Hallo Jenny und Pink Zebra,
ich muss sagen, dass es mir sehr leid tut was ihr beide durchmacht. Ihr seid 2 Frauen mit einem völlig berechtigten Wunsch nach einem erfüllten Leben. Mit einem süchtigen Partner ist das nur schwer oder eher gar nicht zu erreichen.
pInK Zebra: Auch wenn es sich bei dem Suchtmittel deines Partners "nur" um Cannabis handelt, ist es für dich extrem belastend. Dass die Unfruchtbarkeit, oder besser Zeugungsunfähigkeit, vom Gras herrührt, bezweifle ich. Zumal du ja auch von Schwangerschaften berichtest. Aber eigentlich möchte ich dir sagen, dass nur mit der eigenen Überzeugung, nicht mehr konsumieren zu wollen, eine dauerhafte Abstinenz gelingen kann. Und danach sieht es bei deinem Partner leider nicht aus.
Ich will euch beiden mal aus meiner Perspektive berichten. Es gibt hier ein Thema zu meiner Geschichte, es lautet: "Dieses Mal für immer"
Darin beschreibe ich sehr ausführlich meine Auseinandersetzung mit der Cannabis-Abhängigkeit.
Und viel zu selten oder viel zu wenig habe ich an meine Frau und meine Familie gedacht. Wenn ich konsumiert habe, war ich launisch, ungerecht, egoistisch und wollte immer nur meine Ruhe. Es gab nur gaaaaanz wenig Platz für die Bedürfnisse und Belange meiner Liebsten. Im Laufe der Jahre gab es häufiger den Versuch, den Konsum von Cannabis zu beenden. Es ist mir jedes einzige Mal seeeeeehr schwer gefallen. Der Entzug und der anschließende Absturz in depressive Verstimmungen hat dann meine Familie nur noch zusätzlich aufs Neue belastet. Auf jeden Fall drehte sich auch dann wieder alles nur um mich.
Ich will euch damit sagen, dass es so oder so eine schwere Zeit werden wird und dass die Sucht immer bleiben wird. Man kann halt abstinent leben, aber Sucht ist nun mal eine Krankheit.
Ich bin natürlich sehr dankbar, dass meine Frau immer zu mir gehalten hat. Und auch meine Kinder haben noch Achtung vor mir.
Seid euch im klaren darüber, was das Zusammenleben mit einem Abhängigen wirklich bedeutet. Es können liebenswerte Menschen sein. Meine Frau hat diese Anteile in mir auch immer gesehen (zum Glück!) und viel Kraft aufgebracht, um mich jedes Mal aufs Neue wieder zu erretten! Dafür werde ich ihr auf ewig dankbar sein. Ich lebe jetzt seit dem 02. März mal wieder abstinent vom Cannabis und es fällt mir auch sehr schwer. Nicht das Verzichten auf den Konsum, sondern eher das Klarkommen im tatsächlichen Leben.
Vor allem dir, Jenny, möchte ich raten, die Drogenberatungsstelle wieder zu kontaktieren. Die bieten auch Unterstützung und Beratung für Angehörige. Kokain ist aus meiner Sicht auch ne Spur heftiger als "nur" Gras! Außerdem sind in eurer Beziehung/Ehe auch Kinder vorhanden. Die verdienen und bedürfen besonderen Schutz.
Und dich, Pink Zebra, möchte ich darauf hinweisen, dass dein Partner schon sehr früh zu kiffen angefangen hat. Das macht den dauerhaften Verzicht natürlicher noch schwerer. Ähnlich wie bei mir. Ich war sechzehn, bzw. knapp siebzehn Jahre alt, als das Gras mich in seinen Bann gezogen. Es fällt mir ja bis heute schwer, bzw., es ist mir bis heute nicht gelungen, dem Leben eine Farbe zu geben. Eine Farbe, die mich langfristig vor erneutem Konsum bewahrt. Und ich halte es für ausgeschlossen, dass ein moderater (kontrollierter) Konsum in der Regel für Menschen mit so starker Abhängigkeit über einen so langen Zeitraum funktioniert. Also, wenn solche Vorschläge gemacht werden bitte schön skeptisch und vorsichtig sein!
Loulou bringt es auf den Punkt. Einfacher und unkomplizierter ist das Leben ohne einen abhängigen Partner. Sicher ist man dann erst wieder alleine. Sicher trägt man dann die Verantwortung für die Kinder alleine (sofern es nicht jetzt auch schon so ist). Eine Perspektive kann sich aber dann wieder entwickeln.
Andererseits ist es auch möglich eine Sucht zu überwinden, wenn man es wirklich möchte. Aus tiefster und EIGENER Überzeugung. Dazu braucht man Unterstützung. Ohne meine Frau hätte ich schon längst wieder aufgegeben, aber es kann hilfreich sein, wenn man als Abhängiger seine Komfortzone verlassen muss. Ich will damit sagen: Ist die Partnerin oder der Partner erst einmal weg (wenn auch nur vorübergehend), muss man sich dafür anstrengen, ihn oder sie zurückzubekommen. Und um seinen Partner beim Entzug zu unterstützen, muss man nicht direkt mit ihm zusammenleben. Es muss ja nicht immer direkt ne eigene Wohnung sein. Manchmal kann man auch vorübergehend zu einer guten Freundin oder zu den eigenen Eltern ziehen. Spätestens dann wird die Suchtproblematik aber auch öffentlich.
So oder so: Ich empfehle euch beiden, Beratung und Unterstützung anzunehmen. Professionell durch ne Drogenberatungsstelle aber auch eine Vertrauensperson mit einzubeziehen. Ebenso wird es vermutlich zu Beschwichtigungen, Rückfällen, Lügen, etc. kommen. Das ist leider Teil des ganzen teuflischen Suchtdings.
Nur in der jetzigen Situation auszuharren, wird nichts verändern. Der Konsument muss ja hier nichts tun und hat es bequem. Kein Grund zur Veränderung der Gewohnheiten. Er kann konsumieren und Partnerin, bzw. Partnerin und Kinder sind trotzdem da. Ständige Konflikte wegen des andauernden Konsums kann man prima mit Drogen ignorieren!
So die Sicht eines Süchtigen, der seit 33 Jahren Cannabis konsumiert.
Alles Gute für euch beide und lasst hier was von euch hören!
BUD