Hallo! ![]()
Ich möchte hier den Safe Space nutzen, um mich über meine jetzige Situation mitzuteilen, da ich in meinem Umfeld nicht darüber reden möchte.
Also:
Ich habe mit 16 meinen ersten Joint geraucht und bis zur Legalisierung nie mein eigenes Weed gekauft. D.h. Ich hatte nie richtig viel konsumiert, sondern in irgendwelchen lockeren Runden mit Freund*innen gekifft. Mir hat dieses High-Gefühl gefallen, da es mir ermöglichte, meine Kreativität als Künstlerin richtig ausdrücken zu können.
Als ich dann vor zwei Jahren mit unerträglichen Rückenschmerzen wegen Bandscheibenvorfall nach Not-Kaiserschnitt (ich hatte 24/7 ein Schmerzlevel von mind. 6/10) und postnatalen Depressionen keinen anderen Ausweg fand als mir medizinisches Gras (online Apotheke) zu besorgen, fing der Konsum an. Ich hatte damals nämlich keine Ärzt*innen, die mir helfen wollten/konnten, weil keiner Neupatient*innen mehr aufnehmen konnte und ich nicht fähig war, weiter weg zu fahren, da ich schon nach 10min. Gehen/stehen/sitzen starke Schmerzen hatte. Ich hatte einfach keine Lebensqualität mehr und zusätzlich auch noch starke Suizidgedanken. Dh ich war komplett verzweifelt und niemand konnte oder wollte mir helfen. Ich hatte als frische Mama nur meinen Partner als Support, der zu dem Zeitpunkt auch noch unter starkem Burn-out gelitten hatte.
Dann wurde Gras legalisiert und ab dem Zeitpunkt habe ich jeden Tag konsumiert. Meine Welt wurde wieder bunt und ich konnte endlich mehr mit meiner Tochter unternehmen, den Haushalt erledigen, mir Mut und Hoffnung geben und mich bewegen und paar Rückenübungen machen. Es hat mir wortwörtlich zu dem Zeitpunkt das Leben gerettet. Sobald ich high war, waren die Suizidgedanken weg und mein Lebenswille stark.
Dann haben wir unser Leben ändern müssen: Wegziehen von Brandenburg nach Bayern zu meinen Eltern, Studium Abbruch, Job Kündigung, etc. um unsere Lebensqualität zu verbessern. Denn das Gras allein war natürlich nicht genug, um meine Symptome komplett zu lindern. (Was für eine Überraschung 😅).
Immer wenn ich kurz vor einer Panikattacke war, depressive Stimmung hatte, antriebslos war und wieder starke Schmerzen (wegen Rücken oder Periode) hatte, kam der Joint (1-3 Züge) zum Einsatz. Am Anfang war es nur ein Sticky verteilt über den ganzen Tag. Dann ein Joint Pro Tag, dann 2, dann 3 und bis vor paar Tagen dann 4 über den ganzen Tag verteilt. Als ich dann festgestellt habe, dass ich innerhalb eines Monats 10g weggeraucht hatte und ich eigentlich diese Wirkung nicht mehr spüre, sondern das Gegenteil (Antriebslosigkeit, Müdigkeit, keine Geduld für meine Mitmenschen, Depressionen, Gereiztheit), habe ich endlich kapiert, dass ich in einer Sucht stecke. Das war das Letzte, was ich wollte, denn ich dachte ich achte sehr gut darauf, nicht süchtig zu sein und habe es doch „nur für rein medizinische Zwecke benutzt“. Ich habe mich irgendwann einfach angelogen und das realisiere ich erst jetzt. Ich wollte nicht als eine Rabenmutter verurteilt werden und habe meinem Umfeld immer gesagt, dass ich das im Griff habe, weil „ist ja nur ein Joint über den ganzen Tag verteilt und auch nur mit Kräuter statt Tabak, weil da die Suchtgefahr geringer ist“. Aber eigentlich habe ich am Ende meinen Konsum missbraucht und dann nur noch aus Langeweile, Belohnung und zum chillen mit Freund*innen gekifft. Ich nehme zusätzlich seit ein paar Monaten Bupropion, Ritalin (wurde wegen ADHS verschrieben) und Metformin (weil mein Körper eine Insulinresistenz entwickelt hat, die wahrscheinlich wegen der vielen Munchies erzeugt wurde). Meine Psychologin, meine Psychiaterin und meine Hausärztin wurden auch von Anfang an darüber informiert, weil ich medizinisch begleitet werden wollte falls was wäre.
Vor drei Tagen habe ich beschlossen nicht mehr zu kiffen. Gestern hatte ich aber drei Züge eines Stickys, weil ich kurz vor einer Panikattacke war und ich nach einem sehr sehr anstrengenden Arbeitstag nicht meiner Tochter antun wollte, dass mama vor ihr eine Panikattacke bekommt. Es hat sich wie Versagen angefühlt, aber es hat geholfen. Als die Wirkung weg war, wollte ich wieder ein paar Züge nehmen, aber habe sofort gemerkt, dass es aber nicht richtig wäre, weil ich ja aufhören möchte und ich keine Beschwerden habe. Ich hatte immer wieder kleine Panikattacken, eine starke innere Unruhe und Stimmungsschwankungen. Dank dieses Forums habe ich dann verstanden, dass es sich dabei um Symptome eines Entzugs handelt. Also werde ich nicht mehr bei Panikattacken und co. darauf zugreifen, weil ich glaube, dass mich mein Körper vielleicht austricksen möchte.
Deswegen danke für dieses Forum und danke an die Menschen, die sich hier öffnen und über ihre Erfahrungen berichten! ![]()
Ich hatte Angst, dass ich nicht mehr ohne schlafen kann, aber ich habe gleich am ersten Tag ohne Gras angefangen, abends 15 min. Yoga vor dem Schlafen zu machen und nach dem Aufwachen auch. Das hilft mir bisher sehr gut. Bei Panikattacken versuche ich mich für paar min. Zurückzuziehen und ein paar Atemübungen zu machen, aber das ist alles echt nicht so einfach. Ich habe das alles so krass unterschätzt.
Ich würde mich freuen, wenn ich ein paar Erfolgsberichte oder generell Erfahrungsberichte höre, damit ich mich noch mehr motivieren kann.