Freund abhängig von Cannabis

  • Hallo zusammen,



    Ich möchte gerne mein Herz ausschütten.


    Wie der Titel ja schon sagt, habe ich Bedenken das mein Partner abhängig ist von Cannabis. Wir sind seit fast 11 Jahren ein Paar. Vor meiner Zeit hat er bereits sehr früh angefangen zu kiffen. Dann kam eine Phase, in der er gemerkt hat es ist nicht gut für ihn und die Sucht, so meine Vermutung, nur auf eine andere (Nikotin) projeziert hat. Seitdem ich ihn kenne, hat er wenn nur auf Parties gekifft.


    Nunja, 2018 fing es dann plötzlich an. Irgendwie hat er von Vaporizer erfahren und sich einen besorgt, und dann anfänglich nur am Wochenende gekifft. Was für mich persönlich legitim ist und, aus meiner Sicht, keine Probleme macht. Dann kam das Jahr 2020. Naja, wen hat es nicht mitgenommen, dieses absolut besch.. Jahr. Da hat es angefangen, dass er fast täglich konsumiert. Ständig versuche ich ihm zu sagen, dass er doch bitte mal eins zwei Tage Pause machen soll. Aber ich stoße da nur auf taube Ohren. Und natürlich kommt es immer wieder zu Streitereien deswegen. In meinen Augen versucht er, seine eigentlichen Probleme damit wegzudrücken. Was ich ja auch irgendwo nachvollziehen kann, denn hin und wieder verleitet es mich auch... Aber die Intensität bei ihm ist schon in meinen Augen enorm.



    Was mich jedoch in die Zwickmühle bringt, das ich merke das ihm das Zeug gut tut. Er wird offener, redet mehr, ist freudiger, ich komme auf eine andere Ebene mit ihm in Unterhaltungen. Er strahlt mehr Lebensfreude aus und macht nicht das typische Bild eines Kiffer her. Meines Erachtens ist es aber gefährlich, so etwas anhand einer Substanz fest zu machen... Auf der anderen Seite denke ich mir, besser als Psychopharmaka, denn von diesen Tabletten stand er richtig neben der Spur und ihm ging es gar nicht gut.


    Versteht ihr meinen Zwist den ich habe? Außerdem wird er immer so schnell wütend wenn ich mit ihm ganz normal darüber reden möchte. Er argumentiert jedes Mal damit, dass es seine Entscheidung sei und sein Leben (wo er auch recht hat, da gehen mir immer die Argumente aus) und wenn ich ihm meine Sorgen vermitteln möchte, versteht er es einfach nicht. Dass andere Drogen doch viel gefährlicher wären. Er raucht nicht mehr und trinkt auch keinen Alkohol übrigens.


    Mittlerweile sind wir beim streiten an so einem Punkt angekommen, dass er sagt, wenn ich es nicht akzeptieren kann, müssen wir uns trennen. Wo ich mich dann wiederum frage, reagiere ich über, wenn er nur einmal täglich konsumiert und es ihm dann damit wirklich besser geht? Diese latente Aggression macht mir Sorgen, wenn ich mit ihm über den Konsum reden möchte. Er habe schließlich alles im Griff... Wovon ich aber nicht immer überzeugt bin. Ich fühl mich wie in einer Zwickmühle. Könnt ihr mich nachvollziehen?


    Danke schonmal vorab. :5:


    Und sorry für mein durcheinander beim schreiben...

  • Servus MaryJAne420

    mich würde interessieren, warum dein Freund Psychopharmaka nehmen musste?
    Solche Medikamente werden ja nicht ohne Grund verordnet …

    Süchtige finden immer Gründe, warum sie ihren Suchtstoff unbedingt brauchen.
    Bei Cannabiskonsum spielt natürlich auch Nikotin eine Rolle, aber hier kann man klar sagen, beides ist gesundheitsschädlich.
    Nur weil man Cannabis auf eine Art ohne Nikotin konsumiert, wird es nicht besser ;)

    Wenn dein Freund nun mit Trennung droht und seine Sucht eurer Partnerschaft vorzieht, wirst du für dich eine Entscheidung treffen müssen!
    Scheinbar ist er nicht bereit ohne Cannabis leben zu wollen, typisch für einen Süchtigen ist, dem Umfeld solche Drohungen an den Kopf zu werfen.
    Wie gesagt, wirst du für dich also entscheiden müssen, ob du seinen Konsum weiter akzeptieren kannst oder willst.

