Hydromorphon

  • Ich möchte meine Entzugsgeschichte über Hydromorphon teilen, auch um etwas Optimismus und Hoffnung zu verbreiten. Es geht (bis jetzt)!


    Ich bin Anfang 2016 mit Multiplem Myelom diagnostiziert worden. Das ist ein (leider immer noch unheilbarer) Knochenmarkkrebs, der mit einer Stammzellentransplantation behandelt wird. Aber darum geht es jetzt nicht. Einfach beschrieben, verwandelt sich beim MM das Knochenmark in eine Art ätzende Säure, die die es umgebenden Knochen zerfrisst. Zusätzlich produziert dieses veränderte Knochenmark anstatt normaler Blutzellen ein Art Gift, das Nieren, Herz und Leber schädigt.


    Durch die Zerstörung der Knochensubstanz hatte ich insgesamt 6 pathologische (also anlasslose) Rippenbrüche und danach 4 zusammengebrochene Wirbel, 3 BWS und 1 LWS. Durch die mit den Wirbelbrüchen verbundenen Schmerzen konnte ich mich faktisch nicht mehr bewegen, und wurde also parallel zu den Krebs-Chemos palliativ behandelt. Bei einer Dosis von 2x 24mg retardiertem Hydromorphon (plus Palladon akut für Schmerzspitzen) war dann die Dosis erreicht, die die Schmerzen erträglich machte.


    Das Palladon habe ich dann in den folgenden Monaten vielleicht drei- oder viermal nehmen müssen, den Rest der Großpackung habe ich letztes Jahr wegen Ablauf des Haltbarkeitsdatums entsorgt. Im Spätsommer 2016, während der Anschlussheilbehandlung, habe ich dann nach Rücksprache mit meinen Ärzten, aber ohne deren Begleitung, die Hydromorphondosis von 2x 24mg auf 2x 16mg reduziert. Ich hatte dabei einige physische Probleme, vor allem Krämpfe und Schmerzen in den Füßen und Restless-Leg-Syndrom, aber das ließ sich relativ leicht ertragen. Im Frühjahr 2017, also etwa ein Jahr nach dem ich auf 24mg eingestellt war und ein gutes halbes Jahr nach der Reduktion auf 16mg, habe ich die Dosis dann nochmal von 2x 16mg auf 2x 8mg reduziert, wieder mit ärztlicher Genehmigung, aber ohne deren Begleitung. Die Probleme waren vergleichbar mit denen der vorherigen Reduktion, für mich gut ertragbar. Bei beiden Reduktionen hat es etwa 2 Wochen gebraucht, bis ich keine Entzugssymptome mehr hatte.


    Jetzt habe ich ungefähr 2 Jahre lang täglich 2x 8mg genommen und diese Dosis vorgestern auf 2x 4mg reduziert, vor allem auch um auszutesten, ob ich überhaupt noch soviel von dem Zeug brauche, um meine Schmerzen im Griff zu halten. Ich glaube nämlich, dass die Schmerzsituation im Rücken mittlerweile weitgehend ausgeheilt ist und ich möglicherweise gar keine Schmerzmittel mehr brauche. Ich habe den Eindruck, dass die Entzugssymptome etwas stärker sind als früher (Magen- und Gelenkschmerzen sind neu) aber bislang immer noch gut ertragbar.


    Sofern die Schmerzsituation es zulässt, ist es mein Plan, bis Ende des Jahres Hydromorphon ganz abzusetzen. Ich werde weiter berichten, wie es mir dabei so ergeht.

    Dein Leben dreht sich nur im Kreis, so voll von weggeworfener Zeit,

    deine Träume schiebst du endlos vor Dir her.

    Du willst noch leben irgendwann, doch wenn nicht heute wann denn dann,

    denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her!


    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

  • Dann mal gutes Gelingen, bin gespannt wie es weiter geht ...

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Dann mal gutes Gelingen, bin gespannt wie es weiter geht ...

    Ich auch. Die meisten Entzugserscheinungen merke ich kaum (meine Frau beschwert sich aber über meine zuckenden Beine während ich schlafe), die meisten Probleme machen die Magenschmerzen. Erst zwei Tage mit Krämpfen, jetzt einfach ein ständiger Schmerz, der vom morgendlichen Aufwachen bis zum nächtlichen Einschlafen kontinuierlich stärker wird. Ich habe heute meine Frau zu ihrem Termin bei unserem Hausarzt begleitet und er hat mir ein paar Medikamente empfohlen die da helfen könnten, aber ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht brauche, ich werde das aussitzen. Fand er gut, weil diese Medikamente wohl alle auch nicht ohne sind. Psychische Probleme habe ich bis jetzt (nach 5 Tagen) keine.


