Beiträge von Rabert

    Betreuer in den jeweiligen Wohngruppen/Institutionen sind in der Regeln Sozialtherapeuten/-arbeiter oder ähnliches.

    Denen möchte ich schon soviel Kompetenz zugestehen, dass se bei den Probanden in vielen Bereichen mitreden können!

    Ich kenne das System von meiner Tochter aus erster Ehe, die im System der Lebenshilfe lebt, allerdings eine eigene Wohnung haben darf. Daher weiß ich, dass ein Betreuer niemals ein Therapeut im hier diskutierten Sinne ist und so eine Person auch nicht ersetzen kann, egal ob rechtlicher Betreuer oder Wohngruppenbetreuer oder Arbeitsplatzbetreuer. Ein guter Betreuer würde sich auch niemals derart instrumentalisieren lassen.

    Jetzt weiß ich nicht, ob es okay wäre, wenn ich das für mich behalte, oder, ob es doch besser wäre, es meiner Betreuerin zu sagen.

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    Ich möchte auch nicht, dass sie meiner Therapeutin davon erzählt.

    Ich gewinne den Eindruck, dass du irgendwie die Rollen von Betreuerin und Therapeutin vertauschst. Deine Betreuerin ist nicht deine Therapeutin. Die Betreuerin ist für finanzielle, hauswirtschaftliche, verwaltungstechnische und rechtliche Hilfe und Unterstützung da. Die Probleme, die du hier schilderst, sind keine Themen, die du mit einer Betreuerin diskutieren solltest oder müsstest. Du kannst das natürlich tun, es ist immer gut (anders als mit einer Therapeutin) wenn man seine Betreuerin auch zur Freundin macht. Aber sie wird dir diesbezüglich nicht besser helfen können als wir hier, denn sie ist weder geschult noch beauftragt dich hinsichtlich deiner seelischen Notlage zu beraten oder zu begleiten (es sei denn, sie ist zufällig auch als Therapeutin ausgebildet und tätig gewesen). Deine Therapeutin ist es jedoch. Diese Dinge solltest du daher mit deiner Therapeutin besprechen.


    Wenn du deiner Therapeutin nicht vertrauen kannst oder willst und dies in ihrer Person begründet ist, musst du (oder deine Betreuerin) für dich jemand anderes für diesen Job suchen. Wenn der Grund für diese Ablehnung in ihrer Rolle oder Aufgabe liegt, dann musst du deine Einstellung zur Therapie als solcher ändern. Die ganze Zeit und Kraft, die du mit deiner Therapeutin verbringst, ist verschwendet, wenn du dich ihr nicht öffnest, wenn du ihr nicht ehrlich und vollständig alles erzählst was dich belastet und was dir passiert, wenn du nicht tust, worum sie dich bittet oder womit sie dich beauftragt. Wenn du eine Therapie grundsätzlich nicht willst oder nicht annehmen kannst, wird man dir nicht nachhaltig helfen können.


    Du bist in großer Not. Eine Therapeutin kann dir da heraus helfen. Deine Betreuerin kann das nicht besser als wir Amateure es hier können. Das Einzige was deine Betreuerin tun kann um dir in diesem Problembereich wirklich zu helfen ist den Schulterschluss mit der Therapeutin zu suchen und sich von ihr anleiten zu lassen, wie sie bezüglich deiner seelischen Probleme mit dir umgehen sollte. Oder ihr zu berichten, was sie von dir erfahren hat, wenn du es der Therapeutin nicht selbst sagst.

    Den Sohn aber als Kriminellen zu bezeichnen, sehe ich sehr kritisch, wem sollte denn so eine Aussage helfen?

    Ist das Verkaufen von Rauschgift neuerdings nicht mehr kriminell? Die Aussage soll der Mutter helfen der unangenehmen Wahrheit ungeschönt in's Auge zu blicken. Aber ich denke, dass tut sie ja sowieso schon.


    Der letzte Satz ist aber völliger Blödsinn, reines Wissen von eventuellen Dealaktionen eines Elternteils hat strafrechtlich keinerlei Relevanz!