    Dass es Cannabiskonsumenten in ihrem Rausch in gewisser Weise „besser“ geht, ist nichts anderes als ein Rauschzustand.
    Genau was du beschreibst, er wäre offener, redet mehr usw., sind doch typische Nebenwirkungen von Cannabis.
    Was ist eigentlich für dich ein typischer Kiefer?
    Cannabiskonsumenten liegen doch nicht andauernd nur in der Ecke und bekommen gar nichts mehr auf die Reihe!
    Natürlich gibt es auch solche Konsumenten, die wirklich schwerst abhängig sind und nichts anderes mehr tun als kiffen.
    Die meisten Konsumenten kommen mit ihrem Leben und Job weitgehend klar, es besteht aber immer noch ein Unterschied zwischen Gelegenheitskonsumenten oder Süchtigen.

    Ein relativ einfacher Test wäre, wenn er einfach mal zwei oder drei Wochen nichts konsumiert …
    Nach deiner Beschreibung aber, glaube ich kaum dass er zum einen darauf eingeht und zum anderen, dass er es überhaupt schaffen würde.

    Ein weiterer Schritt wäre, dass er freiwillig zu einer Suchtberatung geht und sich mit denen mal über seinen Konsum austauscht.
    Aber auch das bezweifle ich, dass er dies tun würde!

    Letzten Endes stellt sich also nur die Frage („nur“ ist natürlich nach elf Jahren Beziehung einfach gesagt), wie lange und wie weit du seine Sucht noch mittragen kannst oder willst!

  • Hallo,


    ich möchte dir nur kurz Mut zusprechen bei dir zu bleiben. Das ist etwas das ich durch das Zusammenleben mit einem Cannabiskonsumenten gelernt habe. Er lebt in seiner eigenen Welt, und ich werde ihm dahin nie folgen können und ihn auch nicht verstehen lernen. Und wie Franz richtig schreibt, das hat mit der Sucht zu tun. Er wird alles tun um seinen Konsum zu rechtfertigen, es ist eigentlich egal was du sagst und wie logisch und vorsichtig du es erklärst. Mir wurde immer nur Wut entgegengebracht, auch wenn ich nur ganz ruhig über das Thema sprechen wollte. In deinem verunsicherten Text finde ich mich vor 2 Jahren komplett wieder. Ich bin nie davon ausgegangen dass Cannabis so eine Suchtwirkung hat. Aber ich habe es doch täglich direkt vor mir gesehen. Aber dann erklärt der Partner einem voller Überzeugung wie unproblematisch es ist und hat dann auch noch Studien über die positiven Effekte von dem Zeug auf irgendwelche medizinischen Leiden hinter sich. Sprüche wie probier es doch einfach selber mal dann bist du auch ein bißchen entspannter muss man sich anhören. Mein Partner hat früher sehr viel konsumiert, die letzten Jahre aber auch nur noch abends relativ wenig. Das ändert aber an meinem Gefühl dazu dass die Sucht problematisch ist nichts.


    Was ich in Beratungen und durch die vielen Geschichten hier gelernt habe ist, dass ich mir klar werden muss was ich will, und womit ich nicht leben möchte. Er kann ja seinen Konsum unproblematisch finden, das ist sein gutes Recht. Aber ich darf entscheiden, dass mir das zu viel ist und ich keine Beziehung mehr mit ihm führen möchte so lange das so läuft. Ich bin mittlerweile (endlich) getrennt. Mir hat es sehr geholfen die vielen Geschichten hier im Forum, aber auch im Internet von anderen betroffenen Partnerinnen zu lesen. Es gibt auch sehr viele englische Texte dazu. Alle beschreiben genau die gleichen Probleme, die gleichen Stimmungsschwankungen, die Aggressivität wenn man das Thema anspricht, die manipulative Argumentation dass mit einem selber etwas nicht stimmt. Was ich mir alles anhören musste die letzten Jahre ist unfassbar - ich habe selber Depressionen, ich bin unfähig glücklich zu sein und versuche immer den Fehler zu finden, ich habe eine Angststörung (weil ich mir Sorgen gemacht habe dass er bekifft unser Neugeborenes im Bett erstickt). Und außerdem habe ich ja selber eine lange Reihe von Macken die er alle ertragen muss, in seiner Wut hat er mir sogar entgegen geschleudert dass ich ja gar nicht zu ertragen sei unbekifft, kein Wunder dass er weiter konsumieren muss.

