir sehr wenig Zeit (sie macht es immer auf den letzten Drücker). Sie musste ein großes Plakat mitnehmen, welches in einem Plastikrohr verstaut war. Warum auch immer hatte der nette Herr von der Fluggesellschaft was dagegen und meinte die ist zu groß (es ist so eine erweiterbare Plastikrolle und wir mussten sie ganz einfahren). Ich war gerade Brätchen für meine Freundin holen weil wir keine Zeit zum Mittagessen hatten und dann bekam ich den Anruf "komm schnell zurück". Ich dahin und da stand sie schon da total nervös und Angst den Flieger zu verpassen und hat das Plakat in der Mitte geknickt in der Hoffnung es erneut einzurollen und so kleiner zu bekommen, damit das Plastikrohr kleiner war. Dadurch wurde es aber total zerknickt und schlussendlich unbrauchbar. Total unansehnlich und nun lieblos in dieses Rohr gestopft. Sie war total fertig, hat fast geweint und ich bin sehr genervt bzw. sogar wütend geworden weil wir so wenig Zeit hatten, es so stressig war und sie da anfängt dieses Plakat rumzuknicken. Letzendlich hätte sie es auch so mitnehmen können, im Flieger war genug Platz! Es geht hier um ca. 10cm zu lang...


    Naja sie musste dann in den Sicherheitsbereich und ich stand da, halb wütend, sehr kühle Stimmung zwischen uns. Ich hab sie angerufen sie hat nicht abgenommen, schrieb dann sie ist total gestresst und kurz vor dem weinen und möchte daher jetzt nicht telefonieren (mit mir vermutlich).


    Naja ich fühle mich jetzt wieder total schlecht und habe gerade ihr Hotel in China angeschrieben, ob die ihr helfen können bis zur Präsentation ein neues Poster zu drucken. Sie selbst hat total Angst, dass sie das wegen der Sprachbarrieren nicht hinkriegt.


    Langer Text kurzer Sinn: Dieses Übermannen von den stressigen oder genervten Gedanken und damit einhergehendes unnötig aggressives und schädliche Verhalten möchte ich unbedingt in den Griff kriegen und diesbezüglich an mir arbeiten.

    Wie kann man sowas "abtrainieren"? Geht das überhaupt? Oder ist es vllt. durch das Vorleben dieses Verhaltens durch meinen Vater fest verankert?


    Ich finde dieses Verhalten wirklich schäbig, verliere in solchen Situationen aber die Kontrolle. Es ist bisher wirklich selten passiert, nur in letzter Zeit gleich 2x in 2 Wochen. Ich schäme mich dafür.

    Kann man sowas mit Meditation in den Griff kriegen?
    Was für Tipps gibt es um in solchen Situationen die Ruhe zu bewahren und sich nicht ganz der Aggression auszusetzen?


    Danke!

  • Hey XTZ...


    ich kann leider gerade nicht so ausführlich schreiben, aber mir ist eine Sache aufgefallen die ich gern schreiben würde.


    Sprecht ihr nach so einem "Ausflipper" darüber? Bzw. sprichst du es an und entschuldigst dich z.B. bei Ihr? Wenn ja, wie reagiert sie darauf und wie gehts dir damit?

    Ich finde, das könnte ein erster wichtiger Schritt sein.

    1. Einsicht (die hast du hier schon sehr deutlich gezeigt, aber im Alltag ist es natürlich wichtiger, gegenüber den Menschen Einsicht zu zeigen, die es direkt betrifft, sprich, deine Freundin.)

    Falls noch nicht geschehen könntet ihr euch an einen Neutralen Ort setzen, Tasse Kaffee dazu und du erklärst ihr das du bemerkst dass das so nicht Ok ist, das du auch darunter leidest und es gerne ändern möchtest etc. pp. Wenn du dann, wenn so eine Situation aufgetreten ist, noch von dir aus auf sie zugehen kannst und dich ehrlich entschuldigen, (natürlich erst wenn etwas Ruhe eingekehrt ist) dann fände ich das als dein Gegenüber schon einen guten Anfang.


    Natürlich hilft das nicht über Jahre immer "nur" entschuldigung zu sagen und weiter... aber das ist ja auch nicht dein Plan :-)

    Vielleicht ist all das aber ja auch schon passiert und du suchst eher nach weitergehenden Ansätzen.


    Ich bin davon überzeugt das man an solchen Verhaltensweisen an sich selbst, auf jedenfalls arbeiten kann wenn der Wille da ist. Ich glaube nicht dass sowas 100% in Stein gemeisselt ist.

    Vielleicht hilft dir Meditation o.ä. das ist sicher probier-Sache, aber u verlieren hast du da nix.

    Vielleicht hilft dir ehr 1...2...3 Gespräche bei einer Beratungsstelle ... alleine für dich, oder auch zu zweit.

    Vielleicht hilft auch schon der ganz offene Kontakt mit deiner Partnerin über das Thema, je nachdem wie weit sie da bescheid weiss über deine Gedankenwelt, kann sie vielleicht auch ein zwei drei gute Ideen beisteuern.


    Ich denke da gibt es viele Ansätze die individuell mal mehr mal weniger gut klappen. Aber du siehst, Einsicht ist der erste Schritt und die hast du ja auf jedenfall scheinbar :-)


    Liebe Grüße

    Diebin

  • Vielen Dank für die Rückmeldung. Na klar, es ist mir sehr wichtig immer "im Reinen" ausseinander zugehen. Wir reden also darüber, ich entshculdige mich auch, lege ihr aber auch die Gründe dar, warum es passiert ist. Nicht direkt in der Erwartung, dass Sie in Zukunft kein Verhalten mehr zeigt, welches mich zur Weißglut treibt sondern eher damit Sie versteht warum ich so reagiert habe.