    Niemand muss gegen sein Kind aussagen und wird wegen dessen Taten bestraft!!

    Wo soll ich geschrieben haben, dass die Mutter wegen der Taten ihres Sohnes bestraft werden könnte?


    Ich schrieb, dass ihr Mittäterschaft unterstellt werden könnte. Das kann dann passieren, wenn ihr vorgeworfen wird, dass sie durch Unterlassung oder Unterstützung dem Sohn ermöglicht weiterhin kriminell zu handeln. So wie sich die Situation dort mittlerweile entwickelt, wird ihr dieser Vorwurf jedoch in der Tat wohl kaum gemacht werden. Das war zum Zeitpunkt meines Beitrages aber noch nicht klar.

    Ich frage mich, wohin soll dein Sohn eigentlich hingehen?

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    Wenn er nun seinen letzten Anker verliert, was meinst du wird er tun?

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    Oder er denkt sich, mein letzter Halt ist jetzt auch noch weggebrochen, also ist mir alles egal - ich werfe diese lästige Ausbildung und geb mir endgültig die Kante.

    Das ist in diesem Fall nicht das Problem der Mutter, und sollte auch nicht zu ihrem Problem gemacht werden. Hier jetzt diesbezüglich Druck auf die Mutter aufzubauen und zu insinuieren, sie wäre mit so einer Entscheidung an der weiteren Entwicklung der Situation (mit) Schuld oder hätte diese (mit) zu Verantworten, halte ich für nicht angebracht.

    Dein Sohn braucht dringend professionelle Hilfe. Das Problem ist, dass ihm diese nicht ohne seine Zustimmung gegeben werden kann - und er im Moment keinen Hilfebedarf für sich sieht. Im Gegenteil: Er weiß, dass jede "sogenannte Hilfe" ihn aus seiner Komfortzone zu holen droht, und das will er nicht.


    Es ist schrecklich, dies als Eltern beobachten zu müssen, ohne wirklich etwas tun zu können außer ihm weh zu tun. Zeige ihm, dass du nach wie vor für ihn da bist, aber nur wenn er sich aktiv aus der Drogenszene und aus der Sucht herausarbeitet. Wenn er das nicht tut, brauchst du viel Kraft, weil du ihm bei seinem langsamen Absturz zusehen musst ohne ihm helfen zu können.


    Vielleicht solltest du selbst zu einer Drogenberatung gehen, die zum Einen möglicherweise Ideen haben wie deinem Sohn auch gegen seinen Willen geholfen werden kann, und zum Anderen wie dir geholfen werden kann, um mit dieser Situation klar zu kommen.

    Mittlerweile habe ich auch von ihm erfahren, dass er dealt.

    Dein Sohn ist 23 und für sein Leben alleine verantwortlich. So wie du ihn beschreibst, ist er ein kleinkrimineller Süchtiger. Du musst aufpassen, dass dir im Fall der Fälle keine Mitwisser- und damit Mittätereigenschaft zugeschrieben wird.


    Er ist total genervt von mir und meinte, ich würde übertreiben.

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    Er könne damit in die Drogenberatung gehen, das wären die Fachleute, nicht ich.

    Das will er nicht.

    Das ist das typische Verhalten von Süchtigen, die (noch) keinen Leidensdruck haben. Mit Liebe und guten Worten kommst du da im Moment keinen Schritt weiter. Ist zumindest meine Erfahrung.


    Ich würde dir raten, einen Deal mit ihm zu machen: Wenn er bei dir wohnen bleiben will, dann muss er eine Suchtberatung aufsuchen und deren Hilfe annehmen und die dort gegebenen Empfehlungen umsetzen. Andernfalls darf er sich eine Wohnung suchen.

    Nun weiss du, würde die Depression nicht immer stärker und düsterer werden ,wenn sie wieder auftaucht, wäre es nicht so das Problem. Aber das ist es nicht. Sie wird immer fieser und noch schwerer. Das macht das ganze nur schwieriger positiv zu denken.

    Das ist ja eine der fiesen Seiten von Depressionen. Sie nehmen einem die Fähigkeit positiv denken zu können.