    Das hat sich über die Jahre gesteigert, anfangs war er noch relativ entgegenkommend und hat versucht es zu reduzieren. das hat nicht geklappt. Und weil ich weiter darauf beharrt habe, dass sich etwas ändern muss für die Familie wurde es von seiner Seite aus immer aggressiver. Es muss natürlich nicht so laufen, ich will dir keine Angst machen, aber nach allem was ich gelesen habe ist das wirklich keine Ausnahme.


    Es gibt vielleicht Frauen die stört dieser Konsum nicht, und die sind froh wenn der Mann einmal am Tag etwas ruhiger und entspannter ist und machen eventuell auch hin und wieder mal mit. Aber zu denen gehöre ich nicht, auch wenn ich es mir oft gewünscht habe um die Beziehung aufrecht zu halten. Und wenn ich deinen Text so lese gehörst du da wahrscheinlich auch nicht dazu. Ich musste mir irgendwann eingestehen, dass ich damit ein so großes Problem habe dass es mich kaputt macht. Von ihm ist nach wie vor kein Einlenken zu erwarten. Aufhören ist viel schwieriger als man es bei einer "harmlosen" Droge wie Cannabis als naiver Normalmensch erwartet. Und ich habe keine andere Lösung gesehen als so viel emotionale Distanz zwischen uns zu bringen wie möglich. Auch um eine Co-Abhängigkeit die ich mir ungern eingestanden habe zu beenden.


    Am schwierigsten fand ich es immer mit dieser zweifelnde Stimme die du auch hast umzugehen, reagiere ich über? Bin ich vielleicht wirklich die Frau die immer den Fehler sucht, und nun ist es eben das Kiffen. Diese Stimme ist immer noch in mir drin und fragt sich mehrfach täglich ob ich das richtige tue. Aber jetzt mal ehrlich, ganz objektiv von außen betrachtet. Man spricht als Partnerin ein Thema an, vielleicht sogar freundlich und besorgt, nämlich dass der Drogenkonsum zu hoch ist und einen das belastet. Wir sprechen hier nicht über das Herunterbringen des Mülls oder die Klamotten die auf dem Boden liegen, sondern über bewusstseinsverändernde Drogen die täglich! konsumiert werden. Und muss sich dann beschimpfen lassen? Wer belastet denn hier jetzt die Beziehung?


    Ich wünsche dir dass du eine gute gesunde Lösung für dich findest. Vielleicht kannst du ja auch zu ihm durchdringen wenn du ihm erklärst wie es dir dabei geht. Aber wie gesagt, du darfst und solltest dir selber vertrauen wenn deine innere Stimme dir sagt dass das nicht in Ordnung ist und du damit nicht gut umgehen kannst. Du bist sicher nicht die erste Frau die zu diesem Schluss kommt. Und man darf das unerträglich finden, das ist dein gutes Recht.


    Alles Liebe!

    Loulou

  • Nachtrag, noch zwei kurze Gedanken..


    Er hat ja schon mal viele Jahre ohne Dauerkiffen gelebt, das heißt du weißt wie er ohne ist und er schafft es ja offensichtlich auch ohne. Das klingt für mich vielversprechender als die Ausgangsbedingungen die wir hatten.


    Und zu dem Gedanken kiffen hat eine positive Wirkung. Das Argument wurde mir auch so oft entgegengebracht. Er wird ein besserer Mensch durchs Kiffen. Auf einigen Ebenen stimmt das sogar. Mein Partner war ein deutlich netterer Mensch so lange er regelmäßig konsumiert hat, aber irgendwann nach Jahren erst kommt dann doch die Frage wer ist dieser Mensch eigentlich. Klar er ist entspannt und nett, aber für mich war das auch nicht mehr er. Ich bin auch sehr witzig und extrovertiert wenn ich Alkohol trinke. Das heißt aber doch nicht dass ich ein witziger extrovertierter Mensch bin, sondern das macht die Droge. Genauso sah ich irgendwann nur noch die Droge vor mir wenn er mich bekifft freundlich angelächelt hat. Wie eine leere Hülle, und man fragt sich wo er eigentlich ist und vor allem wer er ist.

