Eine schwere Entscheidung- was würden Betroffene mir raten?

  • Hallo, ihr Lieben.

    Ich habe ein großes Problem:


    Habe gestern meinen Sohn im Gefängnis besucht. Er hat einen Knast- Kollapps. Ist sehr aggressiv, hält es dort einfach nicht mehr aus.

    Vermutlich gibt es auch Probleme mit Mithäftlingen, was er mir niemals im Detail erzählen würde.

    Nun zu meinem Problem:

    Im Dezember endet nach 5 Jahre seine Haftzeit. Dann muss er seine Schulden (8000 Euro) bis August nächsten Jahres absitzen.

    Das heißt, er sitzt bis nächstes Jahr August, es sei denn ich übernehme seine Schulden, so kann ich ihn in drei Monate vom Gefängnis ab holen.

    Mein Sohn würde dann zu mir ziehen.

    Es ist eine schwere Entscheidung für mich. Einerseits ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, meinem Sohn zu helfen,

    auf der anderen Seite beginne ich jetzt schon am ganzen Körper zu zittern wenn ich daran denke, dass der ganze Wahnsinn evtl. von vorne los geht.

    Ich habe ab dem Zeitpunkt seiner Entlassung keine einzige freie Minuter mehr für mich.

    Abgesehen davon das ich sehr viel arbeiten muss und dann noch meinem Sohn helfe, sich in der Freiheit wieder zurecht zu finden.

    Sicher bin ich nichts wie am rum fahren- Tag und Nach- so wie früher.

    Er muß Sport machen, da er sonst wieder Drogen braucht. Er kann nicht ständig in der Wohnung rum hängen- ich muss mit ihm etwas unternehmen, was mir gar nicht liegt, da ich nach der Arbeit meine Ruhe brauche. Er sagt, dass er nicht mehr konsumieren will und ist guter Dinge, es zu schaffen. Ich bin aber realistisch und weiß das es nicht so einfach ist.

    Eine Therapie will er auf keinen Fall machen.

    Was würdet ihr machen? Ich muss das Geld aufnehmen, da ich es nicht habe.

    Mir geht es schlecht, wenn ich meinen Sohn nicht helfe. Genauso schlecht geht es mir aber, wenn ich ihm nicht helfe.

    Ich meine, dafür ist man doch Mutter: Um in der Not für das Kind da zu sein.

    Bin fix und fertig, könnte nur weinen.

  • Hey Herbstwind


    Ich bin zwar nicht Mutter, aber Tochter einer Mutter die eher eine Tochter für mich war/ist. Und naja, Mensch bin ich auch noch ;)

    Man liest deine Not und dein zwischen-den-Stühlen-Stehen sehr doll aus deinen Zeilen heraus. Es tut mir Wirkloch leid, das gerade so ein Druck auf dir lastet.


    Ich kann versuchen dir meine Meinung, mein erstes Gefühl zu deiner Situation zu schildern.

    Ich finde Helfen, Unterstützen, etc. meistens gut und Sinnvoll und gerechtfertigt, aber das hat Grenzen.

    Dein Sohn hat offensichtlich eine/mehrere Straftaten begangen wegen denen er einsitzt, das wird vielleicht ja auch vor der Haftstrafe eine Vorgeschichte gehabt haben, in die du vielleicht auch schon (viel zu sehr) involviert warst.

    Ich finde es ist in erster Line nicht dein Job ihm nach der Haft zu helfen nicht mehr Straffällig zu werden. Nicht du musst (und kannst es so oder so nicht) ihn von Drogen Fernhalten, nicht du musst ihn beschäftigen, wenn von ihm eine Null-Bock-Haltung kommt. Es ist sein Leben, seine Taten, seine Konsequenzen. Du bist seine Mutter und das wird sich nicht ändern, auch wenn du ihm seine Verantwortung auch selbst überlässt.

    Wenn du Schulden für ihn aufnimmst, dich krumm arbeitest damit er wohnen kann, herumfährst um ihn zu beschäftigen und von "dummen dingen" abzuhalten versuchst... und dann passiert es doch.. fühlst du dich auch noch dafür verantwortlich.

    Ich glaube es ist ein total verständliches und logisches Eltern-Kind-Dilemma in dem du gerade steckst, aber ich finde nicht das es deine Aufgabe als Mutter ist, ihm selbst gemachte ((egal wie bewusst oder unbewusst er sie gemacht hat) Schulden abnimmst, ihn betüddelst, deinen ganzen Tagesablauf und dich selbst für ihn aufgibst, nur damit er vielleicht nie mehr auf eine schiefe Bahn gerät. Damit lädst du dir nur noch mehr Schuldgefühle und gefühlte Verantwortung auf.