    Auf die Rückenschmerzen hat sich die Reduzierung bislang nicht deutlich ausgewirkt. Ich merke bis jetzt nur eine ganz leichte Verschlechterung um weniger als einen halben Punkt auf der Schmerzskala von 0 bis 10. Das ist schon mal gut.


    Nachdem ich hier so einige Beiträge gelesen habe, bin ich ziemlich froh, dass der Tramadol-Kelch an mir vorbeigegangen ist. Ich hatte das Anfangs auch als zusätzliches Schmerzmittel bekommen, es aber nach etwa einer Woche abgesetzt, weil ich davon Hautausschläge bekommen hatte. Dann wurde noch eine Novalgin-Unverträglichkeit festgestellt. In der Folge habe ich fast ein Jahr lang zusätzlich zum Hydromorphon täglich 1000 bis 2000 mg Paracetamol verschrieben bekommen. Meine Leber scheint das nicht sonderlich beeindruckt zu haben. Glück gehabt.

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    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

  • Was den Magen angeht, würde ich zumindest mal bei der Ernährung mehr drauf achten, das könnte ein wenig unterstützen :)

    Da würden sich Tomaten, Fenchel, Karotten, grüne Salate, Zucchini, grüne Erbsen und junge Kohlrabi als magenschonende Kost anbieten.

    Das Ganze könnte mit Sättigungsbeilagen wie Reis, Kartoffeln, und Nudeln erweitert werden.


    Zusätzlich Tramal und Novalgin wäre auch blöd, aber ob diese Medis schlimmer beim Absetzen sind, würde ich so pauschal nicht unterschreiben.


    Wo stehst denn auf der Schmerzskala?


    Da ich in näherer Zukunft auch eine neue OP anstrebe, hab ich auch ein Absetzen von Tilidin vor mir.

    Bei mir sind es 2 Baustellen, auch Wirbelsäule (HWS ist schon versteift, LWS operiert) und Bein/Hüftbereich (Schwerbehinderung nach Kompartmentsyndrom).

    Ich muss/möchte auch meine Schmerzen lokalisieren können, wobei ich nie schmerzfrei bin, aber letztlich nicht genau angeben kann, wo es auf den Zentimeter zwickt :D


    Ja ja, die Beine machen meist Probleme beim Entzug, das kann auch extrem heftig werden ... :kotz:

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    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Wo stehst denn auf der Schmerzskala?

    Kommt auf die Tageszeit und die Belastungssituation an. Abends ist es meistens etwas schlechter als morgens, aber ich bin meistens bei 1 bis 2. Wenn ich viel gehen musste oder länger auf unbequemen Stühlen sitzen musste, kann das - trotz Hydromorphon - dann aber auch auf 3 - 4 gehen. Wenn ich meinen Rücken überlaste (etwas zu Schweres trage, z.B.) dann geht es auch auf 5 bis 6 hoch. Aber wie gesagt, mein Normalzustand sind gut erträgliche 1 bis 2, und das scheint sich jetzt nach der Reduktion der Dosis ein ganz klein wenig verschlechtert zu haben.


    Mit der Lokalisierung meiner Schmerzen hatte ich bislang keine Probleme.


    Ich meine auch mittlerweile tatsächlich zu bemerken, dass ich insgesamt bereits etwas wacher, aktiver und munterer werde. Als Folge der Chemos, Bestrahlungen und Stammzelltransplantation leide ich u.a. an einem ausgeprägten chronischen Fatigue-Syndrom und bin eigentlich immer müde. Das Hydromorphon hat das sicherlich verstärkt. Das wäre ein toller und eigentlich gar nicht erwarteteter Nebeneffekt, wenn sich die Reduzierung spürbar positiv auf meine ständige Müdigkeit auswirken würde.