    Mir geht es darum sowas in Zukunft einzustellen. Natürlich will ich meine Freundin nicht so behandeln, ich schäme mich aber auch wirklich weil sowas ja auch andere Menschen mitbekommen (gestern am Flughafen z.B.).


    Ich hab mich dort mal eingelesen, Wut entsteht scheinbar wenn persönliche Erwartungen nicht erfüllt werden bzw. man sich in die für sich wichtigen Werten verletzt sieht. Respektloses Verhalten o.ä.

    Ich kann leider an den beiden Vorfällen keine solchen Umstände feststellen, es war eher einfach nur NERVIG, das gepaart mit Stress bringt mich zum Ausflippen. Nicht laut rumschreien oder so aber schon nicht schön.


    Ich werde mir mal weitere Ansätze anschauen. Dieses Verhalten geschah in der letzten Zeit gehäuft (2x in den letzten 2 Wochen, davor vllt. vor 2-3 Monaten mal), auffällig momentan, dass ich seit ca. 2-3 Wochen insgesamt mit meiner Lebenssituation sehr unzufrieden bin (nach anstrengendem Abnehmen wieder zugenommen, gefühlt fehlende Anerkennung im Job etc.). Sowas sind Phasen, die sich auch wieder ändern, wenn z.B. das sehr frustrierte Projekt an der Arbeit überstanden ist und ich wieder etwas öfter ins Fitness Studio gehe und wieder etwas abnehme. Vielleicht ist das ein Auslöser?

  • Nicht direkt in der Erwartung, dass Sie in Zukunft kein Verhalten mehr zeigt, welches mich zur Weißglut treibt sondern eher damit Sie versteht warum ich so reagiert habe.

    Ganz ehrlich, das kann vlt mal klappen wenn das irgendwann mal vorgefallen ist, aber wenn das immer mal passiert, dann wird das Gespräch nicht mehr den gewünschten Erfolg mit sich bringen.

    Genauso dürfte es mit Entschuldigungen sein, wenn die zu häufig kommen, wird man das irgendwann nicht mehr ernst nehmen.


    Ob du das mit Meditation in Griff bekommst, kannst nur du beurteilen, aber ich denke wenn du das aus früher Kindheit ja auch kennst, wäre eine therapeutische Unterstützung vlt für dem Moment das Bessere.

    Dabei kann es ja letztlich dann auch auf Entspannungstechniken hinauslaufen, aber meiner Meinung sollte einfach mal das Gespräch mit einem Profi gesucht werden :)

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hallo,


    naja, wenn du googeln willst.. nehme ich mal an, dass du einerseits in Stresssituationen einschätzen lernen könntest, wie hoch dein Anspannungsniveau ist und wie hektisch du wirst - scheint ja ein Faktor zu sein. Und dann eben bewusst Skills anzuwenden, um achtsamer zu sein. Wie etwa Bauchatmung, kognitives Umdeuten des Zeitdrucks o.ä.

    Zudem könntest du allgemein an deiner Frustrationstoleranz und Impulskontrolle arbeiten. Sowas ist natürlich deutlich einfacher, mit professioneller Begeleitung. Muss ja auch nicht gleich eine Therapie sein, kann ja auch ein Kurzzeitcoaching werden oder sowas. Oder du arbeitest an deiner sozialen Kompetenz, belegst Kurse in Gewaltfreier Kommunikation o.ä. - da führen viele mögliche Wege nach Rom, denke ich.

  • Hi,


    ich kann da total mitfühlen. Die Beispiele haben mich bereits beim Lesen getriggert:3::mad:. Mir geht es gelegentlich auch. Gleichwohl meine Eltern - soweit ich erinnere - nicht gezeigt haben; zumindest kann ich das dort kopiert haben. Also, so etwas kann offenbar unabhängig vom Elternhaus hervortreten.


    Selber habe ich für mich das Ur-Triggern/den Auslöser noch nicht ausfindig machen können. Dein Beispiel könnte aber genauso 1:1 auch bei mir stattgefunden haben...


    Mit selber fällt - und auch bei deiner Schilderung auf - dass es zumindest bei mir überwiegend dann so hochfahren kann, wenn sich jemand anderes/die/der Partner etwas "dummerhaft" anstellt (um es mal nett zu sagen). Ich selber bin ein ungeduldiger Typ und erledige lieber viele Dinge alleine (ggf. auch genau aus den Gründen). Experten werden nach einem Kindheitstrauma suchen:7:. Wenn ich merke, es geht los, dann habe ich mir angewöhnt, mir vorzustellen, wie es dem "anderen" gerade geht und warum es dort hapert. Das bremst zumindest eine Impulsreaktion aus.


    Ich bin mal gespannt, was hier ggf. noch für Tipps auftauchen. Denn ob deswegen bereits eine professionelle Hilfe angezeigt ist oder man das auch selber mit einem "Bewusstmachen" einfangen kann?

    • Gäste Informationen
    Hallo Mitleser, du interessierst dich für unsere Themen und willst auch selbst schreiben, dann melde dich bitte an.
    Solltest du noch kein Forenmitglied sein, dann registriere dich bitte und du kannst das SuS-Forum uneingeschränkt sowie kostenfrei nutzen.

    Dieses Thema enthält 0 weitere Beiträge, die nur für registrierte Benutzer sichtbar sind, bitte registriere dich oder melde dich an um diese lesen zu können.