    Helfen ist in meine Augen viel mehr als diese "sichtbaren" Dinge wie Beschäftigen, wohnen, haushalt, Finanzen.

    Kannst du mit ihm darüber reden? Also ich meine, ist euer Verhältnis gut genug das du ihm deine bedenken mitteilen kannst? Wenn nicht, oder wenn die Antwort eher in Richtung "Wäre ihm wohl eher egal" lautet, dann ist das doch eigentlich schon ein ganz guter Hinweis darauf, wie dein Umgang damit sein kann.

    Ich weiss nicht wie alt dein Sohn ist und ob er wirklich nach der Haft bei dir wohnen muss, oder ob es andere Lösungen gäbe die vielleicht besser wären.


    Es gibt sicher auch

    da antworten dir vielleicht noch andere hier

    Anlaufstellen für dich als betroffene Angehörige wo du Infos und ggf Hilfe bekommen kannst.

    Ich glaube es wäre auf jedenfall erstens: schlecht, dein ganzes Leben (sozusagen) umzukrempeln von jetzt auf gleich, nur damit es deinem Sohn, besser geht. Er hat immerhin eigenständig eine Straftat begangen, dazu hat ihn niemand gezwungen.

    und zweitens: wäre es sicher sehr von Vorteil, wenn du dir Hilfe holst, und seien es nur Infos was es für Möglichkeiten gibt.

    Ich würde dir wünschen das du dir nicht alle Verantwortung auf die Schultern lädst (laden lässt)

    du kannst ihm in der Zukunft ja auch nur eine Mutter sein, wenn du ein einigermassen schönes Leben hast in dem es dir gut geht.

  • Liebe PixelDiebin, vielen Dank für Deine ausführliche und einfühlsame Schilderung, wie Du das siehst.

    Ist mir einleuchtend, was Du schreibst. Ich glaube mein Verstand kann Dir gut folgen.

    Wenn nur nicht dieses verdammte Mutterherz wäre.

    Ich werde mir Deine Zeilen mehrmals durch lesen und auf mich wirken lassen.

    Man muss nicht zwangsläufig leibliche Mutter sein, um einer Mutter Tipps geben zu können- im Gegenteil.

    Ich habe die Erfahung gemacht, dass Mütter bei solchen Fragen oftmals von sich selbst ausgehen und somit die Dinge einseitiger sehen und nicht neutral.

    Nochmals Danke Dir.

  • Hallo Herbstwind,


    ich hatte Dir ja an anderer Stelle schon geschrieben, dass ich finanzielle Unterstützung für ihn einstellen würde, weil ihm das ganz sicher nicht hilft. Zumal er ja offenbar jede Mitarbeit, etwas an der Situation zu ändern, von vornherein ablehnt. Ich verstehe grundsätzlich Dein Dilemma - Du bist in großer Sorge um ihn, aber bedenke, dass auch er das weiß und diese Karte auch durchaus gegen Dich ausspielt, so wie Du die Lage schilderst - um sein Ziel zu erreichen, an Geld zu kommen. Aber das ist angesichts seiner Sucht ein Fass ohne Boden. Stopfst Du heute ein Loch, tut sich morgen das nächste auf, so hab ich es erlebt. Ich verstehe trotzdem, wie schwierig die Situation ist, zumal er Dich ja schon jetzt unter Druck setzt. Kannst Du Dich vielleicht von Bewährungshilfe beraten lassen? Werden nicht vielleicht von der Haft aus Möglichkeiten erarbeitet, wie es für ihn danach weitergehen kann? Ich glaube, ich würde mir eine neutrale Person für Gespräche dazu zu holen wollen und wie schon beschrieben versuchen, klare Grenzen zu Deinem eigenen Wohl zu ziehen, ohne unbedingt den Kontakt zu ihm abzubrechen. So wie Du es beschreibst, vereinnahmt bis terrorisiert er Dich ja regelrecht. Aber dazu gehören immer Zwei...


    LG RF

  • Hallo RunningFree, danke für Deine Meinung und Sichtweise.


    Ich allegemeinen habe ich die Erfahrung gemacht, ob Betreuer, Bewährungshelfer- sie arbeiten ihre Pflichtstunden mit Müh und Not ab, dass wars.

    Möchte mich nicht an solche Menschen wenden. Überhaupt, ich denke eure Meinungen helfen mir schon, um für mich eine klare Entscheidung treffen zu können.

    Eigentlich hab ich sie ja schon getroffen, aber mein Kopf sagt:"Spinnst Du"?