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    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

  • Die physischen Entzugserscheinungen haben sich seit gestern deutlich verstärkt. Zu den Magenschmerzen ist nun noch Durchfall hinzugekommen, vor allem die Gelenkschmerzen werden mittlerweile fast unerträglich. Ich habe heute morgen 2 Paracetamol eingeworfen, aber das hat bislang nicht wirklich geholfen. Ich habe jetzt eine Woche hinter mir, das breche ich jetzt nicht mehr ab. Das Restless-Leg-Thema hat sich mittlerweile gelegt, dafür habe ich mehr polyneuropathische Beschwerden in den Füßen, aber nur leicht.


    Heute Nachmittag habe ich eine fünfstündige Zugfahrt vor mir, glücklicherweise zusammen mit meiner Frau. Alleine würde ich das jetzt nicht machen. Meine Rückenschmerzen haben sich nicht weiter verschlechtert, mal sehen wie sich diese Belastung auf meine Rückenschmerzen auswirkt. Ist ein guter Test, ob meine Theorie bezüglich der mittlerweile eigentlich unnötigen Schmerzmedikamente stimmen könnte.


    Psychische Probleme habe ich weiterhin keine. Weder Depressionen oder so etwas noch "craving". Andererseits scheint das Ganze meinen Körper schon ganz schön anzustrengen, weil sich seit gestern das Fatigue-Syndrom wieder zugeschaltet hat (macht es immer, wenn ich etwas anstrengenderes als einen Nachmittagsspaziergang mache) und ich bin ziemlich müde und erschöpft. Dann kann ich wenigstens heute Nachmittag im Zug gut schlafen.

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    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

  • Und wie geht's nun weiter, ich vermute du hast 4 oder 2 mg Retard, oder?

    Also willst du in den Schritten weiter reduzieren - also demnächst von 2 x 4 mg auf 2 x 2 mg?


    Deine Theorie müsstest aber schon noch extrem ausweiten, das wird sich vermutlich erst rausstellen, wenn längere Zeit auf 0 bist, oder?

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    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Ich habe ja erst vorige Woche von 2x 8mg auf 2x 4mg reduziert. Und ja, es sind Retardtabletten. Ich werde es bei 2x 4mg lassen, bis ich mich damit komfortabel fühle, also wahrscheinlich ein Vierteljahr oder so. Danach plane ich auf 2x 2mg zu reduzieren, und wenn das funktioniert möchte Ende des Jahres ganz vom Hydromorphon weg.


    Entscheidend ist, wie sich die Reduktion auf die Schmerzen in meinem Rücken auswirken. Das ist nicht ganz so einfach abzuschätzen, weil ich mit den bisherigen 2x 8mg ja kaum Schmerzen hatte und ich nicht wirklich beurteilen kann, ob das tatsächlich ein Effekt der Medikation ist oder ob ich mittlerweile schlicht kaum noch Rückenschmerzen habe, weil sich nach drei Jahren die Nerven da schon weitgehend beruhigt haben. Nach einer Woche Reduktion auf 2x 4mg merke ich jedenfalls an der Stelle keinen großen Unterschied.


    Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass ich bei einer Reduktion um "nur" 4mg so deutlich spürbare Entzugserscheinungen bekomme. Ich hatte ja vorher schon zweimal um jeweils 8mg reduziert und das weitgehend problemlos weggesteckt, jedenfalls kein Vergleich mit jetzt.


    Ich habe übrigens gestern auf Youtube ein Interview gesehen, in dem ein Junkie aus Kanada berichtete, dass er mit Hydromorphon eine Substitution macht. Das wusste ich noch nicht, dass dieses Medikament auch dafür verwendet wird.

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    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

  • Die Probleme lösen sich leider (noch) nicht in Luft auf. Ich sitze nun mit einer Wärmeflasche auf dem Bauch und einem Becher Kamilletee neben mir auf einem Sessel und fühle mich nicht gut. Die Magenkrämpfe sind zwar weg, aber wurden ersetzt durch eine ständige leichte Übelkeit und eine Appetitlosigkeit, die ich eigentlich nur aus meiner Chemozeit kenne. Mit Verstopfung hatte ich eigentlich nur vor drei Jahren, als die Dosis noch deutlich höher war, ein Problem, jetzt habe ich das Gegenteil davon, zwar keinen Durchfall, aber es kommt seit zwei Tagen nur noch flüssig raus. Die Gelenkschmerzen sind auch noch nicht weg.


    Ich bin derzeit bei Verwandten zu Besuch, die im Gegensatz zu mir einen Fernseher haben. Heute Abend steht European Song Contest auf dem Programm. Vielleicht heitert mich das ja ein wenig auf. =)

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    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

  • Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass ich bei einer Reduktion um "nur" 4mg so deutlich spürbare Entzugserscheinungen bekomme.