    Depressionen sind in der Familie meiner Frau weit verbreitet. Ein Onkel von ihr hat sich umgebracht, die Mutter hält sich gerade so über Wasser und der Bruder ist wegen seiner Depressionen mit Anfang 50 dauerhaft erwerbsunfähig geworden. In diesem Umfeld habe ich gelernt, dass nachhaltig nur zwei Dinge helfen können: Geduld und Vertrauen in die Fähigkeiten der Ärzte.


    Ich weiß, dass es schwer fällt diese Geduld aufzubringen, wenn um einen herum alles im Dunkel zu verschwinden beginnt und Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit sich breit machen. Du kennst Depressionen schon lange und weißt daher, dass dies eine ernstzunehmende, schwere Erkrankung ist, die durch kompetente Fachärzte behandelt werden muss. Diese Ärzte können vieles, aber keine Wunder vollbringen - bis ihre Kunst wirklich Erfolg zeitigt, braucht es bei schweren Depressionen oft Monate oder sogar Jahre.


    Wenn du diese Monate/Jahre nicht aushältst, kann dir nur eine starke medikamentöse Symptombehandlung in der Zwischenzeit das Leben erträglicher machen. Die Nebenwirkungen muss man dann ertragen - und soviel ich das beobachten konnte, sind auch die unangenehmsten Nebenwirkungen auf Dauer für den Betroffenen erträglicher als die Dunkelheit der Depression. Und wenn ich deine Beiträge richtig gelesen habe, machst du das ja schon. Ich persönlich kenne leider keine Alternative dazu.


    Ich sage immer, Depressionen sind wie Seelenkrebs. Man kann sie behandeln und sie können verschwinden (Remission) aber genau wie Krebs gibt es die Möglichkeit, dass sie wiederkehrt (Rezidiv), und dabei nicht selten "Metastasen" bildet, die schwieriger und gefährlicher sind als die ursprüngliche Erkrankung und auch schwieriger zu behandeln. Aber es gibt fast immer noch ein Mittel, ein Medikament, dass diese erneute Depression wieder zurückdrängen kann. Es dauert nur manchmal einige Zeit, bis diese/s Medikament/e und die richtige/n Dosierung/en gefunden wurde und bis das dann wirkt und den erwünschten Erfolg bringt.beim

    Ich bin gerade an einem gruseligen Punkt angelangt und frage mich, ob ich es nicht selbst schuld bin, das alles wollte?

    Sowas nennt man glaube ich Stockholm-Syndrom. Man solidarisiert sich mit dem Täter und versucht ihn zu entlasten, um der eigenen Hilflosigkeit und Verzweiflung zu entgehen.

    wieso kommt dann bei mir immer die Depression zurück ?

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    Da stell ich mir ernsthaft die Frage, wozu das ganze?

    Bei manchen Depressionen dauert es Jahrzehnte, bis sie ganz ausgeheilt sind. Manchmal lassen sie sich auch gar nicht kurieren.


    Wozu das Ganze? Damit man immer wieder mal zwischendurch Jahre hat, in denen die Depression weg ist. Und die Option oder Hoffnung, dass sie irgendwann einmal gar nicht wiederkommt.


    Mein Krebs ist unheilbar, er wird wieder kommen, das ist sicher. Aber jetzt im Moment macht er mir keine Probleme. Dieser Moment dauert nun bereits drei Jahre an. Drei Jahre, in denen ich mein Leben genießen kann. Ja, ich muss Opioide gegen die Schmerzen nehmen. Ja, ich muss 30mal im Jahr zu meinem Onkologen fahren und mir einen Zugang für eine Infusion legen lassen. Aber das tue ich alles gerne, damit ich mich auf und über die Jahre freuen kann, die ich noch mit meiner Frau verbringen darf.

    Es geht nicht nur um die Inhalte. Es geht auch um die Form, Dinge wie Wortwahl, Satzbau, Gliederung, usw., aus denen Therapeuten oft viel erkennen können. Frag mich aber nicht wie die das machen, ich bin kein Therapeut.

