Hallo zusammen

  • ich bin neu hier und schreibe das mit einem ziemlich schweren Herzen.
    Mein Name ist Sam und ich bin die Partnerin eines Mannes, der gerade seinen sechsten Entzug macht – Benzodiazepine, Cannabis und Alkohol.
    Methadon nimmt er weiterhin. Das soll in einer anschliessenden Langzeittherapie wegkommen. Die letzten Monate haben mich komplett aufgefressen. Ich habe mich selbst so sehr verloren, dass ich kaum noch weiß, wer ich eigentlich bin. Ich war nur noch damit beschäftigt, ihn zu stützen, seine Ausreden zu schlucken, seine Lügen zu ertragen und immer wieder Grenzen zu setzen, die er dann doch ignoriert hat.
    Jetzt ist er seit ein paar Tagen in der Klinik und ich fühle mich nur noch leer. Richtig leer. Gleichzeitig habe ich riesige Angst, dass er wieder rückfällig wird – und dass ich dann wieder in die alte Rolle zurückfalle und mich endgültig verliere.
    Ich bin so hin- und hergerissen zwischen Mitleid, Wut, Schuldgefühlen und der totalen Erschöpfung. Manchmal weiß ich gar nicht mehr, wie ich weitermachen soll.
    Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn sich hier Menschen melden, die Ähnliches durchmachen oder schon durchgemacht haben. Besonders interessiert mich, wie ihr mit dem ständigen Hoffen und dem immer wieder Enttäuschtwerden umgegangen seid und wie ihr es geschafft habt, eure eigenen Grenzen zu halten, ohne dabei komplett kaputtzugehen.
    Danke, dass ihr zuhört.
    Ich fühle mich gerade ziemlich allein mit alldem.;(

  • Servus Sam,

    der gerade seinen sechsten Entzug macht

    Warum sind die denn immer gescheitert

    Ich meine, manchmal kann man einen Rückfall – z. B. nach einem Schicksalsschlag – durchaus nachvollziehen. Aber oft werden Entzüge nur gestartet, weil man gerade keine andere Möglichkeit hat, etwa weil man nicht an Stoff kommt.

    So wie du deine Situation beschreibst, würde ich sagen: Du brauchst Zeit für dich. Kein externer Stress, keine Lügen und so weiter! Er sollte seine Langzeittherapie durchziehen, und du kümmerst dich in der Zeit ganz allein um dich. In ein paar Monaten könnt ihr beide dann entscheiden, ob und wie es mit euch als Paar weitergehen kann.

    Nutze doch eine Angehörigenberatung – auch wenn die dir wahrscheinlich nichts anderes sagen werden. Normalerweise würde ich dir auch therapeutische Unterstützung vorschlagen, aber leider sind solche Plätze rar 🤢. Alternativ könntest du eine SHG besuchen.

    Schuld an der Sucht deines Partners bist du jedenfalls nicht – wie kommst du denn darauf? Grenzen zu setzen ist nicht einfach, aber sie bringen nur etwas, wenn sie klar und konsequent durchgezogen werden. Meiner Meinung nach kannst du erst eine Entscheidung über deine oder eine gemeinsame Zukunft treffen, wenn du selbst wieder gesund, fit und klar bist.

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

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