    Dieser innere Kampf zermürbt mich. Ich denke da kann mir keiner von Außen wirklich helfen.

    Mein Sohn nimmt keine Hilfen im Gefängnis in Anspruch, nicht mal einen Arzt.

    Er sagt, der Aufwand wäre so emenz groß, dass man das nicht lange aushalten kann.

    Lange Wartezeiten, Anträge stellen, 1000 Türen werden aufgesperrt, bis die Inhaftieten erst mal zu diesen Personen ran kommen usw.

    Was Du beschreibt mit dem Faß ohne Boden stimmt schon. Man muss verdammt aufpassen die richtige Balance zu halten und das ist schier unmöglich.

    Die Gefahr, sich selbst finanziell zu ruinieren ist groß.

    Bei einem Partner oder Elternteil kann man leichter die Reßleine ziehen als bei seinem Fleisch und Blut.

    Das ist ja das unglaublich gemeine und Fatale.

    Auch Deine Zeilen werde ich nochmal durchlesen, auch wenn sie etwas hart auf mich wirken.

    Alle Sichtweisen sind für mich wichtig. Auch von den Harten kann man was lernen, gerade wenn die Eigenen zu weich sind.


    Danke Dir RunnigFree.

  • Eigentlich wollte ich mich bei dem Thema zurückhalten, zum einen, weil ich mich ja dann outen muss (wobei das kein Geheimnis ist, weil es im SuS mehrmals geschrieben steht), ich zudem gesundheitlich angeschlagen bin und zum anderen wegen deiner Aussage:

    Eigentlich hab ich sie ja schon getroffen

    Bitte nicht falsch verstehen, natürlich entscheidest du ganz allein, dennoch hoffe ich, du überdenkst das Ganze nochmal.


    Zum Outen, ich habe selbst so einige Jahre hinter mir, daher kann ich also schon mitreden.

    Meine eigenen Erfahrungen liegen zwar über 30 Jahre zurück, doch weiß ich auch, dass sich in dieser Zeit viel getan hat.
    Sogar hier in Bayern, wo die Justiz ja immer noch mehr oder weniger am schärfsten in Deutschland ist …

    Jetzt mal einige Anmerkungen zu deinem Text:

    die Erfahrung gemacht, ob Betreuer, Bewährungshelfer- sie arbeiten ihre Pflichtstunden mit Müh und Not ab, dass wars

    Das mag im weitesten Sinne schon stimmen, leider wird hier immer noch viel zu viel gespart, Resozialisierung sollte noch sehr viel weiter ausgebaut werden.
    Auf der anderen Seite weiß ich auch nicht ganz genau, welche Erfahrungen du als Mutter gemacht hast.
    Die genannten Berufsgruppen sind in der Regel wahrlich meist überlastet, was aber meiner Meinung eher am System liegt und nicht in der Persönlichkeit dieser Leute.
    Klar ist aber, weder Betreuer noch Bewährungshelfer sind für dich als Mutter zuständig, vielmehr sollen sie an deinem Sohn dienen.
    So wie du aber sein Mitwirken beschreibst, haben diese Leute doch eigentlich gar keine Chance.
    Dies sieht man ja hier zum Beispiel:

    Er sagt, der Aufwand wäre so emenz groß, dass man das nicht lange aushalten kann.

    Welcher Aufwand ist zu groß?
    Was wäre dann nicht auszuhalten?
    Natürlich ist im Knast der Arztbesuch etwas anders, als wenn man hier in Freiheit zum Hausarzt geht.

    Anträge stellen

    Richtig, ein Antrag ist zu stellen, dafür gibt es Formulare.
    Wenn ich keine Lust habe, reichen hierfür zwei Worte - brauche Arzt!
    Ganz ehrlich, ich verstehe das Problem nicht …

    Lange Wartezeiten

    Wenn es um einen Facharzt geht, dann hat man hier und im Knast natürlich längere Wartezeiten.
    Reicht aber der normale Arzt in der Anstalt, wird man in der Regel am nächsten oder übernächsten Tag vorgeführt.

    1000 Türen werden aufgesperrt

    Dass der Knast mit Türen versehen sind, ist natürlich logisch, aber diese Aussage ist absolut übertrieben.
    Zudem verstehe ich nicht, wo das Problem liegt, Zeit ist nun ja wirklich genug vorhanden.
    Um ehrlich zu sein, ich würde eher davon ausgehen, dass dein Sohn alles dramatisiert und für dich absolut übertrieben darstellt.

