Benzos reduzieren mit 88 Jahren

  • Hallo zusammen,

    meine Oma ist 88 Jahre alt.

    Sie ist für ihr Alter noch sehr fit, läuft ohne jegliche Hilfe und kommt grundsätzlich noch sehr gut zurecht. Sie ist zwar etwas tüdelig geworden, aber insgesamt noch erstaunlich selbstständig.

    Trotz ihres Alters hat sie noch einen relativ großen Freundeskreis. Rund um das Pflegeheim, in dem sie wohnt, hat sie viele Kontakte in der Siedlung geknüpft und kennt dort auch einige, teilweise deutlich jüngere Menschen. Sie nimmt weiterhin aktiv am sozialen Leben teil.

    Sie wohnt inzwischen in einem Pflegeheim, hauptsächlich wegen Problemen mit der regelmäßigen und sicheren Einnahme ihrer Medikamente.

    Das größte Thema ist dabei ihr Oxazepam. Sie nimmt es seit ungefähr 25 Jahren, inzwischen 50 mg täglich. Ihr aktuelles Gewicht liegt nur noch bei etwa 42 kg.

    Mein Eindruck ist, dass sie mittlerweile jeden Tag einen leichten Interdosisentzug durchmacht, weil die Wirkung der Dosis nicht mehr bis zur nächsten Einnahme ausreicht.

    Ich selbst habe keine Erfahrung mit einer Benzodiazepinabhängigkeit oder einem vergleichbaren Medikamentenentzug und kann daher schwer einschätzen, was bei einer Reduktion tatsächlich auf sie zukommt. Nach meinen bisherigen Recherchen scheint ein Benzodiazepinentzug aber eine ganz eigene Herausforderung zu sein. Deshalb würde ich mich sehr über Erfahrungen von Betroffenen oder Angehörigen freuen.

    Wir waren heute in der Drogenambulanz der örtlichen Psychiatrie. Dort würde man gerne mit ihr einen ambulanten Langzeitentzug durchführen.

    Was mich besonders interessiert: Wie groß ist der Unterschied zwischen einem bestehenden Interdosisentzug, den sie aktuell offenbar täglich erlebt, und den Beschwerden, die durch den nächsten Reduktionsschritt entstehen?

    Leider wurde sie über die Risiken einer so langfristigen Benzodiazepineinnahme offenbar nie richtig aufgeklärt. Ihr damaliger Hausarzt hat die Problematik anscheinend nicht ausreichend thematisiert.

    Es gab bereits einmal ein Wochenende, an dem sie es nicht geschafft hatte, rechtzeitig an ihr Medikament zu kommen. Dadurch ist sie unfreiwillig in einen stärkeren Entzug geraten. Sie hatte damals Erbrechen (sie konnte teilweise nicht einmal Wasser bei sich behalten), massive Schlafprobleme, Frieren, Schwindelgefühle und Herzklopfen.

    Eine deutlich abgeschwächte Version dieser Symptome beobachte ich inzwischen fast täglich etwa zwei bis drei Stunden vor der nächsten Einnahme. Herzklopfen, Magenbeschwerden, ein Druckgefühl im Unter und Oberkörper und Benommenheit.

    Mir geht es bei der ganzen Sache nicht darum, meiner Oma ihre tägliche Tablette wegzunehmen oder ihr die letzten Jahre schwerer zu machen. Wenn sie damit gut leben kann, gönne ich ihr diese Erleichterung absolut.

    Was mir aber Sorgen macht: Wenn sie mit dieser Situation noch weitere 10 Jahre lebt, würde ich mich irgendwann fragen, ob wir nicht zumindest den Versuch hätten machen sollen, die Abhängigkeit langsam und kontrolliert zu reduzieren.

    Gerade weil sie noch so aktiv ist, soziale Kontakte pflegt und weiterhin am Leben teilnimmt, möchte ich nicht einfach akzeptieren, dass die nächsten Jahre möglicherweise durch ein Medikament bestimmt werden, bei dem es vielleicht noch eine Chance auf eine Verbesserung gibt.

    Gleichzeitig ist mir bewusst, dass ein Entzug in ihrem Alter auch Risiken und Belastungen mit sich bringt. Genau deshalb suche ich nach Erfahrungen von Menschen, die so etwas schon erlebt haben – insbesondere bei älteren Menschen und bei einer so langen Einnahmedauer.

    Es geht mir ausdrücklich nicht darum, eine Entscheidung gegen oder für einen Entzug zu treffen. Das wird gemeinsam mit den behandelnden Ärzten entschieden. Auch eine stationäre Aufnahme in der Psychiatrie kommt für sie nicht infrage.

    Ich würde einfach gerne verstehen, was auf sie zukommen könnte und wie andere Menschen – gerade auch ältere Betroffene – einen solchen langsamen Entzug erlebt haben.

    Vielen Dank für eure Erfahrungen.

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