  • Hallo,


    erstmal vielen Dank für eure Antworten. Da ich noch recht neu hier bin, versuche ich mich mal durchzuwuseln.

    mich würde interessieren, warum dein Freund Psychopharmaka nehmen musste?
    Solche Medikamente werden ja nicht ohne Grund verordnet …

    Er litt unter Depression, war(ist) relativ lustlos, hat kein Spaß mehr am Leben gehabt... Zumindest dachte ich diese Phase sei vorbei. Er wurde als Scheidungskind von seinem Vater geschlagen (in welcher Intensität weiß ich nicht) und generell ist das Verhältnis zu seinem Vater eher schwierig (seitens des Vaters aus). Seine Mutti macht sich glaube ich immernoch Vorwürfe, ist in meinen Augen eine Person die sehr unsicher ist. Ich denke, es spielt viel mit hinein das er eine depressive Persönlichkeit ist. Damals hatte er allerdings keine Therapie mit in Begleitung, sondern nur die Medikamente vom Psychater bekommen. Eine Therapie hatte er in 2020 versucht, aber da hat die Chemie nicht gestimmt. Und einen Platz zu bekommen ist ja relativ schwer. Also hat er nicht weiter gesucht.


    Dass es Cannabiskonsumenten in ihrem Rausch in gewisser Weise „besser“ geht, ist nichts anderes als ein Rauschzustand.
    Genau was du beschreibst, er wäre offener, redet mehr usw., sind doch typische Nebenwirkungen von Cannabis.
    Was ist eigentlich für dich ein typischer Kiefer?
    Cannabiskonsumenten liegen doch nicht andauernd nur in der Ecke und bekommen gar nichts mehr auf die Reihe!

    Hat nicht jeder Mensch durch seine sozialen Prägungen ein anderes Bild von Abhängigkeit? ;) Ich hatte vorher nie etwas mit Drogen am Hut, außer Alkohol oder Zigaretten habe ich nichts im entferntesten gekannt. Und ja, so hatte ich ein Bild vom typischen "Kiffer", dass diese Leute breit grinsend in der Ecke sitzen und nix mehr tun können.


    Mein Gedankengang ist halt der, dass ich mich frag wieso Cannabis in manchen Ländern legalisiert worden ist. Kann es denn nicht sein, dass das Zeug wirklich hilft? Wieso gibt es denn auch Cannabis auf Rezept? Hat doch auch seine Gründe. Ich versuche nicht seine Abhängigkeit schön zu reden. Ich versuche nur zu verstehen, wieso man bspw. eher mit Psychopharmaka vollgepumpt wird, und dann total neben der Spur ist, und Cannabis so verpönt ist. Und ist ein Leben mit Tabletten nicht im weitesten Sinne auch eine Abhängigkeit? Person xy kommt nur klar, wenn Tabletten verabreicht werden.In meinen Augen schon irgendwo...


    Und auf der anderen Seite kann ich ihn auch verstehen wenn er sagt, er will sich nichts vorschreiben lassen. Letztlich ist es sein Körper und seine Entscheidung. Das ist ja das Grundprinzip des "freien Willens". Was mich allerdings abgeschreckt hat, ist diese subtile Wut, wenn ich ihn darauf anspreche. Und da ich nun mal wie eine Frau reagiere, kann ichs mit dem "bohren" während des Streites nicht sein lassen, obwohl ich merke das der Bogen längst überspannt ist. Weil ich mir eben ein bisschen mehr Einsicht wünsche. Ich will ihm das Zeug auch gar nicht komplett madig reden und an und für sich habe ich kein Problem damit. Hin und wieder abschalten damit ist auch ganz nett. Aber es löst die eigentlichen Probleme nicht, meines Erachtens.


    Vor meiner Zeit hatte er bereits sehr früh angefangen mit kiffen und wohl ziemlich viel konsumiert, fast täglich 1g durch die Bong. Dann hat er gemerkt das es wohl doch etwas zu viel des Guten war und hat ohne Hilfe komplett aufgehört... Bis das Jahr 2020 kam. Jetzt rauche er 0,1g täglich, und ich habe sowieso keine Ahnung davon, ob das viel oder wenig ist. Wobei ich ihm, wie schon gesagt, dem allgemeinen Konsum ja gar nicht verbieten will oder so. Es ist nur die Regelmäßigkeit. Und ja, theoretisch könnte er Pause machen. Wenn wir im Urlaub sind beispielsweise, könnte er auch nicht. Und da geht die Pause, hab ich selbst schon erlebt. Und während der Pause auch die Einsicht es wieder ein bisschen einzuschränken. Nur ist Urlaubsplanung in der heutigen Zeit auch nicht gerade mehr so einfach, wenn sich ständig irgendwelche Regeln ändern.