    Du hast zwar einige Delikte beschrieben, aber wenn ich die Gesamtstrafe anschaue, müsste schon einige krasse Aktionen gewesen sein.
    Wenn ich mal davon ausgehe, dass er inzwischen fünf Jahre abgesessen hat, dann dürfte die verhängte Freiheitsstrafe ja noch um einiges höher gewesen sein.
    Vorausgesetzt, er sitzt nicht die Gesamtstrafe ab, oder?
    Da ich hier aber auch von einem Drogenbezug ausgehen muss, also vermutlich mitunter Beschaffungskriminalität, warum hat er dann nicht den Paragraf 35 BTMG in Anspruch genommen?
    Wenn ich auch alle Beiträge im Forum lese, bin ich noch nicht ganz schlau geworden, welche Drogen er eigentlich konsumiert hat.

    Ich bin auch Vater von zwei Kindern und würde alles für die beiden tun, um irgendwelche Schäden von ihnen abzuwenden!
    Auf der anderen Seite weiß ich aber auch genau, man kann in seinem Leben nur was ändern, wenn man Einsicht zeigt.
    Drogensucht ist eine Krankheit, aber die muss man auch selbst anerkennen und nur dann kann einem auch geholfen werden.
    Genau das aber, vermisse ich bei deinem Sohn, wenn man deine Beschreibungen durchliest.

    Die Gefahr, sich selbst finanziell zu ruinieren ist groß

    Ich würde das sogar noch unterstreichen, indem ich schreibe, das wird auch so kommen.
    Damit meine ich nicht, dass du das selbst herbeiführst, aber wenn dein Sohn sich nicht ändert, wird er das für dich tun!

    Eine Therapie will er auf keinen Fall machen.

    Dies untermauert leider das ganze, ich kann es einfach nicht verstehen, wie man sich von Möglichkeiten der Hilfe selbst ausschließt.
    Natürlich ist man dann gefordert, muss vielleicht Dinge tun, auf welche man keinen Bock hat.
    Es sollte aber auch klar sein, eine Suchtkrankheit können die wenigsten ohne externe Unterstützung überstehen.

    Daher würde ich genauso empfehlen, er muss für seine Taten selbst Lösungen finden.
    Der einfachere Weg ist aber für ihn, etwas auf die Tränendrüse zu drücken und die Mama erledigt dann schon meine Schulden.
    Wenn du aber schon nicht von diesem Vorhaben abweichen willst, dann würde ich aber definitiv eine therapeutische Maßnahme als Voraussetzung abverlangen.

    An deiner Stelle würde ich mir eine Selbsthilfegruppe suchen, es gibt genug Angehörigengruppen für Eltern von Straftätern.
    Aber ich kann dir garantieren, dort wirst du nichts anderes hören, aber vielleicht würde es besser wirken, weil diese Eltern schon entsprechende Erfahrungen damit gemacht haben.
    Das bedeutet ja nicht, dass man seinem Kind nicht helfen soll!
    Es kommt aber darauf an, zum einen, was das Kind dafür leistet und zum anderen, um welche Hilfe es eben geht.
    Einem Drogensüchtigen gibt man kein Geld oder Wertgegenstände, aber wenn der Hunger hat, kann er natürlich jederzeit am Tisch mitessen …
    Und das ist auch nicht böse gegenüber deinen Sohn gemeint, vielmehr solltest du davon ausgehen, dass der Knast seine Drogensucht nicht geheilt hat.
    Da er scheinbar aber auch bisher kein Interesse hatte, selbst in dieser Richtung tätig zu werden, wird vermutlich alles ganz wie gewohnt von vorne angehen.

    Im ersten Beitrag hast du auch geschrieben, du müsstest andauernd was mit ihm unternehmen und er müsste Sport machen usw.
    Glaubst im Ernst, er hat dazu überhaupt Lust?
    Oder geht es eher darum, dass er mehr oder weniger in Überprüfung steckt und du weißt, was er tut?
    Erst 29, er ist immer noch Suchtkrank, er muss also was unternehmen - nicht du!

    Was Verschulden gibt es hier überhaupt?
    Du schreibst von 8000 €, aber wem schuldet er die?
    Letztlich können es ja eigentlich nur Staatsschulden sein, sonst würde er ja dafür nicht sitzen müssen, oder?

    Nimm also besser kein Geld auf, versuche eine andere Wohnmöglichkeit zu finden, wobei das auch letztlich sein Job ist.
    Wenn er nach der Entlassung in einem Heim für Strafentlassene vorübergehend wohnen muss, dann ist es natürlich nicht so schön wie bei Mama.
    Auf der anderen Seite kann er mit viel Anstrengung und Eigeninitiative das selbst schnell verändern.
    Wie gesagt, eine gewisse Unterstützung ist natürlich o. k., aber du kannst nicht sein neues Leben für ihn aufbauen und regeln!