    Ich finde es ist nicht "nur" ein kleiner Schritt, die mg mögen harmlos aussehen, aber die prozentuale Reduktion ist schon enorm.

    Manche Retard sind aufgrund von Pellet-Galenik teilbar, kannst du nicht jeweils nur 1 mg runter gehen?


    mit Hydromorphon eine Substitution

    Entzugen wird mit allem möglichen Stoffen, wenn es auch nicht unbedingt üblich ist.

    Aber da dürfte wohl der Gedanke dahinterstehen, erstmal weg von H, weg von der Nadel, weg vom Dealer und weg von dreckigem Stoff ...


    Und, hat der Song Contest geholfen?

    "Muss" den am Samstag auch anschauen, aber Gott sei Dank ist das einer von ganz wenigen Sendungen im Jahr, wo sich die Geschmäcker in unserem Hause so gravierend unterscheiden :D

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    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Ich finde es ist nicht "nur" ein kleiner Schritt, die mg mögen harmlos aussehen, aber die prozentuale Reduktion ist schon enorm.

    Manche Retard sind aufgrund von Pellet-Galenik teilbar, kannst du nicht jeweils nur 1 mg runter gehen?

    Für mich war es ein kleiner Schritt, weil ich ja schon zweimal vorher gleich um 8mg reduziert hatte, das zweite Mal waren es dann auch 50%, und da hatte ich fast gar nichts bemerkt. Ich hätte statt um 4mg auch nur um 2mg reduzieren können, die Retardtabletten oder -kapseln gibt es auch in 2mg (aber nicht in 1mg). Aber wie gesagt, nach meinen vorherigen Erfahrungen mit 8mg Reduzierungen (bzw. einer 50%-Reduzierung) habe ich einfach nicht damit gerechnet, dass mich diese deutlich geringere Reduzierung als bevor so stark treffen könnte. Glücklicherweise habe ich nicht das Hydromorphon gleich vollständig abgesetzt...


    Ich glaube aber, dass ich die Krise jetzt weitgehend überwunden habe. Als ich heute morgen wach wurde, waren die ganzen körperlichen Beschwerden deutlich verbessert, ich fühle mich jetzt nur noch ziemlich schlapp, abgeschlagen und müde. Ich habe in den letzten Tagen kaum was gegessen (und leider auch viel zu wenig getrunken) und mehr als 2kg an Gewicht verloren. Jetzt muss ich in den nächsten Tagen meinen Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung bringen, damit mich mein Onkologe nicht wieder ermahnt weil ich zu wenig trinke, wenn ich am Montag wieder zur Infusion dorthin muss.


    Jetzt wird es nur noch spannend zu beobachten, wie sich meine Rückenschmerzen verhalten. Wie ich schrieb, spüre ich eine leichte Verschlechterung. Wenn das so bleibt wie es jetzt ist, werde ich wohl zunächst bei den nun 2x täglich 4mg bleiben, bis ich in ein paar Monaten die nächste Reduktion, dann aber nur um 2mg, ausprobiere.


    Wer heilt hat Recht: Am Abend Eurovision geschaut, am nächsten Morgen gesundet. Hat sich also in der Tat gelohnt sich das anzuschauen! :thumbsup:

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    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

  • Ich meinte, es würde sich eben eine Reduktion auf 3 mg anbieten, wenn denn der nächste Schritt ansteht ;)

    Packeinheiten sind ja normal 2 und 4 mg, deswegen der Hinweis auf Pellet-Galenik.


    Viele beschreiben, dem Ende hinzu wird es immer schwerer - wenn man auch gleich reduziert oder gar kleiner Schritte geht.

    So hab ich das zum Teil auch erfahren, aber letztlich spielen zig Faktoren ne Rolle - allgem. Zustand, Lebensumstände, sogar das Wetter und und und ...


    Na dann schönes WE und morgen kannst dir ja dann die nächste Gesundung in Form Finale abholen :)

    Bei mir liegt die aber eher im Nachmittag wenn Sport läuft :D

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    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Mit Pellet-Galenik habe ich micht bislang nicht auseinandergesetzt. Mir ist das Rekonfektionieren von Medikamenten eher etwas unheimlich. Da werde ich aber mal mit meinem Arzt und meinem Apotheker drüber sprechen. Danke für den Hinweis!