    Mir wurde immer nur Wut entgegengebracht, auch wenn ich nur ganz ruhig über das Thema sprechen wollte. In deinem verunsicherten Text finde ich mich vor 2 Jahren komplett wieder. Ich bin nie davon ausgegangen dass Cannabis so eine Suchtwirkung hat.

    Ich dachte auch nicht, dass so eine Wut hervorkommt. Er hat generelle Wut-Triggerpunkte, die ich schon festgestellt habe. Dass die sich durch Cannabis so verschärfen war mir nicht bewusst. Hin und wieder konsumiere ich auch mal mit, und es macht Spaß in eine andere Welt zu gelangen, und nochmals betont: gegen den Konsum per se habe ich nichts... Es ist die Einnahmefrequenz. Ich glaube und hoffe ganz stark, dass er wirklich den Willen hat aufzuhören und eine Pause zu machen. Auch länger als nur mal zwei Wochen Urlaub. Ich möchte 11 Jahre Beziehung tatsächlich auch nicht einfach so hinschmeißen. Allerdings kommt halt auch der Satz "wenn du damit nicht klar kommst müssen wir eben getrennte Wege gehen" fast immer wenn wir uns streiten. Ich glaube daran das er eine Pause schafft, nur will er nicht.


    Ich bin mittlerweile (endlich) getrennt.

    Darf ich mal fragen wie lange ihr zusammen wart? Und wie ist das Verhältnis heute, wenn ihr ein Kind zusammen habt (habe ich doch richtig gelesen oder)? Danke auf jeden Fall für deinen Text. Im Moment und aktuell kann ich leider gar nicht so viel dazu schreiben. Ich bin ehrlicherweise total platt und sprachlos, wie vielen es wohl wirklich genauso geht wie mir. Ich dachte es nicht.


    Nachtrag, noch zwei kurze Gedanken..


    Er hat ja schon mal viele Jahre ohne Dauerkiffen gelebt, das heißt du weißt wie er ohne ist und er schafft es ja offensichtlich auch ohne. Das klingt für mich vielversprechender als die Ausgangsbedingungen die wir hatten.

    Ja, das ist auch meine große Hoffnung. Das es einen Punkt gibt, an dem er sagt: Stopp, ich möchte es wieder von selbst aus reduzieren. Ich glaube allerdings, solange die Umstände im Außen noch so sind wie sie sind (Maske tragen, Einschränkungen ect., das macht uns beiden tatsächlich extrem zu schaffen), wird er nicht reduzieren. Wenn ich zu ihm sage, das er früher anders war und ich ihn anders kennengelernt habe, dann sagt er "Die Zeiten ändern sich nunmal". Ich komm auf einer gewissen Ebene gar nicht mehr an ihn heran. Und das ihm selbst unsere Beziehung anscheinend nicht so wichtig ist wie das grüne Zeug. Gibt es denn bei Abhängigen im Hinterstübchen nicht noch eine kleine Stimme die sagt "Mensch, du kannst doch nicht das grüne mit eurer Beziehung aufwiegen"? Oder ist die Stimme bei Abhängigkeit total erstickt?


    Und zu dem Gedanken kiffen hat eine positive Wirkung. Das Argument wurde mir auch so oft entgegengebracht. Er wird ein besserer Mensch durchs Kiffen. Auf einigen Ebenen stimmt das sogar. Mein Partner war ein deutlich netterer Mensch so lange er regelmäßig konsumiert hat, aber irgendwann nach Jahren erst kommt dann doch die Frage wer ist dieser Mensch eigentlich. Klar er ist entspannt und nett, aber für mich war das auch nicht mehr er. Ich bin auch sehr witzig und extrovertiert wenn ich Alkohol trinke. Das heißt aber doch nicht dass ich ein witziger extrovertierter Mensch bin, sondern das macht die Droge.