  • Hallo Herbstwind,


    ich wollte nicht hart sein, aber ehrlich. Es sind einfach persönliche Erfahrungen und wie schon gesagt, aus einer anderen Perspektive als Deiner. Ich kann mir trotzdem ansatzweise vorstellen, wie es Dir geht, und man liest ja, wie verstrickt Du bist, das kann ich nachfühlen, mir gings ja auch so.

    Bei einem Partner oder Elternteil kann man leichter die Reßleine ziehen als bei seinem Fleisch und Blut.

    Mag sein, aber schwierig ist es immer, glaub mir. Ich bin auch Mutter und verstehe den unbedingten Willen, das eigene Kind zu unterstützen. Aber wenn Du das ernsthaft möchtest, finde ich wichtig, die Art der Unterstützung ernsthaft zu hinterfragen und zu gucken, was sinnvoll und hilfreich ist, und was eher nicht. Da wirst Du vermutlich die nachvollziehbaren Emotionen auch etwas beiseite schieben müssen und versuchen, rationaler zu denken. Mich hat ein Betroffener in der Selbsthilfegruppe total aufgebaut und mir auch klar gemacht, dass das ein durchaus längerer Prozess sein kann. Ich bin dort nach dem ersten Mal auch erstmal wieder weg und dachte mir, die können mir nicht helfen, die sind so knallhart, die wollen mich ja nur zur Aufgabe meines suchtkranken Partners bewegen. In Wirklichkeit ging es eher darum, sich selbst wieder zu finden, wieder Kraft zu bekommen, klarer zu sehen. Warst Du eigentlich bei dieser Gruppe, mit denen Du neulich Kontakt aufgenommen hattest?

  • Vielen Dank, Franz.


    Warum mein Bub den §35 nciht in Anspruch nahm, weiß ich nicht. Jedenfalls hatte er schlechte Verteidiger.

    Er hatte eine Verhandlung nach der Anderen. U.A. wegen Wiederstand der Polzei, oder wie das heißt.

    In der Haft hat er einen Antrag gestellt für eine Therapie, die genehmigt wurde. Dort war er in besten Händen.

    Ich war mit der Psychologin in Kontakt. So, dann hat er einem Mithäftling eine über die Mütze gehauen und flog im hohen Bogen wieder raus und landete wieder im Knast.

    Also so ist es ja auch nicht, dass er gar nichts unternimmt.

    Er hat auch immer gearbeitet, dann wurde er auf Drogen getestet und es stellte sich raus das er Gras graucht hat und dort flog er auch raus.

    Nun hat er keine Arbeit und ich denke, dass ist der Grund für seinen Knast Kollaps.

    Und ich glaube das es Probleme mit Mithäftlingen gibt. Jedenfalls war er letztes mal aggressiv als ich ihn besuchte und redetet alles schlecht.

    Das hatte er vorher nie. Aber mal ganz im Ernst: ist doch verständlich, Knast ist alles nur nicht schön.

    Viele bringen sich dort um.

    Und ja, vielleicht hast Du ja recht wenn Du sagst, er hat keine Bock etwas zu unternehmen, oder aus dem Sumpf raus zu kommen.

    Ich weiß es nicht. Ich kann gar nichts richtig, oder realistisch einordnen.

    Falls es so ist, dass er nichts verändern möchte, so kann ich ihn als Mutter doch trotzdem nicht verstossen.

    Ich habe nochmal nach gedacht, auch Eure Beiträge haben dazu beigeholfen und ich werde ihn nicht raus holen.

    Für 8000 Euro muss ich zu hart und lange arbeiten.

    Ja, die Schulden sind Staatsschulden. (Gerichtskosten).

    Aber vielleicht kann ich mit der Staatsanwaltschaft reden, dass die Schulden in Raten ab bezahlt werden und mein Sohn muss dafür arbeiten?

    Das wäre doch vielleicht auch eine Idee?

    Ich finde nicht schlimm wenn sich Menschen hier outen. Was soll da bitte ich sagen?!

    Mein Sohn hat alles konsumiert. Alles. War tief im Drogensumpf.

    Habe noch eine Frage, Franz: Warum darf man Süchtigen kein Geld geben?

    Ist es nicht schlimm wenn der Körper nach Drogen verlangt, man aber kein Geld dafür hat sich welche zu kaufen und

    begeben sich die Süchtigen dann nicht in große Gefahren bei der Beschaffung ohne Geld?

    Das machen sie nämlich. Und wie sieht es aus mit kaltem Entzug, falls er keine Drogen aufgabelt?