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    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

  • Mach das und berichte bitte :)


    Aber letztlich besagt es ja nicht mehr, als das man eben solche Retard teilen kann, was bei vielen anderen Retardtabletten nicht möglich ist.


    Zudem gäbe es da ja auch noch die

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    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Ich hatte in der ganzen Zeit Retardtabletten, die in der Tat (wenn auch schlecht) teilbar waren. In seltenen Ausnahmesituationen habe ich das auch mal gemacht (als ich z.B. noch einen Rest 16mg-Tabletten gefunden hatte, nachdem ich schon auf 8mg umgestellt hatte). Jetzt habe ich allerdings Kapseln mit Kügelchen darin, ich müsste also die Kapsel öffnen, die Kügelchen zählen und portionieren. Die 2mg Dosierung gibt es derzeit auch nur in Kapseln. Diese Kapseln sind aber m.W. nicht dafür vorgesehen geteilt zu werden. Aber wie gesagt, ich werde das nochmal mit meinem Arzt und meinem Apotheker besprechen. Nach den jetzigen Erfahrungen will ich mir nicht unnötig das Leben schwer machen, wenn mir statt 2mg auch 1mg-Schritte möglich sind. Diese Wasserlösemethode halte ich für notdürftig zusammengeschustert - das kommt nur in Frage, wenn es sozusagen lebensnotwendig werden sollte und es keine Alternative dazu gibt.


    Was ich verstanden habe ist, dass das Absetzen wohl tatsächlich immer schwerer wird, je näher man der Null-Grenze kommt.

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    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

  • Hi Rabert,

    hab mal ein bisschen mitgelesen und kenne dieses Spiel ziemlich gut... Als aller erstes mal drücke ich dir die Daumen, dass du durch hältst und nicht aufgibst. Bei mir wars erst richtig anstrengend ab dem ersten "Nulltag". Das runterdosieren ist zwar auch nicht toll, aber der weniger dramatische Teil. Ich will dir keine Angst machen, aber bei mir wars so. Jeder reagiert da, denk ich, auch ein bisschen anders. Vorallem aber wünsch ich dir, dass die Schmerzen nicht wieder kommen und einfach weg bleiben.

    Auf gewisse mg runterdosieren ist gar nicht so dramatisch. Richtig lustig wirds erst (ist bei jedem ein bisschen anders) ab 4mg abwärst. Sobald dein Körper merkt, jetzt wirds zu wenig...

    Vielleicht würde es dir ja was bringen, wenn du weiter runter willst und es nicht mehr kleinere Tabs gibt und auch nicht mehr teilbar sind, das du auf ein weniger Potentes Medikament umschwenkst. Welches da passen würde würde ich aber mitm Arzt absprechen.

    Das mit dem Durchfall kann ich auch bestätigen, ist normal... leichte Verschlechterung der Schmerzen ist auch normal. Dein Schmerzhemmsystem ist durch die Medikation lahmgelegt und braucht eine weile bis es wieder anspringt... da braucht man ein wenig Geduld


    Also ich drück dir die Daumen

    Sag´ Du es Ihm, sagte die Seele zum Körper, auf mich hört er ja nicht.

  • Also ich drück dir die Daumen

    Danke! :3:


    Ich werde mir die Zeit geben die es braucht, aber aufhören werde ich mit der Reduktion erst dann, wenn ich bei Null bin oder wenn mir der Rücken sagt, ich sollte besser nicht mehr reduzieren.


    Letzte Nacht bin ich mehrfach mit heftigen Polyneuropathie-Anfällen in den Füssen aufgewacht. So ganz vorbei ist die Sache wohl noch nicht. Meinem Magen und meiner Verdauung geht es zwar schon besser, ist aber immer noch relativ weit weg von normal. Gelenk- und Muskelschmerzen sind aber bereits weitgehend verschwunden. Ich fühle mich nur weiterhin kaputt, abgeschlagen und müde und habe kaum Appetit und mag nichts trinken. Letzteres macht mir langsam ein wenig Sorgen, ich muss mir das Wasser bewusst reinzwingen.


    Das alles ist aber bislang ein Spaziergang im Vergleich zu meinem Zustand während der Krebstherapie, und das habe ich auch durchgestanden. Ich werde das hier durchziehen.