    Uh, das Argument Alkohol vergleichend zu Cannabis, das ist ein ganz heißes Eisen. Das darf man niemals anbringen, denn Alkohol ist ja viel viel viel schlimmer als Cannabis. Bin ich tatsächlich auch der Meinung und finde es auch nicht gut das Alkohol in der Gesellschaft so extrem anerkannt ist. Und tatsächlich fühle ich mich nach Alkoholkonsum wesentlich schlechter als nach Cannabis. Aaaaaaber, wenn ich den Vergleich mal anbringe, dann wird er total, naja, wütend kann man nicht sagen. Dann ist er total erregt und platzt gleich heraus mit "Das kannst du doch nicht vergleichen! Mit Alkohol kann man sich tot saufen, von Cannabis ist noch nie jemand gestorben!" usw usf. Wie man merkt, ich bin nicht komplett gegen Cannabis, weil ich es echt unsinnig finde eine Pflanze, die auch anderweitig Nutzen hat zu verbieten, nur weil sie berauschend wirkt. Aber das Maß muss stimmen. Es ist wie bei jeder Sache, "Die Dosis, und nur allein die Dosis macht das Gift".


    Wie schon erwähnt, so ganz gebe ich die Hoffnung nicht auf das er es reduzieren wird. Ich glaube fest daran, denn er hat es einmal schon aus freien Stücken geschafft. Allerdings erschreckt mich die Tatsache ungemein, dass diese Aggression kein Einzelfall ist. Mir war das absolut nicht bewusst.


    Ich habe heute eine Anfrage bei der Suchtberatung gestellt. Allerdings wollte ich da ganz gerne anonym bleiben. Durch die ganze Umstände ist das allerdings mit Kontaktverfolgung :( Jetzt weiß ich nicht, ob ich hin soll oder nicht...


    Danke euch auf jeden Fall für euer Geschriebenes. Lässt mich nochmal ein ganz anderen Blick auf die Dinge bekommen.

  • Wenn ich deinen Beitrag lese, kommt bei mir folgendes an: Jein! Er kann ja...ich mache es ja auch...aber nicht so...er sollte mal Pause machen...ich weiss, er kann....oder kann er doch nicht....ist vllt doch viel schlimmer....ich kann ihm nichts verbieten...Aggressionen...

    Vergleiche mit anderen Suchtmachern bringen so gar nichts für eure Probleme. Das sind doch nur Nebenschauplätze. Ablenkung ist alles. :2:


    Suchtberatungsstellen haben Schweigepflicht. Was sollten die mit deinen Daten schon anfangen. Das kommt mir doch ein wenig vorgeschoben vor. :2:


    Grüße

  • Ich versuche nur abzuwägen ob es wirklich so schlimm ist. Denn letztlich weiß ich seit letztem Jahr so gar nicht mehr was wahr ist und was falsch... Mich hats in vielerlei Hinsicht ziemlich durchgerüttelt. Und ich wünsche mir hier Austausch und das ich meine Gedanken einfach mal herunterschreiben kann. Auch wenn es ein hin und her der Gedanken ist.


    Und ja, prinzipiell gilt Schweigepflicht on solchen Institutionen. Was ist allerdings wenn eine Person positiv ist und wir in Quarantäne müssen und er fragt, wo ich denn war? Ich möchte das erstmal alleine machen, ohne das er etwas weiß. Und nein, es ist kein Aufschieben. Ich habe morgen einen Telefontermin mit der Suchtberatungsstelle.

  • Ich denke, du weisst eigentlich ganz genau was los ist. Die Überschrift des Threads, das du hier im Forum aufgeschlagen bist und das du eine Suchtberatung kontaktierst.

    Außerdem will er weitermachen und droht mit Trennung, wenn es dir nicht passt. Sein Weg ist klar.

    Ich persönlich finde es ja gut, wenn jemand eine klare Ansage macht. Dann kann ich mich in Stellung bringen, aber dazu bedarf es natürlich einer Haltung gegenüber seinem Drogenkonsum und kein Jein.

    Viel Glück morgen und ich hoffe du bekommst Klarheit für dich.

    Anstecken kann man sich überall. Viele Leute wissen überhaupt nicht, wo sie sich mit Covid angesteckt haben könnten. Aber telefonisch ist das ja eh nicht möglich.