    Daran kann er doch auch sterben.? Ich meine diese Fragen ganz ernst.

    Ich meine nämlich, sein Leben aufrecht erhalten zu können, oder den Tod hinaus zu zögern mit der Geldgabe.

    Lieg Ich da so daneben?

    Und ja, Dein Satz "Du kannst nicht sein Leben aufbauen und regeln", da hast du recht.

    Da hat es jetzt bei mir etwas Klick gemacht.

    Lese Deinen Beitrag noch mehrer male durch.

    Vielen Dank.

  • Hallo Maya, ich war nicht in dieser Gruppe.

    Etwas hielt mich ab, aber auch mein Hunger am Abend, den ich nicht stillen hätte können wenn ich dort hin gegangen wäre.

    Muss nämlich gleich im Anschluss nach meiner Arbeit dort hin gehen.

    Aber ich habe es nur aufgeschoben. Vielleicht klappt es nächste Woche.

    Die Arbeit versklavit mich. Das kotzt mich auch so an. Nichts Urlaub. Alles Scheiße. Sorry, aber mir reicht es im Moment einfach, ich könnte nur noch heulen.

    Möchte nicht mehr leben, aber auf keinen Fall sterben. Vor dem Tod habe ich nämlich fürchterliche Angst. Aber So fühle ich mich, eitenlich schon sehr lange.

    Ganz sicher ist es auch nicht enfach, sich von nicht Blutverwandten zu lösen oder trennen. Das glaube ich Dir zu 100%.

    Ich mache das mit meinem Sohn schon seit über 15 Jahren mit. Es ging sehr früh los bei ihm.

    Merke das die Nerven blank liegen. Und zu Angehörigengruppen, oder Selbsthilfegruppen bin ich auch seit diesem Zeitraum hin gegangen.

    Also schon mehrmals, auch zu unterschiedlichen Gruppen.

    Das stimmt was Du sagst: Sie wollen einen aufbauen und helfen wieder sein eigenes Leben lebneswert zu gestalten.

    Das hab ich schon auch so verstanden. Aber um jeden Preis? Kann ich ein glückliches Leben führen, genießen, mit dem Wissen- mein Sohn liegt vielleicht gerade irgend wo auf dem Boden, oder im Bett und leidet? Oder wird gerade zusammen geschlagen?

    Wer das kann- mein Respekt. Ich kann das nicht.

    In allem was man tut, hängt eine dunkle Wolken voller Trauer und Schmerz.

    Da helfen die ganzen Tipps von denen gar nichts. Ich fand so manche Ratschläge auch moralisch nicht ganz ok.

    Aber ich bin eine Christin, zumindest versuche ich eine zu sein. Da erscheinen einem viele Dinge zu weltlich.

    Bitte: Das ist nur mein Empfinden. Ich glaube halt ganz fest daran, dass nur die Liebe heilen kann.

    Und wenn mein Sohn nicht meine Liebe erfährt, von wem dann? Er hat ja nur mich.

    Danke ihr Lieben. Ihr gebt Euch wirklich viel Mühe. Ich weiß das ich ein schwieriger Fall bin.

    Auch krank. Gaga. Ich weiß das. Aber vielleicht verändet sich ja noch etwas in mir. Wäre schön.

    Das es nicht so weiter gehen kann wie bisher ist mir klar. Hoffentlich kapiert das mein Herz auch mal.

  • Sorry, mein letzter Kommentar ist an RunnigFree gerichtet. Nicht an Maya.

    Mit Maya schreib ich auch gerne, nur war dieser Kommentar an RunningFree gedacht.

    Habe mich verschrieben. Man, dass ist mir jetzt peinlich.

    Bin so durcheinander im Kopf und zudem sehr übermüdet.

    Entschuldigung.

    Geh jetzt schlafen. Ist besser...... ||

  • Liebe ist und tut sicher gut. Aber die Formel, dass nur Liebe heilen kann, find ich zu simpel. Schön wärs! Hand aufs Herz, wie sollte Liebe allein jetzt aktuell alles richten, was im Leben Deines Sohnes passiert ist? Da sind konkretes Handeln seinerseits sowie praktische und psychologische Hilfen von Profis nötig, die er bereit sein müsste, anzunehmen. Für mich wirkt es so, als hängen die Probleme Deines Sohnes und Deine ganz eng zusammen, ja bedingen sich fast gegenseitig. Aber das ist ja der Kern von Co-Abhängigkeiit. Er hat sich in der Sucht eingerichtet und Du bietest ihm den treuesten Beistand dabei und beharrst darauf, nicht anders zu können aus Mutterliebe. Vielleicht hält ihn das ja erst recht fest in seiner Situation - und schadet ihm somit? Ich hab es bewusst etwas provokant formuliert...