    Die Idee mit einem alternativen, etwas schwächeren Medikament ist auch nicht schlecht. Mein Hausarzt hatte auch mal kurz Benzos zur Milderung möglicher Entzugserscheinungen in den Raum geworfen, haben wir haben das beide sogleich als zu riskant verworfen. In der Gemeinschaftspraxis meines Hausarztes ist auch eine Palliativärztin, die mich auch schon länger kennt, die sollte sich da ja auskennen. Die werde ich mal darauf ansprechen. Der Vorteil von Hydromorphon ist ja dessen geringe psychoaktive Wirkung. Ich würde ungern ein alternatives Medikament nehmen, das diesbezüglich schwieriger ist. Auch wenn ich meine, dass ich nicht besonders suchtanfällig bin. Das führende Wort hat diesbezüglich aber mein Onkologe, der mir auch die Rezepte ausstellt. Den sehe ich am Montag und werde ihn erstmal von meinen Erfahrungen mit der Reduktion berichten. Mal sehen, was der sagt.


    Zumindest habe ich gelernt, dass das vollständige Absetzen des Hydromorphon wohl nicht so einfach ist wie die Reduktion von einer relativ hohen Dosierung auf eine Geringere und deutlich länger dauert, als ich es bislang vermutet hatte. Aber es eilt auch nicht, ich habe ja keinen Zeitdruck.

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    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

  • Ich meinte beim alternativen Medikament die gleiche Wirkstoffgruppe alá Opiat/Opioid. Benzos definitiv nicht... :D Könnt schon ein paar aufzählen die in Frage kommen würden, aber das überlasse ich lieber einem Arzt. Aber letztendlich musst du alles irgendwann absetzen und die Entzugserscheinungen kommen trotzdem. Vielleicht ein wenig milder, aber mit den gleichen Symptomen.

    Jop. Hohe Dosen zu halbieren ist weniger dramatisch als schon sehr geringe Dosen. Aber wo ein Wille, da ein Weg.

    Sag´ Du es Ihm, sagte die Seele zum Körper, auf mich hört er ja nicht.

  • Mann, mann, mann ... gestern Nachmittag / Abend kamen die Gelenk- und Muskelschmerzen mit Macht zurück. Heute morgen beim Aufstehen war es dann etwas besser, aber nicht viel. Nervender ist aber der Durchfall, der einfach nicht aufhören will. Ich befürchte, dass da mein Arzt langsam mal intervenieren muss.


    Mal sehen, wie es weiter geht. Heute Nachmittag wird aber wohl eine Herausforderung, weil ich wieder eine mehr als fünfstündige Zugfahrt vor mir habe.

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  • Die Zugfahrt scheint mir geholfen zu haben, denn als ich gestern Abend wieder zu Hause war, ging es mir schon ein spürbar besser.


    Heute morgen hatte ich dann wieder eine Infusion bei meinem Onkologen und die Gelegenheit genutzt, um mit ihm über den Entzug zu sprechen. Nach seiner Meinung sollte ich das Hydromorphon einfach nicht reduzieren oder absetzen, weil es mir damit ja gut geht und es praktisch keine Nebenwirkungen hat außer Verstopfung (hatte ich schon länger nicht mehr) und verkleinerte Pupillen. Ich weiß noch nicht genau, was ich davon halten soll. Jedenfalls ging es mir bis heute Mittag ganz gut, ich konnte gestern Abend und bis heute Mittag sogar wieder richtig was essen und trinken, bis:


    Wenn ich eine Infusion bekomme, wird immer vorher mein Blut in so einem Automaten auf 20 Werte untersucht. Sah diesmal nicht besonders gut aus und er meinte, ich hätte mir wohl zusätzlich eine Infektion eingefangen. Da jede Infektion bei mir tödlich verlaufen kann, bekomme ich dann immer sofort ein ziemlich starkes Antibiotikum (diesmal Moxifloxacin). Davon wird mir stets übel und ich verliere jeglichen Appetit. Dabei habe ich über die letzten Tage bereits knapp 3 kg Gewicht verloren ...


    Jetzt scheine ich das mit Entzug weitgehend hinter mich gebracht zu haben, und nun fühlt sich mein Magen wieder genauso schlimm an wie in der letzten Woche.


    Mit den Rückenschmerzen scheint es sich dahingehend zu entwickeln, dass sie sich etwas frühzeitiger und etwas häufiger melden als vorher, ohne jedoch stärker zu werden. Das werde ich jetzt erst mal eine Zeitlang beobachten.

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