  • Wie schon erwähnt, gegen den Konsum habe ich nichts. Allerdings gegen die Häufigkeit. Ist das denn nicht vereinbar miteinander? Muss es ein schwarz-weiß geben? Kann nicht hin und wieder mal konsumiert werden, oder reden wir aneinander vorbei. Verbieten möchte und kann ich es ihm nicht, würde mir jedoch eine geringere frequenz wünschen.


    Danke, ja ich bin gespannt morgen. Hätte das Gespräch halt nur gern persönlich vor Ort. Aber gut...

  • Oh je, ich verstehe dich so gut. Und ich glaube es wird in Zukunft mit einer potentiellen Legalisierung von dem Zeug immer mehr Frauen in unserer Position geben. Und ich verstehe das, es ist sehr lange ein Jein, bei mir ist es auch immer noch ein Jein. Ich finde das ist das fiese an dieser elenden Kifferei, es ist nicht schlimm genug um ganz klar den Finger drauf legen zu können und zu sagen man kann so nicht leben in einer Beziehung. Es ist aber eben eine Sucht die ziemlich starke Auswirkungen haben kann die man kaum erahnt lange, und man leidet enorm darunter wenn der Partner süchtig ist, auch wenn es sich nur um wenige Gramm handelt und zwischendurch mal aufgehört wird. Es ist trotzdem furchtbar.


    Aber wie oft muss ich mich erklären, nicht nur ihm gegenüber, auch einigen wenigen die davon wissen. Ständig kommt es ist doch nur kiffen. es ist doch nur abends. es ist doch nicht so schlimm, was passiert denn schon groß mit ihm. Und das stimmt ja auch teilweise, ist aber eben nicht die ganze Geschichte. Es ist wahnsinnig schwierig sich in diesem Gedankenkarussell selber klar zu werden was richtig und was falsch ist für einen selber.


    Ich bin diese Woche auch wieder in einer Suchtberatung, hoffentlich mit ihm - wir wohnen nämlich noch zusammen und ich traue mich wegen dem Kind nicht auszuziehen, ich will sie mit ihm nicht alleine lassen, so läuft das mit unserer Trennung... Ich habe mir auch so sehr eine Grauzone gewünscht, und immer wieder Vorschläge gemacht. Nur am Wochenende, nur an bestimmten Abenden. Er hat das anfangs alles immer abgenickt, aber nach kürzester Zeit ist es wieder mehr geworden. ich glaube er hat selber geglaubt was er da sagt, und es dann vergessen und verdrängt. Bei uns kam es bisher nie zu einer Grauzone. Ich verstehe langsam was Sucht bedeutet, trotzdem ist es mir teilweise immer noch unbegreiflich warum es nicht möglich ist eine Lösung zu finden. Ich stelle es mir ähnlich vor wie mit anderen psychischen Krankheiten, als Außenstehender kann man da schwer einen Einblick bekommen warum es sich für denjenigen so anfühlt und was wirklich vor sich geht.


    Viel Glück wünsche ich dir morgen!

  • Hmm, dann dürfte es in meinen Augen aber auch kein hin und wieder mal Alkohol trinken geben? Ich rauche, wenn überhaupt, alle 2 bis 3 Wochen mal was mit. Ist das nicht ähnlich als würde ich hin und wieder Alkohol trinken? Es ist nur eine Frage. Denn dann sehe ich auch parallelen zum Alkohol. Für mich ist es legitim immer mal, aber nicht täglich. Meine Ansicht.

    Ich werd ja sehen wie das Telefonat heute läuft.

    Und Loulou , danke für dein Verständnis :o es tut gut, wenn jemand da ist der das verstehen kann. Und ich war halt vorher nie in so einer Situation wie ich sie aktuell habe...

  • Es ist der Umgang mit Drogen und nicht ob ich dies oder das zu mir nehme. Wenn das Thema so viel Platz in eurem Leben einnimmt, finde ich das bedenklich und wenn es schon ständig Streit darüber gibt, finde ich es noch bedenklicher. Ich trinke Alkohol, wenn auch selten. Ich mache mir null Gedanken über mein Trinkverhalten. Wenn es keinen mehr zu kaufen gäbe, wäre mir das vollkommen egal. Wenn ich mich aber regelmäßig alle 2 bis 3 Wochen unkontrolliert betrinke, müsste ich mir schon Gedanken machen. Was ich allerdings nicht verstehe, ist, warum du dein Konsummuster ständig mit seinem vergleichst?