  • Guten Morgen RunningFree,


    du hast Dich halt von diesen Beratungsstellen überzeugen lassen. Und ich glaube Dir das es Dir geholfen hat.

    Die Angehörigen, welche ich in den Gruppen getroffen habe, hingen sich an den Beratern fest wie an einem Strohhalm und

    setzten auch vieles 1 zu 1 um von dem was ihnen dort gesagt wurde.

    Ich habe von keinen einzigen Fall mit bekommen, dass er dadurch gesund wurde, oder von der Sucht los kam.

    Die Rückfallquote ist so erschreckend hoch, u.a. auch ein Beweis, dass man nicht so ganz richtig liegen kann in der Suchtpräventation, wie es viele meinen.

    Und sie liegen auch nicht richtig, denn in er Suchthilfe gab es jahrzehnet lang keinerlei Veränderung.

    Veraltert.

    Nun weiß man längst das es falsch war, die Angehörigen zu nötigen bezüglich der Co- Abhängigkeit.

    In modernen, fortschrittlichen Beratungsstellen wird dieses Wort "Co- Abhängigkeit" gar nicht mehr erwähnt.

    Danke für Deine direkten und ehrlichen Worte. Ich mag das.

    Ich lese sie mir nochmal durch und lasse es auf mich wirken.

  • Guten Morgen Herbstwind ich finde deine Entscheidung gut das du das Geld nicht Bezahlst egal wie sehr dein Sohn jammert .Es hat bei im immer noch nicht klick gemacht und er ist noch nicht bereit etwas zu ändern leider .Aber ich kann mich in in reinversetzen auch ich habe mehrere Anläufe gebraucht und musste einiges einstecken bevor es bei mir klick gemacht hat und das hat gedauert leider ! Aber für alles was ich getan habe gebe ich nicht den Drogen die Schuld auch wenn ich dadurch ein schlechter Mensch wurde aber ich habe sie immer wieder freiwillig genommen und deswegen trage ich alleine die Schuld dafür .Und das tut dein Sohn auch ! Du hast dem Franz die Frage gestellt warum du seinen Konsum nicht bezahlen sollst was meinst du was passiert er wird sich noch mehr konsumieren und fern von den menschen die konsumieren wird es In auch nicht halten er wird den kontakt suchen den wer will schon mit Mama party machen .Er wird wohl noch ne weile brauchen bis es klick bei im macht ich hoffe nur für dich das es nicht allzu lange dauert .l.g Maya

  • Einer Frau wurde geraten, sie soll ihrem Mann die Kinder entziehen. Es wurde mit " Kindesschutz" begründet.

    Aber unterschwellig hörte ich als sensibler Mensch heraus, dass es als reines Druckmittel gedacht war.

    Dieser Frau wurde zudem geraten, sie soll sich dafür einsetzen, dass die Kinder in die große Immobilie, welches diese Eheleute hatten,

    mit eingetragen werden, damit sie erben, falls die Immobile, welche bedroht war flöten zu gehe.

    In Wahrheit war es die Immobilie des Mannes, die Frau hat rein geheiratet.

    Ich fand diese Methoden sehr unoralisch und ganz sicher nicht hilfreich für den Suchtkranken- ganz im Gegenteil.

    Dieser Frau wurde geraten, sie soll mit den Kindern aus ziehen. Ihrem Mann verlassen, so zu sagen.

    Alles als Druckmittel gedacht, mit dem Vorwand- die Angehörigen zu schützen.

    Ich fragte mich immer: vor was schützen? Sind Alkoholiker Monster?

    Bis ich drauf kam was wirklich aubläuft.

    Gefährlich, wenn emanzipierte Frauen in derartige sensible Themen das Zepter schwingen.

    Mich hat es immer erschreckt. Die Beraterin rümpfte schon immer die Nase wenn ich aufkreuzte, weil ich ihr dagegen redete.

  • Du hast noch nicht verstanden er wird dich als Spielball benutzen er drückt auf die tränendrüse und Mami hüpft ich werde dir jetzt mal was sagen solange er drauf und nichts verstanden wird sich nichts ändern .Ich sagte dir ich war nicht immer nett und wir haben Leute als Spielball benutzt und du bist leider der perfekte Ball tut mir leid wenn ich dich angreife.Aber du verstehst manche Dinge nicht wünsche dir trotz allem viel Erfolg

  • Guten Morgen Maya,


    Drogen schneiden bei den Konsumenten die Gefühle ab. D.h., die Betroffenen haben keinen Zugang zu ihrem Herzen.