    Ohne die Medikamente würde ich glaub,heut nicht hier sitzen.

    Das glaube ich sofort. So wie ich das aus der Ferne beurteilen kann, müsste der Schwerpunkt deiner Therapie jedoch auf einer langfristigen psychotherapeutischen Behandlung basieren. Die Medikamente halten dich im Moment am Leben und sind daher im Moment sicherlich unverzichtbar, aber sie greifen nicht die Ursache deiner Probleme an - wenn das mit der reaktiven Depression so richtig ist.


    Meine Frau leidet an einer Mischform exogener und endogener Depressionen. Sie nimmt seit Jahrzehnten gering dosierte Psychopharmaka, und ist genauso lange bereits in psychotherapeutischer Behandlung. Es hat über 20 Jahre gedauert, aber sie hat mittlerweile die exogenen Ursachen, die ihre endogene Depression verstärkt haben, mittlerweile weitgehend verarbeitet, und es geht ihr insgesamt wesentlich besser als früher. Trotz zwei eigener Krebserkrankungen und einem an Krebs erkrankten Mann in den vergangenen 10 Jahren.


    Du schreibst, dass du seit zwei Jahren in therapeutischer Behandlung bist. Meinst du damit nur die bereits erwähnte medikamentöse Therapie, oder beinhaltet das auch eine psychotherapeutische Behandlung?

    Reaktive Depressionen werden durch Einflüsse von außen verursacht, sie zählen zu den exogenen Depressionen. Exogene Depressionen sind in der Regel im Vergleich zu endogenen Depressionen (das sind quasi angeborene Fehler in der Hirnchemie) besser behandelbar. Während eine endogene Depression nur selten heilbar ist, können exogene Depression oft geheilt werden - auch wenn das manchmal viele Jahre dauert.


    Endogene Depressionen werden im Wesentlichen psychiatrisch (also mit Blutuntersuchungen und Medikamenten) behandelt, exogene Depressionen in der Regel psychotherapeutisch, ggf. mit medikamentöser Unterstützung zur begleitenden Symptomlinderung.


    Warst du in einer psychotherapeutischen Behandlung, und/oder bist du es derzeit?


    Die medikamentöse Behandlung von Depressionen funktioniert fast immer nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum. Die Psychiater fangen in geringer oder mittelprächtiger Dosierung mit einem Medikament an und dosieren das dann immer höher, bis es wirkt. Oder auch nicht, oder die unerwünschten Nebenwirkungen zu stark werden - dann wird das mit einem anderen Medikament wiederholt. Das macht man solange, bis ein Medikament gefunden ist, dass eine ausreichende Wirkung bei gleichzeitig akzeptablen Nebenwirkungen zeigt. Das Ganze kann einige Wochen oder auch mehrere Monate dauern.


    Du bist jetzt in der Psychiatrie, das bietet dir zumindest schon mal strukturelle Sicherheit. Jetzt brauchst du Geduld, bis ein Medikament und dessen richtige Dosierung gefunden ist, welches deine Symptome auf ein erträgliches Maß herunter regelt. Wenn das erreicht ist, solltest du dir einen Psychotherapeuten für eine ambulante Therapie suchen.

    Es klingt zwar heraus, dass es für deine Depression ein ursächliches Ereignis gibt, aber dennoch die Frage: handelt es sich bei dir um eine exogene oder eine endogene Depression oder um eine Mischform davon?

    Ich habe das auch schon gehört. Aber als ich meine Hydromorphon-Dosis im vergangenen Jahr von 16mg auf 8mg -Retardtabletten reduzierte, habe ich sowohl meinen Arzt als auch meinen Apotheker gefragt, ob ich die paar 16mg-Tabletten, die ich noch hatte, teilen könne. Zumal die ja auch eine Sollbruchstelle für's Halbieren hatten. Beide sagten mir, dass wäre kein Problem. Ich hab's dann gemacht und es war in der Tat kein Problem, jedenfalls keines, das ich bemerkt hätte.


    Vielleicht gibt es da Unterschiede bei den einzelnen Herstellern oder den einzelnen Opioid-Varianten?