  • Er betrinkt oder, im übertragenen Sinne, bekifft sich nicht total unkontrolliert. Es ist nicht die Menge sondern die frequenz. Aber gut. Vergleiche ich seinen Konsum mit meinem, wenn ich sage ich habe nichts gegen hin und wieder mal was rauchen? Hmm ich weiß nicht was du mir hier unbewusst unterjubeln möchtest.

    Das Gespräch lief ganz gut, möchte aber gar nicht groß darüber schreiben, wenn ich das Gefühl vermittelt bekomme, hier wird mir was unterstellt was ich in der Form gar nicht zum Ausdruck bringen will und wollte. Würde ich jetzt weiter über das schreiben, wird mir vielleicht wieder was anderes herumgedreht. Ich hab ehrlich gesagt eher auf ein bisschen mehr Verständnis gehofft in welcher Zwickmühle ich mich befinde...

  • Hmm, dann dürfte es in meinen Augen aber auch kein hin und wieder mal Alkohol trinken geben?

    Dagegen spricht auch nichts, genauso wenig, wenn ein gesunder Erwachsener mal kifft ...

    Der Unterschied ist, ob man süchtig ist oder nicht und nach deinen Beschreibungen über deinen Freund würde ich mal davon ausgehen.

    Dazu kommt noch, wen schon psychische Vorerkrankungen bestehen, sind Suchtmittel jeglicher Art nicht gut.

    Ein hin und wieder gibt es für Süchtige also nicht :rolleyes:

    Das bedeutet nicht, dass dies nicht möglich wäre, aber in den Momenten wo man nicht weiter weiß, nimmt der Konsum in der Regel dann ein sehr schädliches Ausmaß an.


    Hmm ich weiß nicht was du mir hier unbewusst unterjubeln möchtest.

    Meinst du da jetzt neuerweg1?

  • Ich schreibe hier nicht unbewusst, sondern überlege sehr genau. :2: Der Alkohol war nur ein Beispiel, weil es eben unterschiedliche Konsummuster gibt.

    Unterjubeln? Nee, ganz bestimmt nicht.

    Es geht doch um den Konsum deines Freundes und nicht um deinen Konsum oder habe ich da etwas falsch verstanden? Es geht darum, dass der Konsum deines Freundes zunehmend zum Problem für die Beziehung wird. Deswegen bist du hier, oder?

    Wie Franz schon schrieb, kann der eine kiffen ohne in der Suchtspirale zu landen und ein anderer eben nicht.

    Dein Freund scheint eher zu Letzteren zu gehören. Du bist aber nur damit einverstanden, wenn er deine Konsummuster an den Tag legt. Das tut er aber nicht, weil er es wahrscheinlich auch gar nicht kann. Und das ist der wesentliche Unterschied.

  • Hallo,


    die Zwickmühle verstehe ich schon, und genau die macht es auch schwer, zu einer klaren Position zu kommen in so einer Situation. Indem Du gelegentlich mitkiffst, bestärkst Du ihn vermutlich in seiner Haltung noch. Aus seiner Warte mal gesprochen: Warum sollte er weniger kiffen oder aufhören, wenn Du ja damit zeigst, dass Du es grundsätzlich auch okay findest, denkt er sich vermutlich. Du findest halt seltener kiffen okay, er häufiger, jeder kann das für sich entscheiden, und er will sich da nicht reinreden lassen. Dass er gleich Trennung ins Spiel bringt, sagt viel. Während Du nun in der Zwickmühle bist, hat er die Fronten schon klar abgesteckt und blockt so auch Gespräche darüber ab. Wie hast Du denn darauf reagiert?


    Versuche vielleicht erstmal, für Dich Klarheit zu schaffen. Was bedeutet Dir die Beziehung? Warum genau soll er weniger kiffen? Was will oder kann ich mittragen? Wo ist die Grenze und gäbe es Möglichkeiten für einen tragfähigen Kompromiss? Gerade im Zusammenspiel mit einem - vermutlich - Süchtigen finde ich das aber aus Erfahrung schwer. Man kann viel vereinbaren, aber ruckzuck ist man im alten Fahrwasser. Und Dein Freund zeigt ja bisher wenig Problembewusstsein und Kompromissbereitschaft.


    Darf ich trotzdem mal nachfragen, was die Suchtberatung rät?


    LG

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