    Sie empfinden keine Mitgefühl, kein Mitleid, können sich in andere Menschen null einfühlen.

    Es sind schon die Drogen, welche Menschen zum Bösen verändern.

    Nicht sie selbst sind es. Noch dazu sind die Süchtigen in einer enormen Stresssituation: Beschaffung, kein Geld, Suchtdruck, usw.

    Da kann keiner freundlich sein.

    Ich habe bei meinem Sohn die Veränderungen hautnah mit erlebt. Von einem lieben, unglaublich weichherzigen, guten Buben zu einer Gefahr für mich und sein ganzes Umfeld.

    Es waren die Drogen!

    Und das mit dem Spielball- macht er auch nicht mit Absicht. Es ist die Not.


    Das Du von den Drogen weg gekommen bist, zeugt von einer unglaublichen Stärke.

    Ich denke, dass gibt es eher selten, dass Menschen davon los kommen und so stabil und gefestigt sind und bleiben wie Du.

  • Hallo Herbstwind da muss ich dir zu 100 Prozent zustimmen leider ist es so .Ich nehme jetzt seid 6 Jahren keine harten Drogen mehr und bin immer noch Gefühlskalt und mein Herz ist teilweise immer noch gefroren ist mittlerweile aber minimal besser geworden und bin bemüht mir fällt es auch immer noch schwer mich in anderen Menschen reinzuversetzen ich hoffe das es mit den Jahren einfach besser wird die Hoffnung stirbt zuletzt .Mein Freund ist ganz das Gegenteil von mir er sagt immer er weiß das ich tief in mir ein total liebenswerter mensch wäre .Ich werde mich auch weiterhin bemühen den ich möchte nicht mehr so sein wie ich gewesen bin .Gib deine Hoffnung nie auf zwecks deines auch er wird irgendwann an einen punkt kommen wo er es einsehen wird .l.g Maya


    Hallo Herbstwind im letzten Satz sollte es heißen gibt deine Hoffnung nie auf zweck deines Sohnes

  • Er war mal so ein liebenswerter Junge....genau, er war mal... und die Tatsache gilt es anzuerkennen und auf sein jetziges Verhalten zu reagieren. Mittlerweile ist er nämlich fast dreißig.

    Du schreibst ja immer wieder, dass er nur dich habe. Ich würde das Ganze mal umdrehen. Wen oder was hast du in deinem Leben, wenn du deine Energie von deinem Sohn abziehst und ihn in ein selbstverantwortliches Leben entlässt (ihn lassen!)?

    Das ist nämlich dein Job als Mutter - ihn seinen Weg gehen zu lassen. Dein Job ist es schon lange nicht mehr ihn unter Welpenschutz zu halten. Das du es trotzdem tust , liegt einzig und alleine an dir. Ganz ehrlich, du bist mega aufdringlich deinem Sohn gegenüber.

  • Hallo Herbstwind,

    Die Angehörigen, welche ich in den Gruppen getroffen habe, hingen sich an den Beratern fest wie an einem Strohhalm und

    setzten auch vieles 1 zu 1 um von dem was ihnen dort gesagt wurde.

    Ich habe von keinen einzigen Fall mit bekommen, dass er dadurch gesund wurde, oder von der Sucht los kam.

    Du als Angehörige gehst ja auch für Dich in so eine Gruppe. Das Loskommen von den Drogen muss schon der Süchtige selbst übernehmen. Aber Du scheinst Dich und Deinen Sohn eh als eine Art Symbiose zu sehen.


    In modernen, fortschrittlichen Beratungsstellen wird dieses Wort "Co- Abhängigkeit" gar nicht mehr erwähnt.

    Das stimmt meines Wissens nur zum Teil. Man verwendet den Begriff zwar nicht mehr so häufig. Aber dass es ungünstiges und suchtförderndes Verhalten von Angehörigen gibt, liegt glaube immer noch auf der Hand. Und sorry, aber wer "seinen" Suchtler nur in Schutz nimmt, zu allem Ja und Amen sagt, hinnimmt, dass er alles verweigert, ihn oder sie in Watte packt, sich finanziell verausgabt und alles mit sich machen lässt, sich zum Spielball macht, wie es Maya113 so treffend schreibt, verhält sich "suchtfördernd", wenn Dir der Ausdruck besser gefällt - und schadet obendrein sich selbst. Schließlich schreibst Du ja selbst, dass Dir schon Angst und bang davor ist, dass der "Wahnsinn" wieder losgeht, wenn Dein Sohn rauskommt. Ich frage mich immer mehr, ob Du selbst für Dich eigentlich was ändern möchtest?

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